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Authentizität

Fri, 18 Mar 2011 17:36:14 +0100

Im Rahmen meines Informatikstudiums habe ich jetzt einen Kurs belegt zum Thema Kommunikation und wissenschaftliches Schreiben. Geleitet wird dieser Kurs von einer Theaterschauspielerin. Da ergibt sich für mich natürlich sofort die ketzerische Frage: Was soll all das Theater um das bisschen Kommunikation?

Nun ja, zunächst geht es um . Und im Zusammenhang damit kam ein interessanter Begriff auf: . Also etwas ausführlicher: Ein Redner sollte authentisch sein. Doch was bedeutet das, und ist das überhaupt möglich?

Zunächst einmal hier meine Beobachtung über das landläufige oder volkstümliche Verständnis von Authentizität: Man glaubt, es gehe darum, Gefühle zu zeigen. Wobei in unserer abgestumpften Zeit nur sehr starke Gefühle zählen. Es ist also nicht das stille Glück gefragt oder die leise Trauer. Gefragt sind Gefühle, die dem Zuhörer förmlich um die Ohren fliegen. Und in der verschärften Variante sind nur die negativen Gefühle gefragt, da nur diese stark genug zu sein scheinen. Ganz in der Tradition der Presse, wo nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten sind, sind bei authentischen Personen nur schlechte Gefühle gute Gefühle. Auf gut Deutsch wird von einem authentischen Redner erwartet, dass er die Sau rauslässt.

Doch schon hier ergibt sich zwangsläufig eine Frage: Bin ich überhaupt authentisch, wenn ich Gefühle zeige, nur weil das Publikum das so erwartet? Gebe ich nicht gerade die Authentizität, das Echte, das wahre Ich auf? Wird der Wunsch des Publikums nach Authentizität nicht gerade ins Gegenteil verkehrt? Das Publikum erwartet Authentizität, glaubt, Authentizität zu bekommen, und bekommt in Wahrheit eine Inscenierung.

Die Rhetorik verhandelt die Authentizitätsfrage auf der Textebene und der Ebene der rednerischen Performanz (Aufführung). Es handelt sich dabei um eine Inszenierung, die ihre Inszeniertheit zu verbergen und so einen Echtheits- bzw. Wirklichkeitseffekt zu erzeugen sucht.

Doch wenn man dieser Frage nachgeht, tauchen ganz unvermittelt andere Fragen auf: Wer oder was bin ich eigentlich? Wenn ich eine Rede inszeniere, so, wie das Publikum das erwartet, bin das dann ich oder nicht? Ist es mein Wunsch, das Publikum zufrieden zu stellen? Warum will ich das Publikum zufrieden stellen? Dient es meiner Karriere? Warum ist die Karriere für mich wichtig? Ist die Karriere ein Teil meines Ichs? Bin ich authentisch, wenn ich meine Karriere verfolge? Fragen, die Alle nicht leicht zu beantworten sind..

Dem Dilemma kann man weiter auf den Grund gehen, wenn man sich die möglichen Extreme vor Augen führt. Da wäre zum Einen der immer Angepasste. Ein Mensch, der seinem Publikum genau das bietet, was das Publikum erwartet. Wenn das Publikum Authentizität erwartet, wird solch ein Mensch Authentizität liefern. Ist so Jemand authentisch? In der Tat, so seltsam es klingen mag: Ja!. Wenn das seine Charaktereigenschaften sind, dann ist es nur authentisch (echt), sich auch genau so zu verhalten. Auf der anderen Seite ist ein Mensch vorstellbar, der immer in Opposition steht. Nehmen wir ruhig einmal an, Jemand, der welchem Publikum auch immer niemals das bietet, was so ein Publikum auch immer erwartet. Jemand, der lacht, wenn Andere trauern, und der trauert, wenn Andere lachen. Jemand, der angreift, wo Alle friedlich sind, und der Frieden stiftet, wo Alle aggressiv sind. Und wenn Jemand merkt, dass er Frieden stiftet, zettelt er den nächsten Krieg an. Auch so Jemand ist authentisch. Nur wird er kaum jemals ein Publikum haben. Denn sobald der Publikum hat, erfüllt er ja dessen Erwartung, was nicht in seiner Natur liegt. In dem Moment, wo so Jemand ein Publikum hat, ist er also nicht mehr authentisch.

