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Asche auf mein Blog

Wed, 19 Nov 2008 10:53:04 +0100

Asche auf mein Blog. Und zwar die Asche, die man auch unter den Namen Kohle, Kröten, Pinke-Pinke, oder ganz profan, unter dem Namen Geld versteht. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und Hartz4-Unverschämtheit ein nicht nur legales, sondern all zu oft auch absolut notwendiges Ziel bloggender Mitmenschen. Wie das nicht geht, und wer i.d.R. wohl am ehesten mit Blogs Geld verdient (eben nicht der Blogger), das beschreibt Dieter Petereit bei Dr.Web.

Es ist schon traurig, wenn man sich klarmacht, dass der Begriff "Professionalisierung" von so Vielen als Synonym für "Monetarisierung" gehandelt wird. Auf diese Art der Professionalisierung verzichte ich lieber.

Klar, ich würde lügen, würde ich behaupten, dass mir ein paar zusätzliche Kröten für mein Blog nicht willkommen wären. Aber ich bin Realist. Ich bin als Verkäufer eine Niete und habe nicht den blassesten Schimmer, wie ich aus diesem Blog ein Einkommen generieren sollte. Also lasse ich es einfach. Ich hoffe doch, dass die nicht-Bezahlung meiner Artikel nicht auf die Qualität schlägt. Ich schreibe, weil es mich interessiert, weil ich es so will. Die Gefahr bei Bezahlung ist ja, dass der Bezahlte abhängig wird vom Bezahler. So gesehen kann ich guten Gewissens behaupten, Rorkvell ist unabhängig.

Andererseits hat Dieter Petereit natürlich Recht damit, wenn er schreibt, dass wirklich guter Inhalt nur entsteht, wenn der Schreiber auch davon leben kann. Ich verdiene meine Brötchen mit Softwareentwicklung. Das bedeutet, ich habe keine Zeit für Recherche. Ich habe oft genug nicht mal Zeit, überhaupt zu bloggen. Oder allenfalls mal eben schnell am Abend, wenn ich schon die Hälfte meines Feierabendbierchens intus habe. Unter diesen Begleitumständen ist der Inhalt meines Blogs zwar immer noch recht gut, aber es könnte natürlich wesentlich besser sein. Ein Journalist, der von den Tätigkeiten rund um die Informationsverbreitung leben kann, kann ganz anders an das Bloggen herangehen. So kann in der Tat hochqualitativer Inhalt entstehen. Die Gefahr der Abhängigkeit bleibt dabei natürlich bestehen.

Eine Entwicklung, die Dieter Petereit aufzeigt, halte ich allerdings ebenfalls für extrem bedenklich: Die neue Zunft der Schreibsklaven. Menschen, die Massen an Billig-Inhalt produzieren, und dafür so wenig Geld bekommen, dass es zum Sterben grade so eben zu viel ist, zum Leben aber definitiv viel zu wenig, und mit deren Sklavenarbeit Andere Geld verdienen. Leider wird die verbreitete Fastfood- und "Geiz ist geil" Mentalität dazu führen, dass dieses moderne Sklaventum weiter zunehmen wird. Traurig, aber unvermeidlich

Was mir irgendwann passieren kann, ist, dass ich das Bloggen ganz aufgeben muss. Ich betreibe dieses Blog als Hobby. Ein Hobby muss man sich leisten können. Noch kann ich das. Wer weiss, wie lange. Aber bevor ich hier zum Schreibsklaven werde, beende ich das lieber.

Keine Bange, noch ist es nicht so weit.


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