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Ackermann verzichtet auf Millionen-Bonus

Fri, 17 Oct 2008 10:27:14 +0200

Der Chef der größten deutschen Bank verzichtet dieses Jahr auf seinen Bonus in Höhe mehrerer Millionen Euro. Angeblich zugunsten verdienter Mitarbeiter.

Mal davon abgesehen, dass dies eine notwendige und richtige Geste ist angesichts der Finanzkrise, wirft das dennoch mehrere Fragen auf. Vor Allem die Frage, wieso in sonstigen Jahren ein Ackermann mehrere Millionen als Bonus einstecken kann, und die angeblich ja vorhandenen verdienten Mitarbeiter gehen leer aus. Wie kann das sein, dass ein Firmenchef die Verdienste seiner Mitarbeiter jahrelang ignoriert und praktisch deren Bonus selber einstreicht? Denn wenn er das dieses Jahr ausnahmweise mal nicht wie üblich handhabt, sondern den Bonus den Mitarbeitern zukommen lässt, die ihn ja, seiner eigenen Aussage nach, verdient haben, dann heisst das doch im Umkehrschluss, dass er eben diesen verdienten Mitarbeitern in sonstige Jahren ihren verdienten Bonus vorenthält und selber kassiert.

Nächste Frage ist natürlich, wieso überhaupt ein Bonus ausgeschüttet wird. So weit ich weiss, hat die Bank Verluste eingefahren durch die Bankenkrise. Also müsste konsequenterweise kein Bonus gezahlt werden, sondern ein Malus kassiert werden. So aber werden Diejenigen, die jetzt einen Bonus kassieren, also vom Staat resp. unfreiwillig vom Steuerzahler dafür belohnt, dass sie Geld vernichtet haben, und das in großem Maßstab. Irgendwie widersinnig. Dass Ackermann allerdings eben diesen Malus dieses Jahr an "verdiente" Mitarbeiter abwälzen will, ist wohl eher ein Gerücht.

Und letzte Frage: Inwieweit ist das nun Augenwischerei? Oder kann man hieraus ein generelles Umdenken ableiten? Vermutlich eher nicht. Es ist wohl eher die "großzügige" Geste Desjenigen, der schon so viel Geld hat, dass es ihm zu den Ohren herausquillt, und der sich damit als mildtätig profilieren will.

Eine saubere Konsequenz der Benkenkrise wäre, erstens eventuelle Boni tatsächlich sehr breit zu verteilen. Und zweitens sollte Jeder, absolut Jeder, der einen Bonus bekommt, zu gleichen Teilen auch an einem Verlust beteiligt werden. Wer also 1% des Firmengewinns als Bonus bekommt, sollte auch mit 1% am Verlust der Firma mit seinem Privatvermögen beteiligt werden. Denn bis jetzt ist es so, dass die Spitzenmanager am Gewinn einer Firma (Bank) beteiligt sind, die Steuerzahler jedoch am Verlust. Und zwar jeweils ausschließlich.


2 Kommentare

  • Fri, 17 Oct 2008 10:58:08 +0200

    Nachtrag. Jetzt fordert Grünen-Fraktionschefin Renate Künast von Ackermann, auf sein gesamtes Gehalt zu verzichten. Das halte ich nun wieder für ungerecht. Der erfolgsunabhängige Teil seines Gehaltes mag zu hoch sein, aber es steht ihm zu wie das Gehalt jedes anderen Mitarbeiters auch. Hier wird wohl, vermutlich aus berechtigter Wut, das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.
  • Sat, 18 Oct 2008 10:00:45 +0200

    Nachtrag: Inzwischen habe ich erfahren, dass die Deutsche Bank tatsächlich, trotz Krise, noch Gewinn gemacht hat. Also wäre ein Bonus tatsächlich korrekt. Die sonstigen Gedanken dazu bleiben aber weiterhin bestehen.