Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Kahlschlag

Thu, 30 Jun 2011 11:03:38 +0200

Ich habe gerade eine Mail erhalten, deren Text ich hier einfach mal weiter leite.

Der Amazonas-Regenwald ist in Gefahr. Der brasilianische Kongress hat gerade die strengen Regenwald-Schutzgesetze aufgeweicht, und nun werden mutige Aktivisten ermordet, weil sie ihre Meinung sagen. Es wird Zeit, dass wir in aller Welt Alarm schlagen und diese wichtige globale Ressource retten. Wenn wir Präsidentin Dilma dazu auffordern, ihr Veto gegen die Gesetzesvorlage einzulegen, können wir den Amazonas retten.

der Amazonas ist in großer Gefahr, das Unterhaus des brasilianischen Kongresses hat einer Aushöhlung von Brasiliens Waldschutz-Gesetzen zugestimmt. Wenn wir nicht handeln, könnten riesige Gebiete der Lunge des Planeten einer Verwüstung durch radikalen Kahlschlag zum Opfer fallen.

Dieser Vorstoß hat im Land vielerorts Zorn und Proteste hervorgerufen. Und die Spannung steigt – in den vergangenen Wochen wurde mehrere bekannte Umweltschützer ermordet, wie man sagt durch von illegalen Holzfällern gedungenen bewaffneten Schlägern. Die Zeit drängt, sie werden versuchen, die Kritiker zum Schweigen zu bringen, während das Gesetz im Senat diskutiert wird. Doch Präsidentin Dilma kann ihr Veto gegen die Änderungen einlegen, wenn wir sie davon überzeugen können, den politischen Druck zu überwinden und als Wortführerin die Weltbühne zu betreten.

79% der Brasilianer unterstützen Dilmas Veto gegen eine Änderung der Waldschutz-Gesetze, doch deren Stimmen werden von der Lobby der Holzindustrie bekämpft. Es liegt nun an jedem Einzelnen von uns, den Einsatz zu erhöhen und den Schutz des Amazonasgebiets zu einem globalen Anliegen zu machen. Versammeln wir uns zu einem gigantischen Aufruf, die Morde und das illegale Fällen von Bäumen zu beenden und das Amazonasgebiet zu retten. Unterzeichnen Sie die Petition – sie wird an Dilma übergeben, sobald wir 500.000 Unterschriften gesammelt haben. 


Die Menschen lieben Brasilien! Die Sonne, die Musik, Tanz, Fußball und die Natur – es ist ein Land, das Millionen in aller Welt inspiriert. Das ist der Grund, weshalb die nächste Weltmeisterschaft in Brasilien stattfindet, weshalb Rio die Olympiade 2016 ausrichtet und weshalb der Erdgipfel, eine Konferenz, um das langsame Sterben unseres Planeten zu beenden, im kommenden Jahr in Brasilien stattfindet.

Unsere Liebe ist nicht fehl am Platz – der Amazonas ist entscheidend für das Leben auf der Erde – 20% unseres Sauerstoffs und 60% unseres Frischwassers kommen aus diesem herrlichen Regenwald. Deshalb ist es so wichtig, dass wir alle zusammenstehen, um ihn zu schützen.


Doch Brasilien ist auch ein Land, das sich rasend schnell entwickelt, das darum kämpft, mehrere zehn Millionen Menschen aus der Armut zu holen. Und der Druck auf die Politiker, aus finanziellen Gründen einen Kahlschlag und Abbau zuzulassen, ist enorm. Deshalb sind sie gefährlich nahe daran, Umweltschutzbestimmungen über den Haufen zu werfen. Einheimische Aktivisten werden ermordet, eingeschüchtert und zum Schwiegen gebracht. Es liegt an den Avaaz-Mitgliedern aus aller Welt, den Brasilianern zur Seite zu stehen, und die brasilianischen Politiker dazu zu drängen, stark zu sein.

Viele von uns haben es im eigenen Land gesehen, wie oft Wachstum auf Kosten unseres Naturerbes geht, wie unser Wasser und unsere Luft verschmutzt werden und unsere Wälder sterben.

Für Brasilien gibt es eine Alternative. Dilmas Vorgänger hat die Entwaldung massiv eingeschränkt und den internationalen Ruf des Landes als Führer beim Umweltschutz – bei gleichzeitigem großen Wirtschaftswachstum – gefestigt. Versammeln wir und drängen Dilma, in dessen Fußstapfen zu treten – unterzeichnen Sie die Petition zur Rettung des Amazonasgebiets.

In den letzten 3 Jahren haben brasilianische Avaaz-Mitglieder Riesenschritte unternommen und außergewöhnliche Kampagnen organisiert, in Richtung einer Welt, wie wir sie alle wollen: Sie haben Zeichen gesetzt mit Anti-Korruptions-Gesetzen, sie haben ihre Regierung unterstützt, eine Schlüsselrolle bei den Vereinten Nationen zu spielen, die Menschenrechte zu schützen, und einzugreifen, um die Demokratie in Nahost zu unterstützen und die Menschenrechte in Afrika und darüber hinaus zu schützen.

Jetzt, wo mutige brasilianische Aktivisten ermordet werden, weil sie eine wichtige globale Ressource schützen, müssen wir zusammenstehen und eine internationale Bewegung aufbauen, um das Amazonasgebiet zu schützen und Brasilien einmal mehr als wahres und international führendes Leitbild ausrufen. Bitte unterzeichnen Sie die Petition.

Meine eigene Einschätzung dazu: Es wäre schön, wenn man Etwas dagegen tun könnte. Aber wir haben hier unsere Resourcen vernichtet, da hier nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch jetzt immer noch Erfolg in Profit gemessen wird. In unserer Ellenbogengesellschaft zählt nur der Erfolg in Form von Profit. Alles Andere sind Träumereien von lebensuntüchtigen Idealisten. Warum also sollten die Brasilianer anders sein? Wir haben ihnen doch Jahrzehnte lang vorgemacht, wie es "richtig" sein soll. Und jetzt wundern wir uns?

Es wird so kommen, dass Lebensmittel, Wasser, ja sogar Sauerstoff, zu einer teuren und seltenen Resource werden. Damit lässt sich Profit machen. Der Sinn unserer Gesellschaft ist es nicht, dafür zu sorgen, dass es möglichst Allen gut geht, sondern, den Mangel möglichst profitabel so zu verwalten, dass nur ein paar Wenige im Luxus leben, die Mehrheit hingegen Kriege um das Wenige, was übrig ist, führen. Nicht das Wohlergehen der Mehrheit ist das Ziel unserer Gesellschaft, sondern die Maximierung des Profits.

Übrigens, es mag zwar sein, dass 20% des Sauerstoffs aus den Regenwäldern kommen. Fast die gesamten restlichen 80% kommen aus den Tangwäldern der Ozeane. Und diese werden seit Langem systematisch vergiftet. Die Tierwelt ist bereits um 90% reduziert. Hauptsächlich durch eine Kombination aus Überfischung und Plastikmüll. Ohne die regulierende Funktion der Tiere werden die Ozeane irgendwann kippen und keinen Sauerstoff, sondern nur noch stinkende Giftgase produzieren. Vermutlich wird man dann Sauerstoff in Flaschen zu kaufen bekommen. Industriell hergestellt. Profitmaximierung eben. Schließlich geht es nicht, dass jeder Mensch die Grundlage seines Lebens einfach so umsonst bekommt, ohne dass er dafür bezahlen muss. Wo kämen wir denn da hin?


0 Kommentare