Jens Grochtdreis schreibt in seinem Blog über ein Tutorial von Michael Jendryschik über XHTML und CSS. Dieses Turorial hat das Zeug, SELFHTML zu ersetzen und liegt aktuell in einer überarbeiteten Version vor. Das Buch ist auch online zu finden.
So weit so schön. Doch Eines haben alle diese Tutorials mehr oder weniger gemeinsam: Sie beschreiben zwar, wie man z.B. eine Liste in XHTML erstellt, und wie man sie für diverse Medien zur Präsentation aufbereitet. Aber allgemeine Strategien, die einem sagen, wann man z.B. eine Liste verwendet, die gibt es so gut wie nicht. Das ist ungefähr so, als würde man in einem Schach-Tutorial genauestens beschreiben, wie die Figuren gezogen werden, aber die Schachstrategie wird dabei nicht behandelt.
Vor vielen Jahren hatte ich mal eine Weiterbildung u.A. in Textverarbeitung. Und das war im Gegensatz zu vielen Unterrichtsversionen, bei denen nur schlicht die Bedienung von MS Word gelehrt wurde, ein guter Unterricht. Hauptthema dieses Unterrichts war nicht, durch welchen Tastatur-Shortcut man die Schrift kursiv macht. Hauptteha dieses Unterrichts waren Dinge wie: Was ist ein Absatz? Was ist eine Überschrift? Was ist eine Gliederung? Was ist ein Inhaltsverzeichnis? Was ist ein Stichwortverzeichnis? Was sind Quellenangaben? Und erst danach wurden diese so gelernten Dinge mit geeigneten Mitteln in MS Word umgesetzt. Auch eine Einführung in XHTML sollte diese weitgehend aus dem Deutschunterricht in der Schule bekannten Themen zuvorderst behandeln.
Eine kleinere Ungenauigkeit habe ich so auf die Schnelle gefunden. So gibt es im Kapitel zum Boxmodell folgende Aussage:
Was der äußerste umschließende Block eines XHTML-Dokuments ist, der alle anderen Boxen enthält, wird durch den Browser festgelegt, wobei auch die Fenstergröße eine Rolle spielt.
Das ist in zweierlei Hinsicht ungenau. Die Fenstergröße spielt nur indirekt eine Rolle
für den äussersten Container. Die Fenstergröße kann z.B. die Größe dieses Containers
bestimmen. Aber die Fenstergröße ändert Nichts daran, dass der äusserste Container immer
dieser äusserste Container bleibt. Die Fenstergröße kann also u.U. Etwas an den
Parametern dieses äussersten Containers ändern, nicht aber daran, dass er der äusserste
Container ist. Das mag vielleicht Haarspalterei sein, aber die zweite Ungenauigkeit
hat mehr Konsequenzen: Welches genau der äusserste Container ist, das hängt zwar tatsächlich
de facto vom Browser ab, aber hier gibt es Standards, die der Browser umsetzen
sollte. Und hier, in diesem äussersten Container, gibt es einen bemerkenswerten
Unterschied zu HTML. In HTML ist per Standard das body Element
dieser äusserste Container. In allen XML-Dokumenten, und damit auch in XHTML, ist das
aber das Wurzelelement. Und das ist in XHTML nicht body,
sondern html. Den Unterschied kann man sehen, wenn man dem
body einen farbigen Hintergrund gibt, und dazu ein Dokument
erstellt, das kleiner ist als der Viewport (das Fenster). In einem HTML Dokument sowie
in Browsern, die nicht standardkonform arbeiten, hat dann der gesamte Viewport diese
Hintergrundfarbe. In XHTML hat diese Hintergrundfarbe nur der Inhalt. Wenn man also in
XHTML den gesamten Viewport-Hintergrund einfärben will, muss man diese Hintergrundfarbe
dem html Element zuweisen. Das kann zu Konflikten führen,
wenn man ein Stylesheet erstellen will, das sowohl für HTML- als auch für XHTML-Dokumente
benutzt werden soll. Und in diesem Zusammenhang wird gerade bei XHTML-Dokumenten
obige Aussage resp. die erste Ungenauigkeit noch mal bedeutender.
Nichtsdestotrotz ist dieses Buch durchaus lesenswert. Es ist sowohl als Nachschlagewerk geeignet, als auch zum gezielten Lernen spezieller Themen.