Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Die Utopie von der schönen neuen Welt

Sat, 15 Aug 2009 16:52:10 +0200

Ein recht interessanter Vergleich, den Jörg Wittkewitz bei Digitalpublic anstellt: Die Besiedelung des Webs als Kolonisierung eines virtuellen Planeten. Wildwestromantik vom Feinsten. Anstatt "westwärts" heisst es heute "netzwärts". Es werden Claims abgesteckt und es herrscht Goldgräberstimmung. Immerhin gibt es da ja Google und YouTube und Twitter, deren Erfinder und Betreiber das uralte Märchen vom Tellerwäscher zum Milliardär weiter erzählen. und auf der anderen Seite all die vielen Daheimbleiber, die jetzt neidisch sind auf die Ausgewanderten, die "es geschafft haben". All die Vielen, die es nicht geschafft haben, nun, über die wird der Mantel des Vergessens gebreitet.

Der Vergleich mit der Besiedelung des wilden Westens ist gar nicht so schlecht. Die Besiedelung des Webs erfolgt ähnlich. Manche stecken sich einen riesigen Claim ab und werden reich. Andere versuchen es auch und machen pleite. Ich selbst habe mir keinen riesigen Claim abgesteckt. Ich habe mich beschränkt auf mein kleines Eigenheim in dieser virtuellen neuen Welt, wo ich virtuell Rosen schneide und Gedanken züchte. Von der Arbeit her reicht mir das eigentlich. Wenn ich jetzt noch davon leben könnte…

Allerdings ist die Besiedelung des wilden Webs weitgehend abgeschlossen. Was wir heute beobachten, ist eine gewaltige Zuname der Mietwohnungen. Vermieter sind dabei Google (Feedburner), Friendfeed, Facebook und Twitter. Und wer sich solch ein trautes kleines Heim mietet, ist noch gut dran. Wer sich hingegen als reiner Konsument ohne eigene Präsenz im Web wiederfindet, ist in dieser Welt wie ein Obdachloser. Und das gilt heute nicht mehr nur für Firmen oder Handwerksbetriebe oder Selbstständige, das gilt inzwischen auch für Privatleute.

Ich mag meinen kleinen, vielleicht etwas urtümlichen, virtuellen Garten in dieser virtuellen Welt. Ich mag es, meine eigene kleine Ecke so zu gestalten, wie ich es will, und anders, als Andere. Es mag pittoresk sein, oder altmodisch. Es mag nicht den neuesten Designtrends entsprechen. Aber es ist mein kleines virtuelles Eigenheim in der neuen virtuellen Welt.


2 Kommentare

  1. Sun, 16 Aug 2009 19:41:37 +0200

    Author: Charisma

    Bei der Überschrift deines Artikels musste ich an ein Buch denken, das wir in English lesen mussten - 'Brave New World' von A. Huxley. Da war ich noch jung und liess mich belehren ...
  2. Mon, 17 Aug 2009 08:39:26 +0200

    Author: Siegfried

    Ja, so war das auch gedacht.