Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Kurz gesichtet
  1. Kurz gesichtet

    Sun, 13 Jan 2008 11:44:11 GMT

    Brillenträger nehmen immer mehr zu. Ich selber brauche schon seit meiner Schulzeit eine Brille. Anfangs haben die Lehrer meine leicht nachlassende Leistungsfähigkeit darauf geschoben, dass ich eben doof sei. Und ich habe es geglaubt. Ausgerechnet meine Musiklehrerin ist dann auf die Idee gekommen, dass ich vielleicht kurzsichtig sein könnte und so das Geschreibsel an der Tafel vielleicht einfach nicht lesen konnte. Tja, genau so war es.

    Heute kommt zu der stärker gewordenen Kurzsichtigkeit noch eine sogenannte Altersweitsichtigkeit hinzu. Diese gleichen sich nun leider eher nicht gegenseitig aus. Auf jeden Fall bedingt diese Sehschwäche, dass ich übliche Webseiten nicht lesen kann. Und nach Angaben von SPECTARIS tragen mehr als 40 Millionen Erwachsene ab 16 Jahre eine Brille. Alle diese 40 Millionen haben entweder schon Probleme beim Lesen von Webseiten oder werden sie über kurz oder lang bekommen. Dazu kommt, dass der Anteil der älteren Mitbürger in unserer Gesellschaft immer mehr zunimmt. Und dennoch werden von den ach so smarten jungen und dynamischen Webdesignern immer noch Seiten erstellt, bei denen zunächst mal per body { font-size: 60%; } die Schriftgröße auf ein Maß reduziert wird, das ihrem persönlichen ästhetischen Empfinden vielleicht entgegen kommt, das aber immer weniger Menschen lesen können. Dazu kommen dann Webseiten, bei denen die Schriftgröße gleich in Pixeln festgezurrt ist. Dabei nehmen nicht nur die Bildschirmgrößen und die Auflösungen immer mehr zu, sondern dadurch bedingt die Größe eines Pixels immer mehr ab. Und das Schlimme daran ist, man lässt ältere Menschen glauben, sie seien da selber dran schuld, dass sie die Seiten nicht mehr lesen können, und sie seien eine aussortierbare Minderheit, die für die Gesellschaft nicht mehr relevant wäre. Denn das Internet bestimmt heutzutage unser Leben. Und wer das Internet nicht oder nur eingeschränkt nutzen kann, der ist für unsere Gesellschaft anscheinend untauglich. Dass die Verursacher dieser Untauglichkeit nicht die Älteren sind, sondern im Gegenteil unfähige Webdesigner, das wird gerne verschwiegen und übersehen.

    Diesen jungen Hüpfern von Webdesignern kann man dabei nur bedingt einen Vorwurf machen. Sie haben damit einfach keine Erfahrung. Sie hätten genau das zwar eigentlich lernen sollen, aber genau das wird in den üblichen Lehrprogrammen ausgespart. Und auch die Auftraggeber scheren sich nicht um diesen Aspekt. Der junge smarte Geschäftsführer ist zufrieden, wenn die Webseite auf seinem Bildschirm gut aussieht. Das wird bezahlt, und sonst Nichts. Auf der Strecke bleiben Diejenigen, die zwangsläufig eigentlich immer mehr zur wichtigsten Zielgruppe werden sollten. Und die älteren Verantwortlichen? Die interessieren sich nicht oder zu wenig für das Internet.