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Was ist ein Blog?

Thu, 09 Oct 2008 10:30:42 +0200

Uralte Frage. jedenfalls gemessen in den im Internet üblichen Zeiträumen. Und oft schon wurde versucht, diese Frage zu beantworten. Im Filterblog geht man diese Frage jetzt von hinten her an, sozusagen. Man versucht, zu definieren, was ein Blog nicht ist. Auch eine Möglichkeit.

Zunächst mal meine ich, dass Blog und Web 2.0 nicht das Selbe ist. Auch sind beide Begriffe nicht untrennbar miteinander verknüpft oder voneinander abhängig. Das Web 2.0 wird oft auch als das "Mitmach-Web" bezeichnet. Und obwohl dieses "Mitmachen" eigentlich bereits bei der allerersten Konzeption des Web und bei HTML 1.0 fester Bestandteil war, ist dieses Mitmachen erst in letzter Zeit so richtig in Schwung gekommen. So gesehen ist der Begriff Web 2.0 durchaus berechtigt. Aber das mit dem Mitmachen ist nicht zwangsläufig ein merkmal von Blogs.

Ein Blog ist zunächst mal eine wie auch immer organisierte chronologische Folge von Artikeln, die über ein spezialisiertes CMS erstellt und verwaltet werden. Fester Bestandteil eines Blogs ist dabei die Möglichkeit, diese Artikel auch automatisch geliefert zu bekommen. Meistens wird dies über einen RSS-Feed realisiert. Was hier nun das Original ist, und was die alternative Version, das ist Ansichtssache. So ist bei mir beispielsweise der sogenannte RSS-Feed das Original, und die HTML- und XHTML-Versionen die daraus abgeleiteten Alternativen. Aber das kann man auch andersherum sehen.

Merkmal eines Blogs ist also einmal die chronologische Folge von Artikeln, und zum Zweiten die Verfügbarkeit dieser Artikel auch in einer maschinenverwertbaren Form.

Und was ist nun, abgesehen von der maschinenlesbaren Form, der Unterschied zu einer klassischen Webseite? Eine klassische Webseite bietet ja auch einen Artikel. Kann man jedenfalls so sehen. Was i.d.R. fehlt, ist die chronologische Folge an Artikeln. Webseiten stehen zwar auch untereinander in Beziehung, jedenfalls, wenn sie ordentlich untereinander verlinkt sind, aber der chronologische Zusammenhang fehlt. Wer also mehr oder weniger regelmäßig was auch immer veröffentlichen will, kann z.B. einzelne Webseiten regelmäßig erstellen, diese mit einem Erstellungsdatum versehen, die Artikel untereinander verlinken, und hat damit einen ersten Schritt hin zum Blog getan.

Noch wäre das aber kein Blog. Ein CMS sorgt hier für Organisation und ein einheitliches Aussehen. Da ein Blog immer aus Artikeln besteht, kann das CMS hier vereinfacht werden und kann daher spezialisiert sein. Das wäre der zweite Schritt hin zu einem Blog. Und wenn man jetzt noch die Maschinenlesbarkeit hinzufügt, dann hat man ein Blog.

Streng genommen könnte man die Maschinenlesbarkeit auch in der (X)HTML Datei bereits realisieren. Dafür gibt es beispielsweise das Microformats Format. Es ist zwar weniger verbreitet als RSS oder Atom, aber immerhin. Streng genommen könnte man also ein Blog tatsächlich mit nur einer HTML Datei aufziehen.

So ein Blog, egal, ob mit RSS oder mit hAtom, wäre dann aber noch nicht Web 2.0. Es wäre sozusagen ein Web 1.0 Blog. Das geht. Ein Nicht-Mitmach-Blog. So wie meines oder das Bild-Blog. Zum Web 2.0 Blog wird es durch die Möglichkeit des Mitmachens. Das wären vor Allem Kommentare, aber auch oder Trackback oder andere Formen des Mitachens machen ein Mitmach-Blog aus. Eine Mitmach-Möglichkeit reicht bereits. Je mehr Möglichkeiten, um so Mehr können mitmachen, also um so besser.

Ob nun die Artikel im Blog vom Blogbetreiber geschrieben werden, oder von Anderen, das ändert Nichts daran, dass es ein Blog ist. Es ist vielleicht nicht schön. Jedenfalls dann nicht, wenn der Blogbetreiber so tut, als wäre er selber der Blogger. Aber es ändert Nichts daran, dass es ein Blog ist. Auch maschinell erstellte Blogs, die ihre Beiträge automatisch aus anderen Blogs generieren, sind immer noch Blogs. Rivva oder FrischGebloggt sind Beispiele dafür.

Die Frage, ob man denn nun von Blogs auf klassische Webseiten verlinken darf, finde ich beinahe schon lächerlich. Selbstverständlich darf man. Das Internet lebt von Verlinkungen. Blogs sind eine besondere Form von Webseiten. Also sollte selbstverständlich verlinkt werden. Und wenn ein Blog für die Artikel auch sogenannte Permalinks anbietet, dann sollte es selbstverständlich sein, diese auch aus klassischen Webseiten heraus zu verlinken. Nur das Verlinken auf sich ständig ändernde Blogs macht wenig Sinn. Deshalb habe ich in meinem Übersichtsblog das Indexieren für Suchmaschinenrobots verboten, das Folgen von Links (eben zu den Permalink-Seiten) aber erlaubt. Eine Suchmaschine, die ordentlich funktioniert, wird also das Übersichtsblog nicht in die Datenbank aufnehmen und nicht als Ergebnis einer Suchanfrage liefern, die dort verlinken Seiten zu den einzelnen Artikeln aber sehr wohl. Jedenfalls sollte es so sein.

Kann man eigentlich auch aus einer klassischen HTML Webseite heraus auf einen RSS-Feed verlinken? Ja, man kann. Man kann auf Alles verlinken, was eine URL und einen mime-Typ hat. Dazu gibt man im link Element einfach den Typ mit an. Ob der Browser das dann darstellen kann, ist eine ganz andere Frage.


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