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Marxistischer Eintopf

Tue, 14 Oct 2008 21:08:51 +0200

Grenznutzen

Dieses Grundkonzept heutiger Wirtschaftstheorie erläutert sehr anschaulich und verständlich Michael Kastner. Hier noch mal ganz kurz zusammengefasst (selber lesen ist besser): Wer großen Hunger hat, für den hat ein Löffen Eintopf einen hohen Wert. Wer satt ist, für den hat ein Löffel Eintopf einen geringen Wert.

So weit, so gut. Doch gibt es offensichtlich Dinge, für die dieses Prinzip nicht gilt, oder sogar das Gegenteil davon gilt. Bei Lebensmitteln ist das sicher vollkommen richtig. Aber es gibt mindestens zwei Güter, bei denen dieses Prinzip genau umgekehrt funktioniert: Geld und Macht.

Also: Wer wenig Geld hat, für den hat wenig Geld einen großen Wert. Wer mit jedem Euro knausern muss, für den hat jeder Euro einen immensen Wert. Doch wie ist das mit Denen, die schon viele Euros haben? Sind die irgendwann satt und wollen keine Euros mehr? Das Gegenteil ist der Fall. Wer viele Euros hat, wird süchtig nach Euros. Klassisches Suchtverhalten wird erkennbar. Je mehr Euros bereits vorhanden sind, um so mehr Wert haben noch mehr Euros.

Und Macht? Das Gleiche. Wer keine Macht hat, für den ist die ehrenamtliche Tätigkeit als Platzanweiser im lokalen Vogelzüchterverein sicher etwas sehr Wertvolles. Aber je mehr Macht auf eine Person konzentriert ist, um so mehr Macht will diese Person auf sich konzentrieren. Sättigungseffekt? Fehlanzeige. Auch hier sind wieder klassische Suchtmuster erkennbar.

Die Zusammanfassung der Unterschiede des Kapitalismus und des Marxismus sind, wie von Michael Kastner geschrieben, sicher richtig. Auf der einen Seite ist der Produzent das Maß der Dinge, auf der anderen Seite der Konsument. Aber ob das Eine oder das Andere nun das Ideale ist, da habe ich so meine Zweifel.


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