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Tabellitis versus Tabellophobie

Tue, 04 Nov 2008 07:40:28 +0100

Bei EfA gibt's den ersten Artikel aus einer Serie über barrierearmes Design von Tabellen. Der Artikel ist lesenswert!

Oft hat man ja den Eindruck, dass es grundsätzlich zwei Lager im Webdesign gibt: Die Einen, die Tabellen auf jeden Fall einsetzen, um eine Seite so oder so aussehen zu lassen, und die Anderen, die Tabellen als Relikt aus der unrühmlichen Vergangenheit auf Teufel komm raus vermeiden. Dabei ist Beides falsch.

Tabellen sind für tabellarische Daten gedacht. Bei tabellarischen Daten Tabellen zu vermeiden ist genauso Blödsinn, wie Tabellen um jeden Preis als Layouthilfe zu missbrauchen.

Allerdings gibt es im Webdesign tatsächlich zwei Lager. Die Einen glauben, der Begriff "Design" ist gleichbedeutend mit der Beantwortung so eminent wichtiger Fragen wie dem Abstand zwiśchen dem Menue und dem Text oder der Farbe eines Buttons oder auch der Typographie. Alles Fragen nach dem visuellen Design. Der visuelle Aspekt ist in der Tat ein Aspekt des Begriffs "Design". Allerdings nur einer davon.

Im Gegensatz zum deutschen Sprachgebrauch, der eher auf formal/künstlerische Aspekte abzielt und den Designbegriff weitgehend verdinglicht, umfasst der angelsächsische Begriff design auch technisch-konstruktive Anteile der „Gestaltung“.

"Gestaltung" hat also nicht nur Etwas mit Aussehen zu tun, mit Form und Farbe. Es hat auch sehr viel zu tun mit Funktion und Nutzbarkeit. Ein schönes Bild ohne Funktion ist zwar ein schönes Bild, aber hat Nichts mit Design zu tun. Selbst Grafikdesign befasst sich mit den visuellen Aspekten der Nutzbarmachung von Dingen. Die Piktogramme, die z.B. an den öffentlichen Toiletten hängen, das ist Grafikdesign. Mit diesem Logo wird die Funktion des dahinter liegenden Raumes erfassbar gemacht. Ohne Worte. Diese Piktogramme sind gutes Grafikdesign. Ähnliches gilt für das Webdesign. Allerdings ist die Thematik hier noch um Einiges komplexer. Grafikdesign kann sich auf den visuellen Aspekt beschränken. Im Webdesign geht das nicht. Das Web ist medienunabhängig konzipiert. Webdesign muss daher darauf abzielen, die Inhalte visuell genauso wie akustisch oder taktil nutzbar zu machen. Und für jeden der angesprochenen menschlichen Sinne gibt es massenhaft verschiedene Medien, über die diese Sinne angesprochen werden können. Im visuellen Bereich kann das gehen von kleinen Handy-"Monitoren" bis hin zu riesigen Monitorwänden auf z.B. Messen, von einfachen schwarz-weiss Monitoren (oder auch eine andere Farbe, jedenfalls monochrom) bis zu Millionen von Farbabstufungen. Bildschirme im Querformat genauso wie im Hochformat. Gedruckt auf Papier im Hoch- oder Querformat, auf Hochglanzpapier oder recycling-Zeitungspapier, mit oder ohne Farbe, DIN A4 oder US Letter. Das Design einer Webseite muss all diese und noch viel mehr Möglichkeiten berücksichtigen.

Auch der Aspekt der Maschinenlesbarkeit hat damit zu tun: Wenn die Seite für eine Maschine (ein Programm) nutzbar/lesbar ist, dann kann diese Maschine die Seite auch unter exotischen Umständen dem Benutzer zugänglich machen. So einfach ist der Zusammenhang. Bei Maschinenlesbarkeit geht es nicht darum, irgendwelchen Maschinen einen Gefallen zu tun. Es geht darum, beliebigen Maschinen bei ihrer Aufgabe, die Inhalte unter beliebigen Umständen nutzbar zu machen, zu helfen resp. die Wahrnehmung dieser Aufgaben überhaupt erst zu ermöglichen.

Dieser Aspekt echten Designs ist komplex, kompliziert, und zwingt immer mal wieder zu Kompromissen. Aber diese Kompromisse sind es wert. Und mit dem Fortschritt in CSS werden diese Kompromisse nach und nach weniger.


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