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Der Fliege

Sun, 09 Oct 2011 09:03:19 +0200

Ex-Fernsehpfarrer Jürgen Fliege macht und hat Ärger. Letztens löste er Ärger aus, indem er eine "Fliege-Essenz" vermarktete, die mit "Gottes Segen aufgeladen" war. Durch Handauflegung von Fliege. Das Wässerchen war für 40,-€ zuzüglich Versandkosten zu haben.

Was zunächst wie ein Scherz klingt, war wohl ernst gemeint. Die Kirche warf ihm folgerichtig vor, den Segen Gottes zu verkaufen. Fliege konterte: Der Segen Gottes ist kostenlos. Das Weitergeben des Segens durch die Kirche aber nicht.

Dieser Mist enthält gleich zwei gravierende Fehler. Zunächst mal ist richtig, dass der Segen Gottes kostenlos ist. Es ist zwar nicht so, dass dieser Segen wie Müll überall herumliegt, aber wer um diesen Segen bittet, bekommt ihn auch. Kostenlos. Falsch an diesem Gedanken jedoch ist, dass diesen Segen nur die Profis (die Vertreter der Kirche(n)) bekommen. Diesen Segen bekommt Jeder, der darum bittet. Warum also sollte die Kirche Etwas verkaufen, das ihre Schäfchen auch umsonst bekommen können? Das wäre, als würde heutzutage eine Firma Atemluft verkaufen – Etwas, das Jeder umsonst haben kann. Das wäre als Geschäftsmodell denkbar schlecht. Keine Bank würde für solch einen Schwachsinn auch nur einen Cent Kredit rausrücken. Im Gegenteil, man würde sich überlegen müssen, ob solch ein "Geschäftsmann" nicht dringend eine Therapie bräuchte, oder, auf gut deutsch, in die Klapse gehört. In Zukunft mag das vielleicht anders aussehen.

Der zweite Fehler liegt darin, anzunehmen, dass der erhaltene Segen so eine Art Privateigentum sei. Mit dem Segen ist die Verpflichtung verbunden, diesen Segen weiter zu geben. Das ist einerseits so ähnlich wie mit der Weitergabe von MP3s, andererseits genau gegenteilig. Einerseits vervielfacht sich der Segen mit jeder Weitergabe, genau wie kopierte MP3s, und genau wie diese ohne Qualitätsverlust. Andererseits aber sollen diesen Segen sogar weiter geben, an Jeden, der ihn haben will. Das ist ausdrücklich erwünscht. Das Verkaufen dieses Segens ist eine Art Copyrightverletzung, genau wie das Verkaufen von MP3s. Nach deutschem Recht müsste Fliege dafür verknackt werden. Die kostenlose Weitergabe ist hingegen nicht nur legal, sondern sogar erwünscht.

Gegen Handauflegung oder irgendwelche Wässerchen ist kaum Etwas einzuwenden. Wir tun uns nun mal leichter mit dem Glauben, wenn wir irgendwelche Symbole haben. Auch das Abendmahl ist ein solches Symbol. Daran ist nichts Falsches. Jedenfalls so lange nicht, wie das Symbol eben nur ein Symbol bleibt, und nicht den Segensursprung ersetzt. Aber zu behaupten, der Segen Gottes wäre käuflich zu erwerben, das ist wie Anno Tobak der Ablasshandel: Grundfalsch und dem Willen Gottes komplett widersprechend.

Manche haben echt einen an der Waffel.


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