Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Freiheit die ich meine

Fri, 18 Nov 2011 10:19:25 +0100

Freiheit – das ist vor Allem die Freiheit des Anderen. Es scheint, dass diese Erkenntnis den Europäern vorbehalten ist. Zwar ist diese Erkenntnis auch in Europa nicht unbedingt sehr weit verbreitet, aber in den USA sieht man das anscheinend grundsätzlich anders herum. Die Freiheit, von der in den USA so oft und gerne geredet wird, die Freiheit, die die USA gerne der ganzen Welt bringen wollen, das ist die Freiheit der US Nationalisten und des US Big Business. Alles, was stört, wird eliminiert.

Bekannt ist, dass die USA noch immer Probleme mit Cuba haben. Und damit meine ich jetzt nicht Guantanamo, was ein ganz eigenes Riesenproblem darstellt. Aber US-Bürger werden massiv daran gehindert, nach Cuba zu reisen, um dort beispielsweise Urlaub zu machen. Das kann man sich so ähnlich vorstellen, wie seiterzeit in der DDR. Auch die DDR-Bürger hatten Reisefreiheit – in die sogenannten "sozialistischen Bruderländer". Was nicht der eigenen Ideologie entsprach, war eben verboten. Das ist in den USA genau so. Auch US-Bürger genießen Reisefreiheit. Nur eben nicht nach Cuba. Cuba ist halt sozialistisch und passt damit nicht in die US-Ideologie. Und ist deswegen für US-Bürger verboten.

Die USA wären aber nicht die USA, wenn sie sich nicht gleichzeitig als Weltpolizei verstünden. Die Freiheit, die man meint, will und muss man auch allen anderen Ländern aufdrücken. Notfalls mit Gewalt.

Im Internet geht das besonders einfach. Die wichtigsten Domain Registrare sind in den USA. Die USA betrachten das Internet als US-Amerikanisches Eigentum. Es ist schließlich dort erfunden worden. Dass auch das nicht-amerikanische Ausland in Grenzen daran teilhaben darf, ist nur amerikanicher Großzügigkeit zu verdanken. Und wenn nun ein Europäer beispielsweise Webseiten anbietet als Service für Cuba-Reisende, dann muss die USA hier natürlich einschreiten, und diese nach US-Gesetz illegalen Seiten sperren. Denn das US-Gesetz gilt natürlich für die gesamte Welt, denn die USA ist die Welt-Polizei und bestimmt allein, was Recht und was richtig ist. Und so werden eben unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung reine Tourismus-Seiten gesperrt, nur, weil diese Reisen in ein "verbotenes" Land offerieren oder dafür Werbung machen.

Und selbst, wenn z.B. spanische Gerichte mehrfach bestätigen, dass der Betrieb einer spanischen Webseite legal ist, wenn die USA anderer Meinung ist, dann wird diese Seite eben gesperrt. Basta! Wer sind denn schließlich schon spanische Richter, wenn es um Profitinteressen amerikanischer Firmen geht? Wenn es um US-Amerikanisches Verständnis von Copyright geht? Die persönliche Meinung eines US-Amerikanischen Rechteverwerters ist allemal mehr wert als ein nicht-amerikanisches höchstrichterliches Urteil.

Ach ja, Werbung für Waffen für Privatleute ist übrigens ganz legal. Nach US-Meinung jedenfalls.


0 Kommentare