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Margot Käßmanns Rücktritt

Thu, 25 Feb 2010 09:30:19 +0100

Margot Käßmann ist zurückgetreten. Grund: Sie ist sturzbesoffen Auto gefahren und hat dabei noch das elfte Gebot missachtet (Du sollst Dich nicht erwischen lassen). Und Alice Schwarzer findet das falsch.

Ich finde die Entscheidung auch falsch. Aber aus ganz anderen Gründen. Zunächst mal verdient Frau Käßmann meine Hochachtung für diese Entscheidung. Und das nicht, weil sie rechtzeitig die Flucht antritt, sondern weil sie anscheinend ihre Aufgabe höher achtet als ihre Karriere. Sowas findet man selten. Sie begründet ihren Rücktritt damit, dass sie ihrer Aufgabe nicht mehr mit der nötigen Autorität nachgehen kann. Damit könnte sie (leider) sogar Recht haben.

Dass ich das für falsch halte, hat Nichts mit dem zu tun, was Frau Schwarzer hier interpretiert. Frau Käßmann hat nicht als Frau klein beigegeben. Sie hat nicht das schwache Weibchen herausgekehrt und gekniffen. Im Gegenteil: Sie hat menschliche Größe gezeigt. Etwas viel zu seltenes heute.

Falsch war die Entscheidung trotzdem. Aber aus einem anderen Grund. Sie war ja Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche. Daher kann ich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass sie Christin ist. Und Christ ist man nicht, weil man so toll und fehlerfrei ist. Eher im Gegenteil. Christ ist man, weil man erkannt hat, wie schwach und fehlbar man ist, und wie dringend man daher Christus braucht. Margot Käßmann hat auf ihre eigene Stärke vertraut und ist gestrauchelt. Besser, sie hätte auf Gottes Stärke vertraut. Gott strauchelt nicht. Und Gott hätte ihr vergeben, wenn sie das will. Besser wäre gewesen, diese Entscheidung in Gottes Hand zu legen. Möglich, dass sie gerade wegen dieses Strauchelns jetzt eine noch bessere Ratsvorsitzende gewesen wäre. Wer Fehler aus eigener Erfahrung kennt, kann den Fehlern Anderer mehr Mitgefühl entgegen bringen. Wer um die eigene Fehlbarkeit weiss, kann die Wichtigkeit und Bedeutung Christi wesentlich besser erfassen. Mir wäre es lieber gewesen, die evangelische Kirche hätte sie im Amt bestätigt, und sie hätte diese Entscheidung akzeptiert.

Aber gekniffen hat sie nicht. Und der Sache der Frauen hat sie damit auch nicht geschadet. Vielleicht eher im Gegenteil. Sie hat gezeigt, dass ihr die Aufgabe wichtiger ist als die eigene Person. Das bringen nur wenige Männer fertig. Trotz der falschen Entscheidung gebührt ihr Respekt. Diese Frau scheint mir glaubwürdig zu sein.


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