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Lernen

Wed, 19 Nov 2008 11:40:06 +0100

Angeregt durch einen Artikel bei Kittyluka ging mit Folgendes durch den Kopf:

Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir

So ein Quatsch. Wenn ein Kind für das Leben lernen soll, muss eine Beziehung bestehen zwischen dem zu Lernenden und dem Leben des Kindes. Nur dann kann auch für eben dieses Leben gelernt werden. Mädchen haben eher die Fähigkeit, für die Schule statt für das Leben zu lernen. Jungs haben diese Fähigkeit nicht. Dafür ist die Fähigkeit von Jungs ausgeprägter, für ihr eigenes Leben zu lernen. Doch dieser Tatsache wird nicht im Geringsten Rechnung getragen. Konsequenterweise fallen gerade Jungs in der Schule heute massiv zurück. Mädchen können sich da eher halten. Aber auch Mädchen würden besser und intensiver lernen, wenn das zu Lernende einen Bezug zu ihrem eigenen Leben hätte.

Was seit Langem hier verwechselt wird, ist, dass es um einen Bezug zwischen dem Lehrstoff und dem Leben des Schülers/der Schülerin geht. Und nicht um einen Bezug zwischen dem Lehrstoff und dem Leben eines Kultusministers. Diesen Bezug herzustellen ist Aufgabe eines guten Lehrers. Die Wenigsten können das. Denn dazu muss man nicht nur den Stoff beherrschen (das ist sogar eher nebensächlich), sondern man muss die Kinder verstehen. Wenn man es gut macht, muss man die Kinder noch nicht einmal motivieren. Man muss sie nur in ihrer ureigensten Selbstmotivation unterstützen. Doch stattdessen wird an den Interessen der Kinder vorbei das gelehrt, was eine "Expertenkommission" für richtig hält. Und zwar für alle Kinder gleich. Das nennt sich dann Chancengleichheit. Alle werden über einen Kamm geschoren, und wer halt ein bisschen anders tickt, ist eben nur doof.

Wenn auf diese Weise die Kinder tagtäglich gelehrt werden, dass ihre eigenen Interessen irrelevant sind, dann ist es nur konsequent, wenn eben diese eigenen Interessen abnehmen oder sich dort entwickeln, wo Schule nicht hinkommt. Bei Jungs ist diese Aufgabe eigener Interessen oder das Ausweichen auf andere Gebiete ausgeprägter als bei Mädchen.

Ich erinnere mich da noch an meine eigene Schulzeit. Nicht viel Positives ist darunter. Aber doch so das Eine oder Andere. So haben wir im Deutschunterricht gelernt, frei vorzutragen. Wie man das macht, wurde uns zunächst erklärt. Danach hatte Jeder die Aufgabe, über ein frei wählbares Thema zu referieren. Mit entsprechender Vorbereitung natürlich. Der Vortrag wurde gewertet wie eine Klassenarbeit. Nur eben nicht Alle auf einmal, sondern so langsam nach und nach. Meine Mitschüler lästerten damals, ich könne ja ein Referat über Einsteins Relativitätstheorie halten. Dazu sei angemerkt, dass ich als eher schlechter Schüler galt, und damals etwa 14 gewesen sein muss. Nun, ich habe eben dies gemacht. Ich habe meine eigenen Interessen eingebracht und für meine eigenen Interessen gelernt. Und zumindest die spezielle Relativitätstheorie habe ich damals durchaus verstanden. Kein Lehrer hat sie mir beigebracht. Es wäre damals schön gewesen, wenn ich einen Lehrer hätte fragen können. Internet gab es damals noch nicht. Trotzdem habe ich die Energie entwickelt, zu diesem Thema zu recherchieren, und vor Allem, darüber nachzudenken, und zu versuchen, es wirklich zu verstehen. Energien, Fleiss, Durchhaltevermögen. Alles Eigenschaften, die sonst eher bei Null lagen. Vor Allem bei den Hausaufgaben. Hier war Alles ganz plötzlich im Überfliss vorhanden. Warum? Ganz einfach: weil sich meine Aufgabe plötzlich mit meinen Interessen deckte. Kinder können unglaublich effizient lernen. Die Erwachsenen lassen sie nur nicht. Und jedes Kind lernt anders. Jedes Kind ist ein Individuum mit einem ganz individuellen Lernverhalten. Alles Tatsachen, die von den "Verantwortlichen" rigoros beiseite gewischt werden. Und so produziert man Kinder, deren Inteessen, sofern noch vorhanden, meilenweit entfernt von Schule liegen. Und damit leider auch meilenweit entfernt von Vielem, was wünschenswert und nützlich wäre. Und so kommt es, dass Kinder nicht mehr wissen, wo die Stadt Pisa liegt, was diese Stadt so Besonderres hat, oder warum man Italien auch den "Stiefel" nennt. Aber diese Kinder kennen sich oft ganz genau im WoW Universum aus. Merkwürdig, nicht war? Kinder, die angeblich unfähig sind, Erdkunde zu lernen, kennen sich perfekt in virtuellen Welten aus. Seltsam, dass das Niemandem zu denken gibt.


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