Nicht ganz so extrem betrachtet kommt man so zu der Überlegung, inwieweit Jemand von der Welt geprägt wird, und also ein Echo dieser Welt darstellt (die Erwartungen der Welt erfüllt), oder inwieweit Jemand aus sich selbst heraus agiert und die Welt prägt. Glücklicherweise ist es so, dass nie entweder nur das Eine oder nur das Andere der Fall ist. Jeder wird durch seine Umwelt geprägt, und prägt seinerseits wieder seine Welt. Authentizität entsteht also nicht aus der Abkapselung vor der Umwelt und der Zentrierung auf das eigene Selbst (sozusagen Auto-Zentrizität), sondern aus der bidirektionalen Kommunikation des Individuums mit seiner Welt. Das Abkapseln von der Welt, um nur ja die eigene Authentizität nicht durch fremde Einflüsse zu verunreinigen führt zu einer toten Persönlichkeit. Jede unserer Aktionen bewirkt in der Welt Etwas, diese Wirkung bemerken wir. Durch das, was wir bemerken, lernen wir. Wir ändern uns also anhand der Rückmeldung der Welt. Wer das ausschließt, lernt Nichts. Wer Nichts lernt, ist tot.

Authentizität entsteht also weder durch das Fernhalten jedweden fremden Einflusses noch durch die Unterdrückung jedweden eigenen Anders-Seins. Am ehesten kann Authentizität entstehen, wenn man sich selbst erkennt und lernt, dazu zu stehen. Wenn man lernt, sich selbst zu lieben. Im zweiten Gebot heisst es: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn diese Liebe zum Nächsten zu Irgendetwas nütze sein soll, setzt das voraus, dass man gelernt hat, sich selbst zu lieben. Wer zu sich selbst irgendeine Einstellung hat, egal, ob nun Liebe oder Hass, der muss sich zwangsläufig vorher selbst erkannt haben. Wer sich selbst begreift, sowohl in seiner Individualität als auch in seinem Eingebundensein in die Welt, der ist authentisch. Ganz egal, ob nun laut und fordernd oder still und leise, Authentizität ist immer das vorbehaltlose Einbringen des eigenen Ichs in die Welt und das Reagieren auf die Welt (die eigene Entwicklung). Authentizität ist weder das rücksichtslose Aufdrücken eigener (schlechter) Launen auf Andere, noch die Rücksichtnahme um jeden Preis unter Verlust der eigenen Individualität.

Dabei geht es eher nicht um einen Kompromiss, sondern eher um Entscheidungen. Für mich aktuell und konkret zum Beispiel: Was mache ich aus diesem Semester? Wir lernen hier, Reden zu halten. Dafür gibt es Regeln. Das sind bislang nicht meine Regeln. Lasse ich mich hier so von der Welt (der Professorin) beeinflussen, dass ich diese Regeln als meine akzeptiere? Oder lehne ich diese Regeln ab? Im ersten Fall werde ich vermutlich Erfolg haben, im zweiten eher nicht. Ist Erfolg für mich ein Kriterium? Oder, was wäre, wenn ich um des Erfolges willen diese Regeln lerne, ohne von ihnen überzeugt zu sein? Dann werde ich vermutlich erfolgreich sein, aber würde wohl meine Authentizität verlieren. Schummeln geht nicht. Hier geht es schlicht um Entscheidungen.

Wer bin ich? Im Film "Total Recall" sagte der Obermutant mal einen schönen Satz: Ein Mann definiert sich durch seine Taten. Unsere Taten haben sehr viel mit unseren Entscheidungen zu tun. Oder, wie Dumbledore es Harry Potter erklärte: Unsere Entscheidungen machen uns zu dem, was wir sind. Wer bin ich? Nun, ich entscheide, diesenText hier erst einmal zu beenden.


