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Qualitätsjournalismus

Sun, 19 Jul 2009 16:56:58 +0200

Qualitätsjournalismus - was ist das überhaupt. Stefan Niggemeier zeigt in seinem Artikel zwei interessante Aspekte auf. Da ist zum Einen das erbärmliche Honorar, das ein Journalist für einen Artikel bekommt. Ich weiss jetzt nicht, wie hoch dieses Honorar i.A. ist, aber dass es extrem niedrig ist, kann ich mir gut vorstellen. Das zumindest zeigt ganz eindeutug, dass es den Zeitungsmachern nicht um Qualität geht, sondern nur darum, das leere Papier mit Irgendwas zu füllen, das sich verkaufen lässt. Nun ist das für einen in erster Linie am reinen persönlichen Gewinn orientierten Zeitungsmacher ein ganz natürlicher und folgerichtiger Ansatz. Jedenfalls oberflächlich betrachtet. Solch ein Zeitungsmacher betreibt seine Zeitung ja nicht als caritative Einrichtung, deren Fokus auf der umfassenden und ausgewogenen Information der Kunden liegt. Der Fokus liegt nun mal darin, Geld zu machen.

Hier haben die Blogger den Zeitungsmachern allerdings Etwas voraus. Ein Blogger weiss (oder lernt es sehr schnell), dass ein Blog, das nur dazu da ist, Kohle zu machen, keinen Erfolg haben wird. Und auch die Zeitungsmacher früherer Zeiten wussten, dass eine Zeitung in erster Linie eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe war, und das Geldverdienen eher ein Nebenaspekt. Und genau deshalb hatte man damals auch Erfolg. Und zwar nicht nur Erfolg im Nachrichten verbreiten (Fokus der früheren Zeitungsmacher), sondern ganz nebenbei auch finanziell (Nebenaspekt).

Wer also seinen Journalisten Honorare zahlt, für die sich allenfalls mal ein Hobbyschreiber wie ich mal eben 10 Minuten hinsetzt und was runterschreibt, der muss sich nicht wundern, wenn genau so Etwas dabei herauskommt. Mich erinnert das an meine Zeit in Brasilien. Dort bewarb man praktisch Alles mit dem Stichwort "Qualität". Alles hatte eine tolle Qualität. Aber wenn man sich das Produkt dann angesehen hat, war von Qualität nur noch wenig zu sehen. So scheint das heute auch bei Zeitungen zu sein. Da werden die Mitarbeiter nach aussen verkauft als tolles Redaktionsteam und super Journalisten. Und bezahlt werden diese Mitarbeiter wie ein unterbelichteter Haufen von Hobbyisten, die kaum lesen können, geschweige denn schreiben. Hier wird eine Qualität vorgetäuscht, die einem zweiten Blick nicht standhält. Allerdings frage ich mich, wieso solche Machwerke dann immer noch gekauft werden.

Es gibt in dem Artikel noch einen zweiten Aspekt. Wodurch zeichnet sich Qualitätsjournalismus aus? In dem angemoserten Artikel der Ostsee-Zeitung schreibt Jemand über sich selbst und die Organisation, die er vertritt. Und das in einer wenig selbstkritischen Weise. Nun, so lange klar ist, wer das schreibt, ist doch dagegen Nichts einzuwenden. Qualitätsjournalismus bedeutet ja nun nicht, dass der Schreiber unbedingt alles Schlechte in der Welt finden und anprangern muss. Nicht mal der Begriff Kritik beinhaltet nur diesen Aspekt. Kritik hat Etwas mit Beurteilung zu tun. Und ich kann sehr wohl das Urteil "gut" abgeben. Warum denn auch nicht. Wenn ich eine Sache gut finde, kann ich genauso gut darüber schreiben, wie wenn ich eine Sache schlecht finde. Natürlich ist es wichtig, die schlechten Dinge in dieser Welt zu finden und sie anzuprangern. Aber wer bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er mal über etwas Gutes schreibt, und dies auch so nennt?

Only bad news are good news.

Keine Ahnung, wer diesen Unsinn erfunden hat. Aber erstens ist es falsch, und zweitens hat das mit Qualität Nichts zu tun. Vielleicht eher mit der Befriedigung niederer Instinkte (Sensationsgeilheit). Und anstatt diesen Zerstörern unserer Gesellschaft auch noch eine öffentliche Plattform zu bieten, sollte man diese lieber mal denen bieten, die Positives für unsere Gesellschaft erarbeiten. Doch so Etwas geht nur all zu oft unter in all dem Dreck, der ständig öffentlich breitgetreten wird.

Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich brauchen wir das öffentlich-machen von schlechten Dingen, das Anprangern von Verbrechen und Dergleichen. Aber wir brauchen auch genauso eine Öffentlichkeit für Gutes.


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