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Die Ursache des Linkgeiz

Tue, 31 Mar 2009 10:00:16 +0200

Über den zunehmenden Linkgeiz vor Allem in Deutschland ist ja hier und da bereits diskutiert worden. Jetzt habe ich über xwolf einen Artikel bei Internet-law entdeckt, der vielleicht eine Erklärung für die Ursache sein könnte. Dabei geht es darum, dass man auch für verlinkte Inhalte haftbar gemacht wird. Also, wenn ich einen Link auf eine Webseite mit einer Bombenbastelanleitung oder auf Kinderpornos setzen würde, dann wäre das strafbar. Kann man ja u.U. noch gerade so nachvollziehen. Aber schon, wenn ich auf ein Blog verlinke, zu dem irgendwann später ein rechtlich bedenklicher Kommentar folgt, wird das Ganze ziemlich abstrus.

Das LG Karlsruhe setzt nun noch einen oben drauf. Nicht nur der direkte Link ist strafbar. Auch, wenn der kriminelle Inhalt erst über eine Kette von Links erreicht wird, macht man sich strafbar. Und da das Web ja, wie das LG Karlsruhe richtig bemerkt, eine Netz-Struktur ist, ist also absolut jede Seite mit jeder anderen Seite verlinkt, eventuell eben über mehrere Zwischenstationen. Es würde wohl schon reichen, wenn ein Link auf z.B. Google gesetzt wird, denn über Google sind ja angeblich alle Seiten erreichbar. Aber selbst ein Link auf eine Seite der Bundesregierung oder auf eine Seite des Justizministeriums wäre danach kriminell. Denn auch diese Seiten sind über die Netzstruktur über mehrere Zwischenstationen mit beliebigen kriminellen Inhalten verlinkt.

Was wirklich dahinter steckt, ist ganz einfach. Der ursprüngliche Beitrag setzte sich kritisch mit den sogenannten Sperrlisten auseinander. Diese Sperrlisten sind aber zur Zeit sehr opportun. Also ist das einfach eine Verurteilung aufgrund einer kritischen Distanz zur offiziellen Tagespolitik. Wie man bei Internet-law richtig schreibt:

Wenn man solche Vorgänge sieht, dann bekommt man eine Ahnung davon, weshalb die Sperrlisten in anderen europäischen Staaten angeblich so erfolgreich funktionieren. Man konstruiert mit deren Hilfe neue Straftaten, die es sonst gar nicht gegeben hätte und verfolgt diese dann mit Durchsuchungsanordungen. Mit der Bekämpfung von Kinderpornografie hat das aber nichts zu tun.

Abgesichts solcher Absurditäten wundert mich der Linkgeiz nicht sonderlich.


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