8 Kommentare

  1. Sat, 19 Mar

    Author: Ute Promies

    Lieber Siegfried Gipp,

    herzlichen Dank für diese schönen Überlegungen über "Authentizität". Aristoteles hat sich einmal gefragt, ob denn ein guter Redner rhetorische Kenntnisse haben muss, er kam zu dem Schluss, eigentlich nein, dennoch schadet es ihm auch nicht. Denn ein guter Redner hat die rhetorischen regeln auf irgendeine Art und Weise selbst verinnerlicht. Manche - wie Sie - wenden Rhetorik an, ohne sie vielleicht als solche zu erkennen. Nun haben Sie in einer sehr reflektierten Schreibweise dargelegt, was Sie unter Authentizität verstehen und was nicht. Und das war ein rhetorisches Meisterstück, Sie gingen dialektisch vor. Ob bewusst oder unbewusst folgten Sie der Rhetorik, ob Sie wollten oder nicht.

    Von daher könnte es ja auch ein Stück Selbsterkenntnis sein, dass Sie ohnehin rhetorischen Regeln folgten. Andere haben dann wieder einen Gewinn, sich Ihre Texte dabei zu Gemüte zu führen. Was ist Rhetorik? Schopenhauer nannte es Beredsamkeit. Darunter verstand er, andere an der eigenen Gedankenwerkstatt teilhaben zu lassen. Ich behaupte nicht einfach autoritär etwas, sondern ich lasse mir in den Kopf blicken, wie ich zu den Schlüssen gekommen bin, dann können auch andere mir widersprechen. Ich setze den unendlichen Dialog der Menschheit auf der Suche nach Wahrheit fort. Und diese Arbeit hat auch mit Authentizität zu tun.

    Liebe Grüße

    Ute Promies

  2. Sun, 20 Mar

    Author: Siegfried

    Tja, ein Meisterstück wäre wohl übertrieben. Dazu fehlt viel zu viel. Es war einfach nur eine Reflektion, eine Betrachtung von sehr verschiedenen Seiten. Je nachdem, was man unter diesem Begriff versteht, kann sich dieser selbst ad Absurdum führen.

    Bleiben wir bei dem Beispiel mit dem Redner ohne rhetorische Kenntnisse und/oder Fähigkeiten: Authentisch wäre er, wenn er seine (nicht vorhandenen) Fähigkeiten so nutzt, wie sie sind, also ohne rhetorische Regeln. In diesem Fall wäre authentisch gleich erfolglos. Andererseits könnte es auch authentisch sein, solche Dinge zu lernen. Dann könnte authentisch wieder erfolgreich sein. Wiederum anders betrachtet könnte es authentisch sein, aus dem dargebotenen Lehrmaterial etwas Eigenes zu machen. Allerdings bedarf die Entwicklung solch einer speziellen und eigenen Rede-Kultur erst mal die Beherrschung und das Verstehen der existenten Rede-Kultur.

    Jedenfalls stelle ich immer wieder fest, dass dieser Begriff ein Modewort ist, das viel zu häufig verwendet wird, ohne diesen Begriff verstanden zu haben. So suchen z.B. Firmen authentische Mitarbeiter - aber natürlich nur solche, die sich der Firmenkultur anpassen können. Ganz ähnlich ist das mit dem Begriff "Querdenker". Solche Leute werden gesucht, um neue und frische Ideen einzubringen - aber natürlich nur, so lange diese Ideen in die Firma passen. Das erinnert mich an einen Dilbert Comic. Da erklärt Dogbert, der fiese Berater, dem Abteilungsleiter die Vorzüge von SixSigma. Der Abteilungsleiter fragt zurück: "Sind Sie nicht der Typ, der uns erst letztes Jahr ISO9000 verkauft hat?" Und Dogbert antwortet: "Sicher, aber ich garantiere ihnen, dass die neue Methode einen ganz und gar total neuen Namen hat." "Wann können wir anfangen" antwortet daraufhin der Abteilungsleiter.

    Ganz ähnlich ist das Phänomen, dass, je weniger Substanz eine Rede hat, um so mehr Fremdwörter verwendet werden. Heutzutage ganz schlimm im Marketing-Speak. Einfach nur gruselig.

