Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Minischriften

Sat, 28 Feb 2009 10:10:23 +0100

Wieder einmal das leidige Thema Schriftgrößen. Oder ich sollte eigentlich sagen "Schriftkleinheit". Diesmal greift Jens Grochtdreis einen Artikel von Toscho.design auf. Das Blog kannte ich noch gar nicht. Ich habe es mir gleich mal abonniert. Und es war ein Genuss, diesen Artikel zu lesen. Endlich mal Jemand, der Webdesign ernst nimmt. Endlich mal Jemand, der mich als Leser ernst nimmt.

Ich kann ziemlich schlecht sehen. Auf dem einen Auge habe ich nur noch eine Sehkraft von 20%. Das andere ist noch besser, aber insgesamt sehe ich ziemlich schlecht. Was macht man, wenn man am Computer arbeitet und schlecht sieht? Zweierlei: Erstens kauft man sich einen großen Monitor und zweitens stellt man auf diesem großen Monitor die Schriften schön groß. So groß, dass man auf dem Bildschirm lesen kann. Toschos Aussage: Die Schriftgröße des Lesers ist unbekannt. Die meisten Browser haben zwar eine Voreinstellung von 16px – der Internet Explorer 12 Punkt – aber überall kann der Leser diese Größe ändern, per Browsereinstellung oder Userstylesheet. ist richtig! Bei mir werkelt der Firefox nicht mit 16px. Das kann ich nicht lesen. Und 10px sind für mich nur graue Schatten auf dem Bildschirm. Ich habe mir eine Schriftgröße von 22px eingestellt. Das kann ich lesen und das möchte ich bitteschön auch haben. Was passiert, wenn Webdesigner besser als ich wissen, welche Schriftgröße für mich gut ist, kann man anhand der Screenshots sehen, die ich kürzlich mal von 3 Webseiten gemacht habe. Ich habe die Screenshots so verkleinert, dass ein Betrachter, der 100% Sehvermögen hat, so ziemlich das sieht, was ich sehe, wenn ich die Seite original betrachte. Und jetzt möchte ich mal einen Jens Grochtdreis sehen, der diese Texte mühelos liest. Ich kann die Texte nicht lesen. Auch sein Blog könnte ich ohne Hilfsmittel (NoSquint) nicht lesen. Ich bekomme allenfalls Kopfschmerzen davon.

Es ist einfach nur schlimm, wenn Graphikdesigner und Typographiepäpste glauben, sie wären Webdesigner, und wüssten besser als ich, mit was ich im Internet zurechtkomme. Es sind schließlich meine Augen, mit denen ich diese Machwerke betrachten muss. Ich werde doch wohl besser wissen, was geht, und was nicht.

Wenn es nach mir ginge, müsste jeder Webdesigner für jedes mal, wenn eine Seite von ihm geöffnet wird, bei der die Standardschriftgröße verändert wurde, einen heftigen Stromschlag bekommen. Jedes Mal, wenn solch eine Seite geöffnet wird.

Finger weg von einer Veränderung der Standardschriftgröße! Die Standardschriftgröße ist die, in der der Haupt-Inhalt dargestellt wird. Also in einem Blog die Schriftgröße des Artikels. Dieser Artikel hat eine einzige zulässige und richtige Schriftgröße: Die, die der Leser auswählt. Keine andere.

Wie heisst es so schön bei NoSquint:

Until website designers (typically those who know of no life outside Internet Explorer) who insist on using font-size: 50% are administered a harsh LARTing, NoSquint exists to make web browsing tolerable in Firefox.

Und in der Definition von LART gefällt mir:

The LART classic is a 2x4 or other large billet of wood usable as a club, to be applied upside the head of spammers and other people who cause sysadmins more grief than just naturally goes with the job.

So ein LART ist auch gut anwendbar bei Webdesignern, deren Produkte bei unschuldigen Lesern nur Kopfschmerzen verursachen. Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen ja bekanntlich das Denkvermögen.

Und noch eine Ergänzung: Ja, Pixel sind ein relatives Maß. Relativ deswegen, weil sie relativ zur konkreten Hardware sind. Auf älteren Monitoren sind Pixel größer, auf modernen Monitoren kleiner. Jedenfalls so als generelle Daumenregel. Bei Großprojektoren in Stadien kann so ein Pixel auch mal 1-2 Centimeter(!) groß werden. Ausgedruckt auf Papier ist ein Pixel wieder deutlich kleiner als auf jedem modernen Bildschirm. Die Tatsache, dass ein Pixel also eine relative Größe ist, und die Empfehlung des W3C, für Schriftgrößen relative Größen zu verwenden, herzunehmen, um die Standardschriftgröße unter jedes lesbare Maß zu verkleinern, das ist einfach ... (sorry, da fehlen mir die Worte).

Eine Webseite vor 10 Jahren, die ich damals vielleicht auf einem 14 Zoll Röhren-Mäusekino betrachtet habe, konnte ich vielleicht bei einer Schriftgröße von 12px problemlos lesen. Nicht nur waren meine Augen damals noch besser, auch die Pixel waren damals deutlich größer. Wenn ich die selbe Seite heute betrachten müsste, auf einem Bildschirm mit sehr sehr viel kleineren Pixeln, und mit meinen deutlich schlechteren Augen, würde ich eben Nichts mehr lesen können. So gesehen ist Pixel auch eine Größe relativ zur Zeit.

Wann endlich begreifen Webdesigner, dass eine Webseite weder ein Printerzeugnis ist, noch ein Gemälde?


1 Kommentare

  1. Ergänzung

    Was ich noch vergessen habe: Auf einem Monitor mit der physischen Auflösung X kann ich natürlich auch eine virtuelle Auflösung Y fahren. Dann unterscheidet sich die Größe eines Pixels einer Webseite noch mal von der Größe eines physischen Pixels auf dem Monitor. Wenn ich also die Auflösung verkleinere, werden die logischen Pixel größer.

    Aber wer verkleinert schon freiwillig die Auflösung seines Monitors?