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Digitale Spaltung, die Zweite

Sat, 18 Oct 2008 18:51:50 +0200

Zur Zeit geht insbesondere bei Robert Basic die Diskussion heiss her um einen neuen aberwitzigen Abmahnfall. Dabei geht es um das Thema: Wie verfolge ich die Kommentare, wenn ich beispielsweise irgendwo einen Kommentar abgegeben habe. Schließlich will man ja wissen, was Andere dazu zu sagen haben. Und wenn gar Jemand auf den eigenen Kommentar eingeht, kann sich daraus eine richtige Diskussion entwickeln.

Das abgemahnte Plugin bietet als Lösung an, über neue Kommentare per e-mail benachrichtigt zu werden. Das Problem dabei: Da die e-mail Adresse nicht geprüft wird, und irgend ein böser Zeitgenosse hier die Adresse seines Lieblingsfeindes eintragen kann, bekommt selbiger dann also Spam. Sowas lässt sich tatsächlich abmahnen.

Meine eigene Idee für eine Alternative war nun: Nicht per e-mail benachrichtigen, sondern stattdessen einen Komentarfeed abonnieren. Ist schließlich im Zeitalter der Blogs eigentlich angemessen.

Ich möchte hier nicht näher auf die Abmahnung als solche eingehen, die ich einfach nur [zensiert] finde. Auch nicht darauf, ob nun eine Benachrichtigung per e-mail oder besser per Kommentarfeed besser ist. Mir ist bei der Argumentation in Roberts Blog dazu Eines aufgefallen: Es wird viel damit argumentiert, dass die meisten Surfer gar nicht wissen, was ein Blog ist, geschweige denn ein Feed. Das ist richtig. Ich kann das aus eigener Erfahrung (aus meinem eigenen Bekanntenkreis) bestätigen. Man mag das schlecht finden (ich finde das schlecht), aber Tatsache bleibt nun mal Tatsache.Doch eben diese Tatsache zeigt ein Problem auf: Eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Wir haben bereits, selbst hier in Europe, die "digitalen Analphabeten", die mit dem Internet Nichts zu tun haben wollen und ngstlich jede Berührung vermeiden. Menschen, die sich nicht im Geringsten vorstellen können, was das Internet für Sie für einen Nutzen haben könnte. Dann haben wir sehr viele, die das Internet gerade mal passiv nutzen. Also Menschen, die zwar Webseiten ansurfen, aber niemals auf die Idee kämen, selber im Internet aktiv zu werden. Diese nutzen also zwar das Internet, aber in einer Art und Weise wie man eben früher die typischen Einwegmedien wie Zeitung, Radio und Fernsehen, genutzt hat. Zum Fernseher ist halt noch der Computerbildschirm dazu gekommen. Und statt der Fernbedienung muss man nun die Maus herumschieben. Aber im Wesentlichen hat sich für diese Menschen gegenüber früher Nichts verändert.

Und dann gibt es etliche, die immerhin schon mal aktiv werden im Internet. Die wenigstens mal eine eigene Homepage der Art "das hier bin ich" ins Internet stellen. Meine Eltern gehören dazu. Die sind allerdings auch schon über 70. Die meisten sogenannten Webdesigner gehören ebenfalls hier in diese Kategorie. Manche, wie meine Eltern (über 70) werden wohl nicht viel weiter kommen. Befremdlich sind da eher junge, "dynamische" und professionelle Webdesigner, die sich weigern, weiter zu gehen.

Und dann gibt es Menschen, die sich mit dem befassen, was heute möglich ist. Manche mehr, manche weniger. Aber man ist bereit, auch neue Wege zu gehen, auch mal bekannte Wege zu verlassen und sich in unbekanntes Neuland zu wagen. Im Bereich Webdesign begibt man sich beispielsweise auf das neue und unbekannte Gebiet des "semantic markup". Microformats und RDFa sind da Stichworte, die dazu gehören. Und im Bereich der Informationsübermittlung oder auch der Unterhaltung kennt, nutzt und produziert man eben Blogs, Feeds, Podcasts und Videocasts.

Was ich nun befürchte, ist, dass hier die Menschen in immer verschiedeneren Welten leben. Welten, die bald Nichts mehr miteinander zu tun haben. Die digitale Vierklassengesellschaft nimmt immer konkretere Formen an. Und die Klassengrenzen werden immer undurchdringlicher. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Entwicklung für die Gesellschaft besonders nützlich wäre. Was allerdings Patentrezepte zur Lösung dieses Problems angeht, da muss ich leider passen: Ich habe keine.


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