    Von daher könnte es ja auch ein Stück Selbsterkenntnis sein, dass Sie ohnehin rhetorischen Regeln folgten. Andere haben dann wieder einen Gewinn, sich Ihre Texte dabei zu Gemüte zu führen.

    Das mit dem Gewinn wäre natürlich erfreulich. Noch erfreulicher wäre es, wenn ich aus dem resultierenden Echo wieder selbst einen Gewinn habe.

    Und ja, ich befolge rhetorische Regeln. Und genau deshalb ist dieser Text auch kaum ein rhetorisches Meisterwerk. Eine gute Rede hat einen Beginn, möglicherweise mit einer These oder Antithese, hat eine Argumentationsphase, und einen definierten Schluss am Höhepunkt des Spannungsbogens. Und als Grundlage und Voraussetzung dafür darf ein Redner niemals sein Ziel aus den Augen verlieren. Nicht heisse Luft ist gefragt, sondern eine Botschaft ("Message" auf neu-Denglisch). Wenn eine halbe Stunde nach der Rede die Zuhörer gefragt werden, was er denn da geredet hat, und als Antwort kommt eine Zusammenfassung des Knackpunkts, dann war die Rede gut. Deshalb ist meine vielleicht einzige rhetorische Regel, vor der Rede ein solches Ziel zu definieren. Wenn man dann noch einen klar erkennbaren Weg vom Ist zum Soll findet und diesem folgt, dann wird es perfekt.

    Und eben dieses Ziel hat in meiner Betrachtung gefehlt. Es war nur eine Betrachtung des Ist von verschiedenen Blickwinkeln.

    Nichtsdestotrotz freut es mich, dass es Ihnen gefallen hat.

    Was ist Rhetorik? Schopenhauer nannte es Beredsamkeit. Darunter verstand er, andere an der eigenen Gedankenwerkstatt teilhaben zu lassen. Ich behaupte nicht einfach autoritär etwas, sondern ich lasse mir in den Kopf blicken, wie ich zu den Schlüssen gekommen bin, dann können auch andere mir widersprechen. Ich setze den unendlichen Dialog der Menschheit auf der Suche nach Wahrheit fort. Und diese Arbeit hat auch mit Authentizität zu tun.

    Ja, das passt schon recht gut. Und wenn man diesen Absatz gründlich liest, dann steht dort auch schon, dass die eigene Gedankenwerkstatt eben nicht eine "One-Man Performance" ist, sondern ein Dialog. Andere arbeiten sozusagen in und an der eigenen Gedankenwerkstatt mit. Genauso, wie man selber ebenfalls an und in der Gedankenwerkstatt der Anderen mitarbeitet. Authentizität entsteht aus der Erkenntnis dieses Dialogs und aus dem Respekt gegenüber der Individualität der eigenen wie der anderen Gedankenwerkstätten. So gesehen stimmt das ganz und gar, was Sie da geschrieben haben. Kann ich unterstreichen. Lediglich der Begriff "Beredsamkeit" stört mich dabei etwas. Denn im Extremfall kann sogar ein Stummer Andere an seinen Gedanken teilhaben lassen.

    Ist mal ganz erfreulich, Jemand Anderen an meinen Gedanken teilhaben zu lassen, ohne dass das Thema gleich auf technische Fragen begrenzt wird. Sowas verschönert mir den Tag ganz erheblich.

  3. Sun, 20 Mar

    Author: Ute Promies

    Wenn ich jetzt nicht morgen und übermorgen sieben Stunden Kurs gäbe an der TUD für Dozenten, würde ich jetzt antworten.

    Ich fand die Frage nach der Authentizität berechtigt. So hatte ich mir überlegt, dass Authentizität Identität voraussetzt. Und Identität müsste aufjedenfall die Fähigkeit beeinhalten, sich zu erinnern. Fällt mein Erinnerungsvermögen weg, dann habe ich für mich keine Identität noch Authentizität mehr, möglicherweise aber für andere? Große Frage.

    Da ich jetzt weiter machen muss, stoppe ich hier.

