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Der Rastani-Kapitalismus

Thu, 29 Sep 2011 11:12:56 +0200

Ein BBC-Interview geistert derzeit durch die Welt. Ein kleiner Börsenhändler erklärt ziemlich glaubhaft, wie das mit der Krise funktioniert. Wer das als Zynismus begreift, hat die letzten 100 Jahre nicht aufgepasst. Das ist nicht Zynismus, das ist Realität.

Nun, zumindest, was diesen Alessio Rastani angeht, hat das eher weniger mit Realität zu tun. Er ist wohl nur ein relativ kleines Licht im Börsenmarkt. Das heisst, er ist einer von Denen, die glauben, durch solches Verhalten Geld machen zu können. Wie er in dem Interview so schön sagt: Jeder kann daraus Geld machen. So wie er denken sehr Viele. Und so wie er irren sich sehr Viele. Es sind nur sehr Wenige, die tatsächlich daraus Geld machen, und die werden sich hüten, solch ein Interview zu geben. Die werden eher jammern, was ihnen für Verluste ins Haus stehen.

Doch genau so funktioniert dieser Börsen-Kapitalismus. Man muss nur genügend raffgierige Yuppies finden, die smart, relativ intelligent und skrupellos sind (davon gibt es jede Menge), und man muss diese Raffzähne mit der Aussicht auf das ganz große Geld locken. Und schon kommt genau das dabei heraus, was man in dem Interview zu hören bekommt. Die Vertreter der Banken haben oft genug betont, dass es ihnen um den Gewinn geht, und sie keine Sozialhilfeinstitute sind. Was also ist an dem Inhalt des Interviews so überraschend? Hat man vielleicht geglaubt, Ackermann und Co hätten ihre Statements nicht ernst gemeint? Hat man vielleicht gehofft, ganz so schlimm könnte es nicht sein? Aufwachen! Es ist noch schlimmer. Auch ein Börsenhändler wie Rastani ist nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Er rennt skrupellos einer Illusion hinterher und ruiniert nicht nur Millionen Anderer, sondern auch sich selbst.

Leider ist das noch nicht das Ende des Skandals. Genau diese Leute werden von den Regierungen (besonders von der deutschen Regierung) dazu herangezogen, die Finanzprobleme des Staates zu lösen. Im Volksmund nennt man das Den Bock zum Gärtner machen. Die Verursacher der Krise werden damit beauftragt, die Krise zu beseitigen, und zwar mit genau den Mitteln und Methoden, die zu der Krise geführt haben. Das ist derart absurd, da braucht es schon Politiker, um daraus eine Methode zu machen.

Allerdings braucht die SPD hier nicht die CDU vorzuführen. Schröder hat seinerzeit etwas ganz Ähnliches verbockt: Um die zunehmende Anzahl von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern in den Griff zu bekommen, hat die SPD seinerzeit genau einen von Denen mit der Lösung beauftragt, die diese Mitarbeiter zur Gewinnmaximierung entlassen haben (Herr Hartz). Und natürlich kam dabei heraus, dass an den Entlassungen mitnichten die Arbeitgeber Schuld seien, sondern die entlassenen Ex-Arbeitnehmer selber, und dass man dieses faule Pack dafür natürlich bestrafen müsse. Den Bock zum Gärtner machen scheint ein Regierungsprinzip aller Parteien zu sein.


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