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Wiedereinstig in den Beruf?

Selten so einen Schwachsinn gehört resp. gelesen. Die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt verteidigt die Pläne der Regierung, Langzeitarbeitslose als SklavenPflegepersonal für Demenzkranke zu zwingen. Mal abgesehen davon dass eine Pflege von Demenzkranken durch psychisch dazu völlig ungeeignete Menschen, denen noch nicht mal eine richtige Ausbildung dazu zuteil werdne soll, reine Menschenverachtung ist: Das Argument, diese Zwangsarbeit wäre ein Wiedereinstieg in den Beruf ist eine glatte Lüge!

Ich bin seit nicht ganz einem Jahr arbeitslos. Sollte ich keine Arbeit finden, droht mir genau dieses. Mein Beruf ist Softwareentwickler. Als Softwareentwickler muss ich zwangsläufig einen Großteil meiner Zeit dafür aufbringen, auf dem Laufenden zu bleiben, mich selber ständig weiter bilden. Ein paar Monate ohne Weiterbildung, und ich kann meinen Beruf vergessen. Schon jetzt, bei meinem aktuellen Projekt, merke ich überdeutlich, dass ich große Lücken habe. Ich habe mich während meiner Arbeitslosigkeit weiter gebildet: Ich habe meine Kenntnisse in html, xhtml, xml und xsl vertieft, und ich habe MySQL und php gelernt. Aber ich habe keine Windows-Programmierung gelernt. Doch genau dies brauche ich jetzt für das aktuelle Projekt. Da kommt man ganz schön ins Schwimmen und Schwitzen. Viele völlig unbekannte Dinge tauchen da auf, ohne die aber Nichts geht. Es ist extrem anstrengend.

Und nun stelle man sich vor, das Arbeitsamt würde mich zum Pflegedienst an Demenzkranken verpflichten. Ich bin dann also 8 Stunden täglich (mindestens) mit der Pflege von Demenzkranken nicht nur körperlich, sondern auch geistig voll ausgelastet. Dazu noch eine Stunde Pause, eine Stunde Anfahrt und eine Stunde Heimfahrt (Erfahrungswerte), macht zusammen 11 Stunden. 11 Stunden extrem belastender Arbeit. Nicht mal so sehr physisch als psychisch. Und nun erwartet Frau Ulla Schmidt, die ja vom Arbeitsn offenbar so sehr viel Ahnung hat, dass ich mich danach noch hinsetze und weiter IT-mäßig auf dem Laufenden bleibe. Eine Arbeit, die psychisch ganz andere Anforderungen stellt, nicht minder anstrengend ist und viele viele Stunden intensiver geistiger Arbeit erfordert. Für wen hält diese Frau mich eigentlich? Für Supermann? Gibt es irgendwo ein geheimes staatliches Programm, in dem Menschen so getunt werden, dass sie geistige Leistungen erbringen wie die Übermenschen in manchen Filmen? Dann nehmen diese Politiker wie Ulla Schmidt aber ganz offensichtlich nicht an diesen Programmen teil.

Ich denke mal, dass Politiker in der Beurteilung solcher Dinge von sich selbst ausgehen. Das heisst, dass ein Politiker offenbar keine besondere Leistung erbringen muss. Ein Politiker, der (nehmen wir es einmal an) einige Jahre arbeitslos wäre, könnte dann ein paar weitere Jahre als Pflegekraft für Demenzkranke arbeiten und dadurch wäre dann sein Comeback als Politiker gesichert. Natürlich, logisch. Die ganzen Demenzkranken würden diesen "Politiker" sicher wählen.


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