Microblogging (aka Twitter) war gestern. Heute ist Nanoblogging dran. Was ist das? So eine Art neuer Service, im Prinzip ähnlich wie Twitter, aber auf 26 Zeichen begrenzt.
Wird das Erfolg haben? Ich denke, ja. Die Zeiten sind danach. Alles geht immer schneller und immer noch schneller. Wir leben nicht nur in einer Finanzkrise (will heissen: Haben kein Geld), sondern anscheinend auch in einer Zeitkrise: Wir haben keine Zeit. Nicht mal mehr Zeit für 140 Zeichen (bei Twitter). Jetzt nur noch Zeit für 26 Zeichen. Gibt es bald Picoblogging (Beiträge auf 1 Buchstaben begrenzt)?
Immerhin wird dieser Service wohl die klassische SMS bald vollständig ersetzen. Denn solch ein kurzer Text passt problemlos auch auf ein kleines Handy-Display. Bereits Twitter beginnt, der SMS langsam den Boden abzugraben. Solch ein neuer Service wird das erst Recht tun.
Ob das Alles so sinnvoll ist? Nun, da bin ich zweigeteilter Meinung. Klar,
gelegentlich kann eine sehr kurze Mitteilung das Beste sein, was man tun kann.
Allerdings erfordert eine kurze Mitteilung ein längeres Nachdenken. Wie schrieb
Goethe doch in einem seiner Briefe: Entschuldige bitte den langen Brief, ich
hatte keine Zeit für einen kürzeren
. Doch genau hier liegt das Problem. Der
neue Service wird angepriesen mit schnell, schneller, am schnellsten
.
Für Leute, die keine Zeit haben
. Also auch keine Zeit zum nachdenken.
Nur der Moment zählt. Oder, um es esotherisch auszudrücken: Voll und ganz im Hier
und Jetzt. Es gibt kein Morgen und kein Gestern. Damit fehlen Tiefe und
Nachhaltigkeit. Und da wundern wir uns über die Krise?