    Bin ich weniger authentisch, wenn ich etwas lerne? Oder kann ich sogar noch mehr authentisch werden, wenn mir jemand die Möglichkeit gibt, mich voll zu entfalten. Z.B. ich lerne singen. Das AUßen verändert mich, wie Hegel sagen würde, es ist ein dialektischer Prozess, möglicherweise aber entferne ich mich von mir.

    Formel: Kultur=Natur bewahrend formen.

    Erziehung kommt von ziehen, zerren (etymologisch). Kultur von colere (Ackerbau, bebauen).

    Zum Thema "Meisterstück", möglicherweise lobe ich zu sehr nach jahrelangem Unterricht, mag sein, dass ich dann etwas zu emphatisch werde.

    Also schönen Abend
    Ute Promies

  4. Mon, 21. Mar

    Author: Siegfried

    Bin ich weniger authentisch, wenn ich etwas lerne? Oder kann ich sogar noch mehr authentisch werden, wenn mir jemand die Möglichkeit gibt, mich voll zu entfalten. Z.B. ich lerne singen. Das AUßen verändert mich, wie Hegel sagen würde, es ist ein dialektischer Prozess, möglicherweise aber entferne ich mich von mir.

    Genau das! Jedenfalls die eine Seite. Das Außen verändert mich. Aber, genauso wertig: Mein Innen verändert auch das Außen. Den Nachsatz hingegen ("möglicherweise entferne ich mich von mir), den würde ich doch eher verneinen. Diese "Entfernung" vom aktuellen Ist zu einem neuen Soll ist mein Ich. Das genau meine ich mit "Ein Mann definiert sich durch seine Taten" oder "Unsere Entscheidungen machen uns zu dem, was wir sind". Kurz und salopp auf den Punkt gebracht: Keine Angst vor Veränderungen, aber auch den Mut zu Veränderungen der Veränderungen (mach was Eigenes draus).

    Was ich nicht ganz verstehe: Was ist ein dialektischer Prozess?

    Zum Thema "Meisterstück", möglicherweise lobe ich zu sehr nach jahrelangem Unterricht, mag sein, dass ich dann etwas zu emphatisch werde.

    Macht Nix. Hat mich jedenfalls gefreut, und Begeisterung ist ja nichts Schlechtes.

  5. Mon, 21 Mar

    Author: Charis von charisma

    Hallo Sigi,

    ein Lob für den fleissigen Blogger! Und dann gleich so ein philosophisch-ernstes Thema --- *grins* Da muss ich geichma kommentieren:

    "Authentizität ist immer das vorbehaltlose Einbringen des eigenen Ichs in die Welt und das Reagieren auf die Welt"

    Na, da bin ich oft authentisch - beim Schimpfen über Alltagsprobleme, Lachen über Missgeschicke (meine eigenen wie auch die der Mitmenschen) und beim Bloggen (hier kann ich endlich meiner Stimmung, egal welcher freien Lauf lassen - wer nicht lesen will, kann offline gehen) ... *smile*

    "Wer sich selbst begreift, sowohl in seiner Individualität als auch in seinem Eingebundensein in die Welt, der ist authentisch"

    Tjaaaa, das Erstere möchte ich nicht von mir behaupten, dazu habe ich mich schon zu oft hinterher gefragt: Christa, was haste denn dabei bloß gedacht?!?

    Authentisch möchte ich mich trotzdem bezeichnen, denn ich spiele nicht vor, um irgendeinen Nutzen davon zu haben (deshalb hat es wohl auch bei den letzten Arbeitsstellen nicht länger geklappt *Augen roll*)

    Die Veröffentlichung meines (authentischen) obigen Geschreibsels steht Dir frei, nur bitte ohne Kürzungen! Und - gibt's nicht irgendeinen schlauen Spruch irgendeines berühmten oder zumindest bekannten Mannes dazu? Werde morgen mal in den Weiten des net nachforschen ... *zwinker*

    Und so verbleibe ich
    ganz authentisch,
    genehm oder nicht
    Charis von charisma

  6. Tue, 22. Mar

    Author: Charis von charisma

    Hallo Sigi,

    habe etwas passendes gefunden:

    Scheinheiligkeit und Lüge, die gern mit dem perversen Deckmäntelchen der Liebe und Fürsorge drapiert werden und nicht die sicher oft sehr schmerzhafte Ehrlichkeit und Authentizität sind die Zutaten, mit denen man den Charakter eines Kindes bricht.

