Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Klappe und aus

Wed, 03 Dec 2008 17:03:51 +0100

Krise allerorten. Die Autoindustrie jammert. Nicht nur in den USA sind die drei "Großen" praktisch pleite und ohne staatliche Hilfe nicht mehr überlebensfähig. Auch deutsche Autobauer melden einen Tiefstand der Neuzulassungen wie schon lange nicht mehr.

Ich bin mal gespannt, wie lange das noch weiter geht. Das System, so, wie es heute existiert, ist dazu bestimmt, zusammen zu klappen. Das Problem an dem System sind die Zinssätze. Prozentuale Znssätze führen zwangsläufig zu einem Zusammenbruch des Systems.

Mich erinnert das an einen Auszug einer taktischen Analyse eines Strategiespiels (Heroes of Might and Magic 3). Dort geht es u.A. darum, sogenannte unabhängige Monsterstacks zu besiegen. Diese haban am Anfang des Spiels eine vom Kartenersteller vorgegebene vernünftige Größe. Desweiteren haben sie systembedingt ein prozentuales Wachstum. Dieses prozentuale Wachstum bringt am Anfang des Spiels in absoluten Zahlen recht wenig. Doch Kleinvieh macht auch Mist. Irgendwann ist dieser Stack so weit angewachsen, dass sich das Wachstum beschleunigt. Das heisst, bis sich das Wachstum erneut beschleunigt, vergeht jetzt weniger Zeit. Wenn sich das Wachstum erneut beschleunigt, vergeht bis zur nächsten Beschleunigung noch weniger Zeit. Diese Stacks wachsen also immer schneller.

Auch das Spielereigene Potential wächst. Allerdings wächst es linear. Man kann das eigene Wachstum durch gute Arbeit linear bis zu einem gewissen Punkt steigern. Irgendwann hat man als Spieler das maximale Wachstum erreicht. Dann kann man pro Woche ein Maximum an Truppen rekrutieren. Das prozentuale Wachstum der freien Stacks soll als Ausgleich für das Spielerwachstum dienen, damit das Spiel länger interessant bleibt.

Kommt man nun in einer späten Spielphase an einen solchen freien Stack, stellt man fest, dass der zu groß ist. Also kehrt man heim, rekrutiert Alles, was vorhanden ist, und kehrt zurück zu dem freien Stack. Doch man stellt nun fest, dass dieser freie Stack inzwischen durch das prozentuale Wachstum noch viel viel stärker geworden ist. Der Unterschied zur eigenen Stärke ist größer geworden. Wiederholt man dies nun, stellt man fest, dass der Unterschied noch größer geworden ist. Sobald das der Fall ist, ist das Spielsystem aus dem Ruder gelaufen, und man hat keine Chance mehr.

So etwa sieht das auch mit der Wirtschaft aus. Es gibt Leute, die haben Kapital. Und zwar eine Menge davon. So viel, dass die die Zinsen dafür nicht mehr komplett ausgeben können. Das bedeutet, deren Kapital wächst also durch die Zinsen. Das wiederum bedeutet, dass sie noch mehr Zinsen übrig haben, die sie wiederum kapitalisieren können. Wir haben hier also ein prozentuales Wachstum des Kapitals. Bei einem geringen Kapital ist dieses Wachstum überschaubar und keine Gefahr. Aber ab einer bestimmten Kapitalhöhe beginnt das System, aus dem Ruder zu laufen. Die Banken müssen immer mehr und immer schneller immer noch mehr Zinsen an die Kapitaleigner zahlen. Dieses Geld muss aber irgend wo her kommen. Es kommt von Denjenigen, die ihren Lebensunterhalt nicht aus Zinsen, sondern aus Arbeit bestreiten. Das so erzeugte Einkommen wächst aber höchstens linear. Und mit der aktuellen Wirtschaftskrise, bei der immer mehr Menschen in Hartz4 abrutschen, schrumpft dieses Einkommen sogar. Die Zinsen, die die Kapitaleigner ansammeln und kapitalisieren, werden also immer mehr zur Luftnummer. Es sind nur noch Zahlen, die irgendwelche Buchhalter hin und her schieben. Aber es ist immer weniger reeller Wert dahinter. So wird Inflation gemacht. Diese Milliarden und Abermilliarden, die sich bei den Kapitaleignern ansammeln, sind irgendwann nicht mehr wert als eine Schachtel Streichhölzer. Natürlich können es sich die Kapitaleigner leisten, rechtzeitig auf Sachwerte auszuweichen, oder sie haben sowieso genügend Sachwerte, um solch eine Inflation verschmerzen zu können. Treffen wird es wie immer die, die ohnehin Nichts haben. Schon heute hat ein Hartz4-Empfänger oder 1-Euro-Jobber kaum genügend Geld, um sich gesund zu ernären. Er lebt von Billigstmampfe, und wird selbst davon kaum noch satt. Wenn die Inflation erst einmal so richtig anläuft, dann werden sich selbst hart arbeitende Menschen ihr täglich Brot aus der Mülltonne klauben müssen. Man arbeitet dann 8 Stunden oder mehr für einen Lohn, der heute den Gegenwert von vielleicht 1 Cent hat.

Die aktuelle Bankenkrise, die Dauer-Pleite der BayernLB (trotz Milliardenspritze und noch mehr Milliardenspritzen), die Pleite von Chrysler, General Motors und Ford, all das sind die Vorboten eines Wirtschaftskollaps, wie wir ihn in dieser Größenordnung noch nie hatten. Mal sehen, ob bald Deutsche als Wirtschaftsflüchtlinge in Indien oder China um Asyl bitten und abgeschoben werden.


0 Kommentare