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Jungfrau Maria

Fri, 22 Apr 2011 10:54:45 +0200

Ich bin gerade über einen Podcast gestolpert. Diesmal über ein besonders strittiges Thema: Maria und die jungfräuliche Geburt Jesu. Man hört selten so viel Blödsinn, sowohl in diesem Podcast wie auch im sogenannten Volksglauben.

Zunächst mal: Die Weihnachtsgeschichte ist kein Mythos, sondern im Rahmen der damaligen Möglichkeiten sauber recherchiert. Der Autor war nicht dabei gewesen, aber er hatte Kontakt zu Maria und hat sie gefragt. Heute würde man sagen: Ein Interview geführt. Insofern ist das natürlich eine subjektive Darstellung, allerdings von einer ziemlich vertrauenswürdigen Person und von einem ebenso vertrauenswürdigen Schreiber.

Lässt man also das Geschwafel der Kirchengeschichte einmal ausser Acht und konzentriert sich auf die Texte des originalen Autors, so bleiben ein paar schlichte und einfache Tatsachen übrig. Zunächst mal war Maria zur Zeit ihrer Schwangerschaft wohl tatsächlich im heutigen Sinne Jungfrau. Denn als ihr der Engel die Geburt ankündigt, sagt sie Sowas wie: "Wie soll denn das gehen, ich hatte bislang keinen Verkehr mit einem Mann". Sie war verlobt mit einem Häuserbauer namens Josef. Ein uneheliches Kind hätte nach damaligem Recht ihr Todesurteil werden können. Es wäre das Recht ihres Verlobten gewesen, sie wegen dieses Betruges anzuzeigen, und sie wäre gesteinigt worden. Um ihr Leben zu erhalten, beschloss er, die Beziehung zu Maria stillschweigend zu beenden, ohne sie anzuzeigen. Er wurde jedoch davon überzeugt, sie trotzdem zu heiraten.

Jesus war also zwar Marias Sohn, aber nicht Josefs Sohn. Er wurde als uneheliches Kind als "Sohn der Maria" bezeichnet. Josef war allerdings so Etwas wie sein Adoptivvater. Insofern ist natürlich gerade der katholische Umgang mit unehelichen Kindern eine ziemlich schlimme Sache.

Die Zeugung durch das Ohr ist allerdings nichts Anderes als eine Allegorie. Er wurde gezeugt durch das Wort Gottes. Und das Wort erreicht uns nun mal durch das Ohr. Das hat aber Nichts mit Analverkehr zu tun, sondern ist eine reine Allegorie, eine Art Bild oder Symbol.

Auf der anderen Seite nun Maria zu einer Art anti-sexuellem Vorbildobjekt zu machen und Sexualität zu verteufeln, ist restlos Quatsch. Maria hatte nach Jesus noch viele weitere Kinder, und zwar mit Josef. In der Bibel werden seine leiblichen Geschwister erwähnt. Auch einer der 12 Jünger war ein leiblicher Bruder Jesu. Vielleicht genauer: Sein Halbbruder. Sexualität zu verteufeln hieße beispielsweise Jakobus zu verteufeln. Denn der war das Resultat von Sex zwischen Maria und Josef. Und daran war ganz offensichtlich überhaupt nichts Schlechtes oder Verwerfliches. Und Maria war nach Allem, was wir aus der frühen Kirchengeschichte wissen, noch lange Zeit ein hoch geachtetes Mitglied der frühen Christenheit. Nicht, weil sie eine Sexualfeindliche Jungfrau gewesen wäre, auch nicht, weil sie die Mutter Jesu war, sondern weil sie Gott und Jesus vorbildlich vertraute. Sie war eine Frau, die voll und ganz im Leben stand. Sie war die Mutter vieler Kinder. Und sie war ein Vorbild im Glauben (aka Vertrauen).

Dass Jesus, wie in dem Podcast erwähnt, voll und ganz Mensch war, ist richtig. Das zu unterstreichen war die Absicht der Autoren der Evangelien. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Jesus war auch ganz Gott. Auch das haben die Autoren der Evangelien immer wieder unterstrichen. Und er war nicht halbe-halbe (Halbgott), sondern ganz und gar Mensch und ganz und gar Gott. Seltsam, dass immer die eine oder andere Seite verschwiegen wird. Früher hat die Kirche die Göttlichkeit Jesu betont und in etwas völlig Falsches verkehrt. Er wurde zu einem der unnahbaren Götter des Olymp. Deswegen brauchte man auch Mittler, die die Kommunikation zwischen diesem entfernten entrückten Gott und dem einfachen unbedeutenden Menschen erledigte. Deswegen konnte man auch einen "Stellvertreter Gottes" begründen. Heute hingegen wird seine Menschlichkeit so ausschließlich betont, dass dabei suggeriert wird, dass er zwar ein guter netter Mensch war, vielleicht vorbildlich, aber eben nur ein unwichtiger historischer Mensch, und Nichts weiter. Kann man in die Geschichtsbücher packen und abhaken.

Gerade zur Zeit feiern wir Ostern. Und Ostermontag (in 3 Tagen) feiern wir den Tag, an dem Christus von den Toten auferstand. Welcher Mensch hat je den Tod besiegt? Jesus hat. Denn er ist nicht nur ganz und gar Mensch, er ist auch ganz und gar Gott. Er ist weder das, was uns die Kirche seit 2000 Jahren verkauft, noch das, was die moderne Wissenschaft uns heute verkauft. Die Kirche handelte 2000 Jahre lang nur in ihrem eigenen Interesse anstatt im Interesse Gottes. Die Wissenschaft von heute handelt ebenfalls nur in ihrem eigenen Interesse. Und dieses Interesse ist nun mal, den Wissenschaftler an die Stelle Gottes zu setzen. Heute wie damals wird uns das verkauft als "im Interesse der Menschen". Heute wie damals sprengt dieser Jesus Christus die kleinlichen Machtspielchen der Menschen. Jesus ist der, dem wir vertrauen können, nicht der Papst oder der Wissenschaftler.


1 Kommentare

  1. Sa 23. Apr 19:25:18 CEST 2011

    Kleine Korrektur (Hat mir Frank gerade gemailt):

    Jakobus, der Halbbruder Jesu, war einer der führenden Personen in der neuentstandenen Gemeinde in Jerusalem, aber er gehörte nicht zu den 12 Jüngern. Er hatte seinen "großen Bruder" erst nach der Auferstehung verstanden und ist ein Nachfolger Jesu geworden. Vorher finden wir ihn und die anderen Brüder in Stellen, wie: Markus 3,31 (wo die Mutter Jesu und seine Geschwister versuchen ihn zurückzuholen...) oder Johannes 7 (wo seine Brüder Jesus drängen wollen nach Jerusalem zum Fest zu gehen und sich seinen Anhängern öffentlich als Messias zu präsentieren...).

    Übrigens in Markus 6,3 ist eine Auflistung der Namen seiner "kleinen Brüder". Man nimmt an, dass der dort erwähnte Judas der Schreiber des Judasbriefes im NT ist. Und der Jakobusbrief im NT ist von dem erwähnten Bruder Jakobus.