Nach dem Mord an Marwa el Sherbini wird vor Allem von Muslimen vermehrt über Diskriminierung geredet. Und zum Teil ist das sicher richtig. Es gibt diese Diskriminierung, und diese Diskriminierung ist in Deutschland per Grundgesetz verboten. Wer also z.B. eine Kopftuchträgerin diskriminiert, vergeht sich an unserem Grundgesetz und stellt sich selbst auf eine Stufe mit Organisationen wie der RAF oder der KPD, die genau deswegen verboten wurden. Früher nannte man solche Leute einen Volksschädling. Witzig, dass dieser Begriff im Wesentlichen auf genau die zutrifft, die ihn geprägt haben: Die Rechtsnationalen.
Es ist allerhöchste Zeit resp. längst überfällig, dass gegen solche Grundgesetzverstöße rigoros und konsequent vorgegangen wird. Es ist ein Unding, dass solche Verstöße gegen das Grundgesetz heruntergespielt werden, als handle es sich um einen geklauten Bonbon aus dem Supermarkt. Wer das deutsche Grundgesetz mit Füßen tritt, sollte die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.
In Einem irrt die Bloggerin Kübra Yücel, die in dem Artikel der TAZ interviewt wurde, jedoch: Christen geht es nicht anders. Wer sich als Akademiker zu religiösen Themen äussert, wird als Akademiker wahrgenommen. Es sei denn, er ist Muslim oder Christ (vermutlich geht es Juden nicht anders, aber da habe ich keine Erfahrung mit). Wer sich als gläubiger Christ zu Fragen des Christentums äussert, wird genauso diskriminiert und missachtet, wie ein Muslim, der sich zu muslimischen Themen äussert. Es gibt in Deutschland (und in der sonstigen westlichen Welt) nur eine akzeptierte Religion: Den Atheismus. Bei dem aktuellen Atheismus handelt es sich um eine Mixtur aus Humanismus, den Lehren Voltaires, Marxismus (Religion ist Opium für's Volk) und Nietzsche. Diese Religion hat mit Christlich gar Nichts zu tun. Allenfalls wird noch eine gewisse "christliche" Tradition gepflegt, die aber ebenfalls mit christlich Nichts zu tun hat, sondern mit der Geschichte der Kirche. Man kann solche Traditionen als Kulturgut betrachten und schätzen, aber christlich sind solche Traditionen nicht.
Wer sich dieser alles beherrschenden verordneten Meinung widersetzt und sich seine eigenen Gedanken erlaubt, wird als Sklave einer machtgeilen Clique von Klerikern diffamiert (das ist mir schon oft genug passiert). Da werden also die Tatsachen schlicht auf den Kopf gestellt. Ich bin zwar kein Muslim, vermute aber mal, dass es gläubigen Muslimen nicht anders geht.
Etwas anders sieht es aus, wenn hinter einer bestimmten Art zu leben nicht wirklich
der Glaube steht, sondern die Kultur. Hier kommt es zu Konflikten aufgrund der
unterschiedlichen Kultur. Die Welt ist eben voller Kleingeister und intoleranter
Egozentriker. Es ist nun mal so, dass man, wenn man ins Ausland geht, seine eigene
Kultur als Teil seiner Identität mit nimmt und dort besonders pflegt. Mehr, als man
das "zu Hause" pflegen würde. Das ging meinem Schwiegervater (Spanier) so, das geht
den Deutschen in Afrika und Südamerika so, das ging mir so, als ich in Brasilien war.
Warum sollte es den Türken in Deutschland anders gehen. Wie man auf beiden Seiten
damit umgeht, ist eine Frage der Angst. Wer viel Angst hat, geht gegen Alles, was
das eigene Selbstverständnis relativiert und eventuell in Frage stellt, aggressiv
vor. Wer sich seiner Selbst sicher ist (oder, wie die Newageler sagen: Wer in
sich selbst ruht
), der betrachtet eine solche Relativierung der eigenen
Identität eher als Bereicherung. Solch eine Relativierung dient dann sowohl der
Festigung als auch der Weiterentwicklung der eigenen Identität. Eine solide
Persönlichkeit geht aus der Begegnung mit fremden Kulturen gestärkt hervor.
Schwache, von Traditionen und vorgekauten Ansichten sogenannter "Führer" abhängige
Menschen müssen mit aller Gewalt (im Sinne des Wortes) diese Erschütterung ihrer
kleinen Welt verhindern.