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Alternative Stile

Tue, 28 Oct 2008 19:43:27 +0100

Alternative Stile sind eine schöne Sache. Sie sind vor Allem dazu gedacht, Benutzern, die mit dem voreingestellten Stil irgend ein Problem haben, eine ansehbare Alternative zu bieten. Aber man kann diese alternativen Stile natürlich auch einfach so als Spielerei einsetzen.

So als Spielerei hat das beispielsweise Ralph Segert in seinem Blog gemacht. Ein sinnvoller und willkommener Service. Das dunkle Lyout hat gegenüber dem hellen keine Vorteile bezüglich Zugänglichkeit oder Usability. Aber es sieht eben anders aus, und wem es dunkel besser gefällt, wählt eben das dunkle Design.

Bei diesem Angebot ist Ralph Segert wohl auf die gleichen Probleme gestoßen wie ich auch. Nur zur Erinnerung: Rorkvell bietet ebenfalls alternative Stile, und das schon seit Langem. Und auch hier gab es eine Zeit lang einen auf Javascript basierenden Styleswitcher. Ich bin wegen der Probleme, die dabei aufgetaucht sind, wieder davon abgekommen. Hier sind die Gründe:

  1. Zunächst ist diese Art der Stilauswahl an Javascript gebunden. Wer Javascript aktiviert hat, bekommt die Vorteile des Styleswitchers. Wer nicht, nicht. Das muss nicht sein. Moderne Browser (alle, ausser dem IE) unterstützen von Haus aus alternative Stile. Diese müssen allerdings anders eingebunden werden als das Ralph Segert tut. Die alternativen Stile werden nach W3C Standard im HTML head Bereich eingebunden, ganz ähnlich wie reguläre Stile. Etwa in der Art: link rel="alternate stylesheet" type="text/css" title="Noch'n Stil", href="http://..." / Der Titel ist hierbei wichtig. Über diesen Titel wird dieser alternative Stil auswählbar. Der Titel wird in das Auswahlmenue des Browsers übernommen. Dabei ist weiterhin wichtig, dass einer der diversen alternativen Stile voreingestellt ist. Diese Voreinstellung wird erreicht, indem das "alternate" weg gelassen wird: link rel="stylesheet" type="text/css" title="Normaler Stil", href="http://..." / Es gibt Javascript Styleswitcher, die genau diese Angaben auslesen und in dem Auswahlmenue auf der Webseite anbieten.
  2. Wenn Javascript nicht aktiviert ist, bekommt der Benutzer eine nutzlose Auswahlbox präsentiert. Er glaubt, einen Stil auswählen zu können und ist dann enttäuscht, dass es nicht funktioniert. Das ist nicht gut. Ich habe bei Rorkvell versucht, dem entgegen zu wirken, und habe die Auswahlbox nicht von Anfang an mit eingebunden, sondern sie per Javascript erzeugt und hinzugefügt. Die Idee dahinter: Wenn Javascript nicht aktiviert ist, bekommt der Benutzer auch keine nutzlose und irritierende Auswahlbox präsentiert. Ist Javascript hingegen aktiviert, wird diese Auswahlbox automatisch hinzugefügt, und der Benutzer kann die Auswahlbox auch wirklich nutzen. Tja, schön gedacht, funktioniert jedoch nicht. Jedenfalls nicht im IE. Im Firefox funktioniert das, aber der Firefox braucht diese Javascript Auswahl gar nicht, da er das mit Bordmitteln und ohne Javascript viel besser realisieren kann. Diese Auswahlbox ist eigentlich nur für den IE nützlich. Und genau hier funktioniert kein Javascript, das erst nachträglich per Javascript mit eingebunden wurde. Die Box erscheint zwar, aber das Script dahinter läuft nicht. Sehr ärgerlich.
  3. Wenn der Benutzer bei abgeschaltetem Javascript die Box in Betrieb nimmt, einen Stil auswählt, und feststellt, dass es nicht funktioniert, wird er vielleicht Javascript einschalten. Nur, durch das Einschalten des Javascript wird der neue Stil dennoch nicht aktiviert. In der Auswahlbox bleibt er hingegen selektiert. Versucht man nun, diesen Stil erneut zu aktivieren, passiert gar Nichts. Erst, wenn man nun einen anderen Stil auswählt, und dann wieder den gewünschten Stil, erst dann passiert auch was. Ich nehme mal an, dass man das Javascript in diesem Punkt optimieren könnte. Aber so ist es unschön.
  4. Der Firefox benötigt für die Permanenz der Auswahl eine Extension, zum Beispiel den Stylesheet Chooser Plus. Diese Extension macht eine Auswahl, die via Javascript erfolgt ist, umgehend wieder rückgängig. Der Stil, der mit den Bordmitteln des Browsers gewählt wurde, hat Vorrang. Das ist ja durchaus auch sinnvoll.

Aus allen diesen Gründen habe ich von einem Styleswitcher in der Webseite abgesehen. Der einzige Browser, der das benötigt, kann mit dem per Javascript eingebundenen Javascript Nichts anfangen. Und die anderen großen Browser, Mozilla Firefox, Opera, Safari, sie alle können mit Bordmitteln viel besser einen Stil aus einer Liste auswählen. Der einzige Nachteil: Die meisten Nutzer kennen ihren Browser nicht und kommen gar nicht auf die Idee, danach zu suchen. Mein Tipp für alle Benutzer guter Browser: Schaut Euch Euren Browser genauer an. Im Firefox wird der Stil ausgewählt unter "Ansicht" - "Webseiten Stile". Opera und Safari haben eigene Menues dafür. Auch, wenn bislang nur wenige Webseiten mehr als einen Stil offerieren, es lohnt sich, hinzuschauen.

Und ein Hinweis an Webseitenersteller: Eine Webseite mit mehreren, vor allem mit mehreren sehr verschiedenen, Stilen auszustatten, das geht nur, wenn das HTML Markup frei ist von sogenanntem "presentational markup". Denn ausgetauscht wird nicht ein Buchstabe der HTML-Datei, sondern nur und ausschließlich der CSS Stil. Das ist, so ganz nebenbei, eine gute Trainingsmethode für "semantic markup".


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