Was der Webdesigner so Alles können muss: Graphiker, Screen-Designer, Usability-Experte, Accessibility-Experte, Texter, und und und. Die Eierlegende Wollmilchsau eben. Bei Liechtenecker hat man das in eine schöne Graphik gepackt und einen nur all zu wahren Artikel dazu verfasst:
Mir geht es ähnlich wie dem Author. Dabei betreibe ich Webdesign allerdings nicht als Beruf, sondern als Hobby. Beruflich bin ich Softwareentwickler. Die Kenntnisse und Fähigkeiten dazu nützen mir auch beim Webdesign. Javascript und PHP sind kein Problem. HTML und CSS auch nicht. Mit Barrierefreiheit habe ich mich auch gründlich auseinander gesetzt. Trotzdem kann ich bei Weitem noch nicht Alles, was ein Webdesigner können sollte. Ich bin weder Screendesigner noch Graphiker. Und auch als Texter eher unterdurchschnittlich. Und mit CMSen kenne ich mich auch nicht aus. Weiterbildung findet täglich statt. Aber die Entwicklung auf diesem Gebiet geht immer schneller voran. Selbst, wenn man diese ständige Beschleunigung eine Zeit lang mit machen kann, auf Dauer geht das nicht. Immer mehr Expertenwissen bleibt auf der Strecke. Dabei bin ich nicht erst seit HTML 4 dabei. Meine Erfahrungen mit HTML reichen zurück bis HTML 2.0. Zu dieser Zeit gab es noch nicht mal den Begriff "Tabellenlayout", der erst mit HTML 3.2 aufkam und heute so viel Probleme bereitet.
Noch erschreckender ist allerdings die Wissenslücke bei Leuten, die damit gar Nichts am Hut haben. Diese wissen noch nicht einmal, was denn ein "Browser" ist, oder das Internet. Allenfalls ist für so Jemanden das "Internet" gleichbedeutend mit dem blauen "e" und mit "Google". Wobei weder klar ist, dass das blaue "e" ein Programm repräsentiert, noch dass "Google" eine Suchmaschine ist, noch, was eine Suchmaschine überhaupt ist. Es werden Dinge benutzt, die man nicht kennt, und denen man daher zwangsläufig hilflos ausgeliefert ist. Schadcode in Webseiten richtet so manchen Schaden an. Benutzer, die sich Schadcode einfangen und weiter surfen, machen sich unter Umständen selber strafbar, werden selber unwissentlich kriminell, weil ihr Computer, während sie ahnungslos surfen, Banken knackt, Spamfluten versendet und Regierungsrechner lahmlegt. Und je weiter die Entwicklung geht, je mehr Möglichkeiten implementiert werden, um so größer und vielfältiger sind auch die Möglichkeiten für Kriminelle, und um so mehr Schaden kann angerichtet werden, und um so leichter ist es. Und um so schwerer ist es, da noch den Überblick zu behalten. Selbst für Experten.
Angesichts dieses Scenarios ist es dann natürlich ein Leichtes, auf offensichtliche Bedrohungen mit völlig ungeeigneten Mitteln zu reagieren. So soll jetzt der Zugriff auf Kinderpornos gesperrt werden. Was sowieso nicht geht. Allenfalls kann man den Zugriff geringfügig erschweren. Aber mit diesem Einstieg in die Zensur ist der Weg nicht mehr weit bis zur "Great Firewall of Germany" nach chinesischem Vorbild. Und auch die Annahme, dass das Internet im Wesentlichen gleichbedeutend sei mit Pornos und Bombenbastelanleitungen kommt daher, dass Keiner noch den Durchblick hat. Das gesamte Thema ist so komplex geworden, dass ein einzelner Mensch hier hoffnungslos überfordert ist. Das Internet hat eine Eigendynamik entwickelt, die sich immer mehr jeder Kontrolle entzieht. Das ist nicht verhinderbar, weder durch Verbote, noch durch technische Maßnamen. Man kann nur versuchen, eine Methode zu finden, wie man damit leben kann.
Aber noch aus einer anderen Perspektive ist dieses verbreitete Nicht-Wissen der Allgemeinheit ein Problem. Wenn man keine Ahnung hat, was hinter einem Produkt Alles steht, neigt man dazu, dieses Produkt gewaltig zu unterschätzen. Ich erinnere mich, mal eine Begebenheit bei einem Helpdesk gelesen zu haben. Da hat bei einem Sachbearbeiter das Drucken nicht funktioniert. Also Helpdesk angerufen. Und der Mitarbeiter kam auch gleich. Rechner untersucht, und festgestellt, dass der Druckertreiber nicht installiert war. Und was macht der Sachbearbeiter: Word aufmachen, Hände über die Tasten, und "o.k., dann schreiben wir mal eben einen". Der meinte allen Ernstes, so ein Druckertreiber sei nichts Anderes als das Anschreiben an Dr. Grauert mit dem Hinweis, endlich Druck zu machen. So ein Programmeditor ist ja schließlich auch viel viel einfacher. Die Worte werden von ganz alleine bunt (wenn auch ohne erkennbaren Sinn), und man kann weder anständige Absätze, noch Überschriften, noch korrekt formatierte Anschriften damit erstellen. Da ist es doch viel komplizierter, eine korrekte Rechnung mit Word zu verfassen, so richtig mit der korrekten Märchensteuer, mit Bankverbindung, Zahlungsziel und dergleichen hochkomplizierter Dinge mehr. So ein Programmeditor kann Nichts dergleichen. Also macht sich das Programmschreiben noch nahezu von alleine.
Bei Webseiten ist das ähnlich. Jeder kann ein Blatt Papier nehmen und darauf ein paar Worte und ein paar Bilder plazieren. Das ist eine Sache von Minuten. Webdesign kann nichts Anderes sein. Entsprechend wird es auch bezahlt. Ich frage mich nur, warum man dazu Spezialisten in 4 Dutzend grundverschiedenen Disziplinen braucht, die in allen diesen Disziplinen jahrelange Berufserfahrung haben.