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Webseiten und Farben

Mon, 02 Mar 2009 15:10:04 +0100

vert, a unicorn rampart argent

Interessanter Artikel bei Web profits blog. Es geht darum, dass es für den ersten Eindruck keine zweite Chance gibt, und woraus sich dieser erste Eindruck zusammensetzt.

Der erste Eindruck entsteht, komplette Webseite vorausgesetzt, innerhalb von Sekundenbruchteilen. In dieser kurzen Zeit ist noch kein Text wirklich gelesen. Hier kommen die klassischen Webdesign Methoden zum Zuge. Hier geht es um Layout, Proportionen und Farben.

Es sei angemerkt, dass dieser erste Eindruck, so er denn positiv ist, durch mangelnden oder mangelhaften Inhalt durchaus auch wieder zunichte gemacht werden kann. Desweiteren spielt bei Webseiten noch die Ladezeit eine Rolle. Keine Webseite ist in Sekundenbruchteilen geladen. Naja, fast keine. Die Leser sind es gewohnt, eine kurze Zeit zu warten, bevor ein erster Eindruck entsteht. Diese Zeit ist allerdings kurz und im Bereich weniger Sekunden. Je schneller eine Seite geladen ist, je eher also ein erster Eindruck entstehen kann, um so professioneller wirkt die Seite auf den ersten Blick.

In dem Artikel mit dem Titel The Psychology of Web Design geht es nun zunächst um Farben, und damit um Farbpsychologie. George Cleanthous bemerkt richtig, dass vor Allem die Farbe blau sehr angenehm wirkt. Bemerkenswerterweise wirkt genau diese Farbe in allen Kulturen dieser Erde etwa gleich angenehm. Das ist nicht bei allen Farben so. Man denke z.B. an die Farbe weiss, die hier mit Reinheit und Unschuld verknüpft ist, in den asiatischen Ländern jedoch mit Unglück. Oder man denke an die Farbe grün, die hier mit Frische und Natur (aber auch mit Gift) assoziiert wird. In den islamischen Ländern wird Grün mit dem Islam assoziiert, da es die Farbe des Propheten ist. Von Blau abgesehen, das immer verwendet werden kann, sollte man also bei der Farbwahl die Kultur des Zielpublikums im Auge behalten.

Woher kommen diese Assoziationen? Sie sind kulturell bedingt und hängen mit unserer Geschichte zusammen. Über islamische oder asiatische Kulturen weiss ich nicht genug, um sinnvoll darüber schreiben zu können. Aber in der europäischen Kultur hat sich die Farbpsychologie weitgehend aus der entwickelt. Ja, richtig, mein Logo hat sich aus meiner Beschäftigung mit der Heraldik ergeben. Im Gegensatz zu meinem Logo, das ich mir selber zusammengestellt habe, wurden die Insignien früherer Adelshäuser aber nicht von deren Besitzern selber ausgedacht und kreiert. Die Methode ähnelt viel eher der heutigen Ordensverleihung. Einem Ritter wurden bestimmte Insignien vom König verliehen, um damit bestimmte Aussagen über deren Träger zu machen. Anfangs waren diese Aussagen nur positiv. Später kamen dann auch Symbole mit negativen Aussagen dazu, die dann etwa der "silbernen Zitrone" des ADAC entsprachen. Aber Anfangs hatten alle Symbole eine rein positive Bedeutung. Die ersten Symbole waren dabei einfach Farben. Wobei, heraldisch streng genommen, Gelb und Weiss (oder Grau) keine Farben, sondern Metalle waren. Aber diese hatten genauso ihre Bedeutung. Die Unterscheidung war nur wichtig für die Kombination: Niemals Farbe auf Farbe oder Metall auf Metall, sondern ausschließlich Farbe auf Metall und Metall auf Farbe. Schwarz ist hier übrigens auch keine Farbe, sondern geschwärztes Silber, also ein Metall.

Die heutige Bedeutung der Farben ist zwiespältig, wie ja auch unser heutiges Verständnis des Feudalismus zwiespältig ist. Auf der einen Seite der edle Ritter, Beschützer der Hilflosen und die Tugend in Person, auf der anderen Seite der ausbeuterische Raffzahn. Genauso haben auch die Farben heute zwei Bedeutungen. Welche davon dominiert, hängt interessanterweise von der Zweitfarbe ab. Doch zunächst zu den ursprünglichen positiven Bedeutungen der in der Heraldik vorkommenden Farben:

