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Ewiges Leben

Sun, 09 Nov 2008 11:32:25 +0100

Ewiges Leben. Etwas, von dem speziell jüngere Menschen geradezu fasziniert sind. Je älter man wird, desto weniger fasziniert sind die Meisten davon. Auch Robert Basic geht auf Anregung seines Sohnes dieser Frage nach. Dabei kommt er zu für mich sehr unbefriedigenden Schlüssen.

Seine These: Man lebt als Bestandteil in allem Möglichen weiter. Also zunächst in seinen Kindern, aber auch in jedem Stein, jeder Maus, jedem Grashalm. Wo immer die Atome, aus denen der eigene Körper eben bestand, zufällig landen.

Diese These ist für mich aus mehreren Gründen unbefriedigend. Zunächst mal entsteht da die Frage: Was ist Leben? Wie äussert sich Leben? Für mich bedeutet Leben u.A., dass ich etwas tun kann. Also, um es auf einen einfachen Beispielpunkt zu bringen, dass ich z.B. diesen Artikel hier schreiben kann. Ich schreibe, also lebe ich.

Also gehen wir einmal experimentell an Robert's These heran. Man nehme einen Gegenstand, der zu nicht unerheblichen Teilen aus Kohlenstoff oder aus Wasser besteht. Denn dies Beides sind die Hauptbestandteile des menschlichen Körpers. Ich nehme also meine Tasse Tee, die ich gerade zur Verfügung habe, und stelle sie neben die Tastatur. Ich warte eine Weile, aber abgesehen davon, dass der Tee langsam kalt wird, es will sich einfach kein Artikel einstellen. Wer immer auch mal gelebt haben mag, und wessen Bestandteile jetzt im Wasser dieser Tasse Tee sind, der ist wohl nicht mehr in der Lage, seinem Leben wie auch immer Ausdruck zu verleihen. Diese Art von "Leben" ist für mich mindestend extrem unbefriedigend. Es ist mir dabei völlig egal, ob man das Leben nennt, oder nicht. Es ist, wenn es denn Leben sein soll, für mich in keiner Weise erstrebenswert.

Nun denn, andere These. Zum Beispiel die von der ewigen Wiedergeburt, wie im Hinduismus propagiert. Quintessenz dieser These ist, man wird so lange als neues Individuum wiedergeboren, bis man perfekt ist. Dann endlich hört dieser Zyklus auf, und man hört auf zu existieren. Schon alleine vom anzustrebenden Endresultat ist das für mich nicht sehr erstrebenswert. Doch diese These hat noch mehr Haken. Zunächst mal sammelt man als Individuum Etwas an, das sich "Karma" nennt. Wenn man sich korrekt verhält, sammelt man "gutes Karma" an, wenn man sich unkorrekt verhält, sammelt man "schlechtes Karma" an. Dieses "Karma" ist das Einzige, das man von seinen früheren Inkarnationen mitnimmt. Dabei bewirkt gutes Karma nicht nur, dass man als "höheres Wesen" wiedergeboren wird, sondern auch, dass mit größerer Wahrscheinlichkeit weiter mehr "gutes Karma" angesammelt wird. Je "höher" also die eigene Inkarnation ist, um so wahrscheinlicher ist eine weitere Annäherung an den Endzustand. Umgekehrt gilt: Schlechtes Karma führt nicht nur zu einer Weidergeburt als "niedrigeres Wesen", sondern führt auch mit höherer Wahrscheinlichkeit zur Ansammlung von noch mehr schlechtem Karma. Wenn ich nun zum Vergleich mein gutes Karma und mein schlechtes Karma auf die Waage lege, dann neigt sich die Waage sehr eindeutig! Keine lustigen Aussichten.

Auch, dass ich von einer früheren Inkarnation so gar Nichts ausser diesem ollen Karma mitnehme, ist unbefriedigend. Denn was mich als Mensch ausmacht, das sind nun mal meine Gedanken, meine Erfahrungen, Schmerz und Freude, Hass und Liebe. Alles, was ich eben bin. Das Alles in die Tonne zu treten, und nur den aktuellen Punktestand (Karma) mitnehmen? Eher nicht das, was ich mir wünsche.

Also neue These. Nehmen wir einmal an, es gibt ein individuelles ewiges Leben. Also ein Leben, möglicherweise durch eine Art Wiedergeburt, bei dem man nicht einfach nur das "Karma" der vergangenen Inkarnation mitnimmt, sondern sein ganzes Selbst, einschließlich aller Erfahrungen, Gedanken, Meinungen, eben Alles, was einen Menschen ausmacht. Eine andauernde Wiedergeburt kann man hier durch Erfahrung ausschließen. Ausser Jesus Christus und Lazarus ist mir Niemand bekannt, der hier auf dieser Welt mehr als einmal gelebt hat. Hier beginnt es nun, für mich interessant zu werden. Grundsätzlich ist diese Art von ewigem Leben für mich erstrebenswert.

Erstrebenswert ja, doch nicht unter allen Umständen. Ein Leben ohne Ende in einer Welt wie dieser, die nur so strotzt vor Gewalt, Ungerechtigkeit, Hass, Krieg, Verbrechen und anderen "segensreichen" Erfindungen der Menschheit, das wäre eher die Hölle. Hingegen ein Leben unter der Herrschaft Gottes, der als Einziger für Gerechtigkeit sorgen kann, ein Leben in Frieden, mit interessanten Herausforderungen, guten Freunden, keine Feinde, ohne Hass und ohne Schmerz, das dürfte genau das sein, was ich anstrebe. Nur so macht das für mich Sinn. Ein Leben, bei dem ich als Individuum, mit allen meinen Erfahrungen, Gedanken, Stärken und Schwächen, sinnvoll in Frieden und ohne Ende leben kann, in dem ich genießen kann, in dem ich mich freuen kann, genau das ist es, was ich will. Nichts Anderes.

Die biblischen Aussagen zu dieser These finden sich z.B. gut aufbereitet bei think. Diesem Aspekt muss ich eigentlich Nichts hinzufügen.


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