    Quelle

    Und natürlich von einem gaaanz berühmten:

    Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

    Liebe Grüsse auch an Susanna (mit 'h' geschrieben?) und alle Pfoten, die euer Haus 'besetzen'

    Charis von charisma

  7. 23.3.2011

    Author: Siegfried

    Hi Christa,

    Schön, von Dir wieder zu lesen. Ich habe ja auch lange genug Nix geschrieben. Leider muss ich jetzt auch wieder los an die Arbeit, aber ich werde noch darauf antworten. Insbesondere das Zitat von Gandhi ist großartig. Das bringt diese Gedanken hier wunderschön auf den Punkt. Bis später.

  8. Thu, 24 Mar 2011

    Author: Siegfried

    So, jetzt habe ich ein paar Minuten Zeit, bevor ich los muss.

    Zunächst zu Gandhi: Diesen Satz finde ich wirklich sehr gut. Er umfasst aber nur die eine Seite von Authentizität oder Identität: Die des Jetzt und der unmittelbaren Zukunft. Also das, worauf ich hier als zweiten Aspekt hinweisen wollte. Der andere Aspekt der Identität ist ja die Vergangenheit. All das, was sich an Erfolgen und Misserfolgen in der Vergangenheit so angesammelt hat. Die Frage ist ja, ob es authentisch ist, sich anzupassen und dazuzulernen, oder ob es authentisch ist, bei dem zu bleiben, wer und was man ist. Ich denke eben, Beides spielt eine Rolle, Beides ist wichtig, und weder das eine noch das andere Extrem ist sonderlich authentisch. So in etwa wie oben:

    Das AUßen verändert mich, wie Hegel sagen würde, es ist ein dialektischer Prozess, möglicherweise aber entferne ich mich von mir.

    Dieses "Entfernen von sich selbst" durch Veränderung ist ja eine mögliche Antithese zur Authentizität. Und ich möchte hier eben zeigen, dass diese Veränderung genauso dazu gehört, dass genau das durchaus authentisch sein kann. Gandhi hat in dieser Aussage den Fokus auf eben diese Veränderung gelegt. Finde ich gut, dass das mal Jemand gemacht hat. Er ist damit sozusagen in Kontraposition zu Hegel gegangen. Nur hat eben weder nur der Eine noch nur der Andere Recht. Richtig ist auch nicht der Kompromiss dazwischen, sondern Beides voll und ganz.

    Die andere Aussage gefällt mir nicht so gut. Richtig ist, dass das leider durchaus vorkommen kann. Es ist gar nicht mal so selten. Ich erinnere mich noch, als ich noch Schüler war, bin ich mal in einem ganz neuen Stadtbus gefahren. Vor der Haltestelle drückte ein kleiner Junge auf den Türöffner-Knopf. Dann kam eine ältere Dame dazu, die auch aussteigen wollte, und legte die Hand an den Knopf. Der kleine Junge merkte ganz stolz an: Brauchen Sie nicht mehr zu drücken, das habe ich schon gemacht. Er hatte also etwas Neues herausgefunden und war mit Recht stolz darauf. Die ältere Dame sagte sehr freundich: Ach ja? Das ist aber fein. Und als der Bus hielt, drückte Sie den Knopf. Eine kompette Missachtung der Leistung dieses keinen Jungens. Er hatte übrigens Recht, die Funktion dieses Knopfes war in der neuen Busgeneration so verändert worden.

    Aber dieser Vorfall zeigt auch die Schattenseite dieses Zitats auf. Es sind eben nicht nur die schmerzenden Dinge, die ehrlich und authentisch sind. Die positiven Dinge sind genauso authentisch. Wohingegen Scheinheiligkeit und Lüge meistens zu seelischen Schmerzen führen. In etwa so, wie ich ganz am Anfang erwähnt habe, dass Authentizität oft damit verwechselt wird, jeder Menge negativer Gefühle freien Lauf zu lassen. Das kann im Einzelfall authentisch sein, aber die Regel ist es wohl nicht.