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Medienkompetenz und Computer

Computernutzung: Chatten und spielen sind kein Problem. Jugendliche und Kinder gehen zu diesen Zwecken mit dem Computer so selbstverständlich um wie mit Messer und Gabel zum essen. Doch kann man daraus bereits schließen, dass der Computer selbstverständlich und sinnvoll genutzt wird?

Beispiel Textverarbeitung. Hier scheinen zu Viele zu große Defizite zu haben. So weit, so schlecht. Doch ich frage mich, warum ist das so? Was könnten die Ursachen dafür sein?

Den Umgang mit dem Computer kann man lernen. Um Etwas zu lernen, muss erstens Motivation vorhanden sein, und zweitens eine Anleitung. Doch was lernen die Kids von heute im Zusammenhang mit dem Stichwort "Textverarbeitung"? Richtig: MS Word. Sie lernen also, wo bei einem bestimmten Programm die diversen Knöpfe sind, mit denen man einen Text fett, groß, klein, bunt oder Sonstwas machen kann. Das nennt sich nun Textverarbeitung lernen. So ein Unsinn.

  1. Textverarbeitung hat zunächst Etwas mit Text zu tun. Text, das sollte Bestandteil des Deutschunterrichts sein. Rechtschreibung, Grammatik und Stil, das sind alles Dinge, die die Kids im Deutschunterricht lernen sollten, und diese Dinge sind Voraussetzung für Textverarbeitung.
  2. Dazu kommen dann Fragen der Textgstaltung. Dazu gehört eine Gliederung, dazu gehören Begriffe wie Überschrift, Kapitel, Absatz. Das wann, wie, wo und warum dieser Dinge gehört ebenfalls in den Deutschunterricht und hat sehr viel mit Textverarbeitung zu tun.
  3. Erst danach kommen dann Themen rund um den Computer. Erst, wenn man weiss, was eine Überschrift und was ein Absatz ist, kann man diese Konzepte auch in einer Textverarbeitung umsetzen. Bei einer Textverarbeitung geht es nicht darum, irgendwelche visuellen Effekte zu erzielen wie z.B. einen bunten Text, sondern die oben genannten Konzepte auch mit dem Computer umzusetzen. Nach Allem, was ich so mitbekomme, mangelt es aber bereits im Unterricht bei den o.g. Konzepten. Und wenn Textverarbeitung gelehrt wird, dann wird das völlig losgelöst davon gelehrt. Kein Wunder, dass hier Nichts bei rauskommt.
  4. Da der zentrale Aspekt der Textverarbeitung eben die Ver- und Bearbeitung von Text sein soll, und zwar im Sinne obiger Konzepte, macht es wenig Sinn, den Fokus des Unterrichts auf die Bedienung eines bestimmten Programms zu legen. Nicht das Wissen um irgendwelche exotischen Features eines bestimmten Programms sind wichtig für die Textverarbeitung, sondern die Fragen, wie erreiche ich eine gute Textgestaltung mit den Mitteln, die die diversen gängigen Programme zur Verfügung stellen. Und MS Word ist da nur eines von vielen möglichen Werkzeugen.

Nicht die in die Tiefe gehenden Detailkenntnisse eines bestimmten Programms sind relevant für die Beherrschung des Themas "Textverarbeitung". Relevant dafür sind Kenntnisse im Bereich Text, Grammatik, Struktur. Und nur am Rand Kenntnisse der Grundfunktionen von ein paar Textverarbeitungsprogrammen. Grundkenntnisse von MS Word gehören dazu. Grundkenntnisse! Ebenso Grundkenntnisse in z.B. OpenOffice oder anderen ähnlichen Programmen. Auch die Gestaltung von Webseiten hat zumindest zum Teil Einiges mit Textverarbeitung zu tun. Textverarbeitung kann also auch beinhalten, aus einem text eine Webseite zu machen. Und auch hier geht es nicht darum, Textpassagen fett, groß, klein, bunt oder unterstrichen darzustellen. Es geht um die gleichen Konzepte wie oben. Andere Medien wie Zeitungen oder Bücher erfordern ebenfalls Textverarbeitung. Jedes Medium stellt dabei eigene Anforderungen. Selbst die freie Rede erfordert eine Art von Textverarbeitung. Mit ganz eigenen Anforderungen. Diese Anforderungen auszuarbeiten und in Stil und Striktur umzusetzen, das sollte Textverarbeitung sein. Textverarbeitungsprogramme sind dabei nur ein Hilfsmittel, von dem man die Grundfunktionen kennen und beherrschen sollte. Mehr nicht.


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