Gelb, Gold
Gold steht für Edelmut, Großzügigkeit, Großmut, Hochherzigkeit. Und natürlich steht Gold auch für Reichtum. Für einen edlen tugendhaften Ritter war Reichtum gleichbedeutend mit der Verpflichtung zu Großzügigkeit. Daher ist diese Bedeutung nicht widersprüchlich.
Silber (Weiss, u.U. auch Grau)
Silber steht für Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.
Schwarz
Schwarz steht für Konstanz. Durchhaltevermögen, Beständigkeit. Es steht auch für tiefe Gedanken. Erinnert sich noch Jemand an die Dichter der deutschen Romantik? Voller Todessehnsucht und tiefschürfender weltbewegender Gedanken. Hier ist die Verbindung. Gedankentiefe und Tod werden als Einheit gesehen und durch die Farbe Schwarz symbolisiert.
Blau
Blau steht für Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Loyalität, Treue und Wahrheit.
Rot
Rot ist die Farbe des Blutes, der Kraft und der Leidenschaft. Sie steht auch für militärische Stärke und für Grossherzigkeit und Seelengröße.
Grün
Grün ist die Farbe der Freude, der Hoffnung, und manchmal der Treue in der Liebe.
Purpur (auch Violett)
Purpur ist die Farbe des Königs (und zum Teil auch des hohen Klerus). Diese Farbe steht daher für königliche Majestät, Souveränität und für Gerechtigkeit.
Tenne (Gelbbraun, Lohfarben, Erdfarben)
Diese Farbe steht für ein wichtiges und wertvolles Ziel. Im heutigen Management-Jargon würde man zielorientiert sagen. Sir Galahad, der den Heiligen Gral sucht, bekommt diese Farbe.

Auch heute noch spuken diese Konzepte in unserem Unterbewusstsein herum, obwohl diese Begriffe in unserer merkwürdigen Zeit praktisch keine Rolle mehr spielen. Dennoch wirken z.B. Webseiten, die in diesen Farben gehalten werden, auch heute noch. Ich habe allerdings schon erwähnt, dass all diese Farben heute auch eine negative Bedeutung haben. Direkt offensichtlich ist das bei der Farbe Schwarz. Sie steht eben nicht nur für Gedankentiefe, sondern auch für Tod. Wobei das per se kein Widerspruch sein muss. Die genauere Bedeutung erfährt diese Farbe im Zusammenhang mit der Zweitfarbe.

Lamborghini logo

Man betrachte z.B. mal das Logo des Italienischen Nobelhobel Herstellers Lamborghini. Streng genommen ist diese Kombination unzulässig. Hier wird Metall auf Metall verwendet. Doch bei Schwarz wurde da auch in der Ritterzeit schon hier und da eine Ausnahme von der Regel gemacht. Und nun analysieren wir einfach einmal die Farben. Der Bulle als Symbol soll bei der Betrachtung aussen vor bleiben. Die Hauptfarbe ist Schwarz. Sie steht für Gedankentiefe. Eine tiefe Seele, so abgrundtief und unendlich weit wie das Universum. Und darauf Gold: Großzügigkeit, Großmut, Edelmut. Man hört beinahe den Motor leise aber präsent brummen, als würde der geringste Anlass reichen, um die Kräfte des Universums freizusetzen. Dieses Fahrzeug ist das eines edlen Ritters voller Macht und Großmut.

test logo

Hier habe ich einfach mal platt (ohne künstlerische Ambitionen) das Gold durch Rot ersetzt. Und wie wirkt das jetzt? Schwarz als Hintergrund bleibt bestehen. Doch nun werden die tiefen Gedanken begleitet von Kraft, Leidenschaft, Blut. Gewalt liegt nahe. Schwarz und Rot werden nicht umsonst als dämonische Farben gesehen. Jedes Fantasyspiel weist diese Farben den Dämonen zu.

Doch damit genug der Kombinationen, sonst schreibe ich an diesem Artikel noch nächstes Jahr. Weiter zu ein paar Bedeutungen, die sich eher in der Neuzeit ergeben haben. Da wäre z.B. Grau. Diese Farbe liegt zwischen Schwarz (Tiefe Gedanken, Wissen, ...) und Weiss (Silber, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit). Nicht umsonst ist Grau die Farbe der Geschäftsleute und der Banker. Diese Farbe signalisiert Seriosität. Und auch diese Farbe lösst sich mit den anderen Farben kombinieren (jetzt allerdings streng genommen nicht mehr nach den Regeln der Heraldik):

test logo

Hier passen die Farben allerdings nicht mehr so recht zusammen. Großzügigkeit deckt sich nicht mit einem Banker. Blau oder Rot würden hier hingegen gut harmonieren.

Bisher habe ich absichtlich davon abgesehen, von Farbschattierungen zu schreiben. In der Heraldik gibt es keine Farbschattierungen. Die Farben sind, wie sie sind. Und nur so wirken sie, wie beschrieben. Modernes Design verwendet aber Schattierungen. Nicht immer zum Vorteil. In der Regel bedeutet eine Schattierung eine Abschwächung der Aussage. So enthält beispielsweise das Google Logo die wichtigsten heraldischen Farben beinahe rein, nur leicht aufgehellt. Die Farbaussage wird daher nur leicht abgeschwächt, leicht aufgehellt, wohl, um die manchmal etwas düsteren Nebenbedeutungen der Farben zu eliminieren. Interessant ist, dass Google die wichtigsten Farben verwendet. Das heisst dann wohl in heraldischen Maßstäben: Wir sind und haben Alles.

So viel zu Grundlagen und Herkunft der europäischen Farbpsychologie. Die Erforschung der Farbpsychologie steckt noch immer in den Kinderschuhen. Wer sich weiter informieren will, sollte mal nach "Farbpsychologie" googeln.


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