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Löschen statt sperren

Fri, 27 May 2011 09:41:28 +0200

Löschen statt sperren. Darauf hat sich unsere Regierung geeinigt (resp. durch massiven Druck einigen lassen). Aber anscheinend sind das nur Lippenbekenntnisse. Diesmal geht es nicht um Kinderpornographie, sondern um Glücksspiele im Internet im Ausland.

Es ist so, dass man mit fast 100% Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass diese Glücksspiele ausschließlich dem Betreiber Glück in Form von reichlich Geld bringen. Für den Rest der Menschheit sind diese Glücksspiele einfach nur reine Abzocke. Nun ist es natürlich so, dass diese Glücksspiele in, sagen wir mal, Monaco, nicht einfach durch deutsche Gesetze zu verbieten sind, und auch nicht durch deutsche Polizei schließbar sind. Das wäre immer noch die Aufgabe der Behörden vor Ort. Oft oder in der Regel sollte es so sein, dass ein entsprechendes Amtshilfeersuchen prompt und schnell erledigt wird, und die entsprechende Seite vom Netz genommen wird. Löschen statt sperren sollte also auch hier in den meisten Fällen ausreichen.

Es gibt aber noch einen viel einfacheren und gründlicheren Weg. Solche Glücksspiele könnten einfach als illegal deklariert werden, mit der Folge, dass jedwede Forderungen seitens der Betreiber illegal und damit nichtig sind. Etwas Aufklärung dazu, und die Betreiber solcher Glücksspiele werden schon von sich aus deutschen "Glücksspielern" das Mitmachen unmöglich machen, schon aus eigenem Interesse. Denn wenn deutsche Spieler dort zwar kassieren dürfen, aber dem Betreiber, sobald es um die Abzocke geht, einfach den Stinkefinger zeigen können, dürfte es kaum noch im Interesse des Betreibers sein, seine Betrügereien fortzusetzen.

Das jedenfalls wäre im Interesse der Bevölkerung. Und es würde nach wie vor verhindern, dass der Staat seine Überwachungs- und Gängelungswerkzeuge weiter ausbaut. Mit ein Bisschen Nachdenken findet man Wege, die Bürger zu schützen, ohne sie von vorn bis hinten zu kontrollieren. Und wer dann trotzdem noch bei solchen Glücksspielen mitmacht, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Wer weiss, vielleicht bietet ja demnächst einer der großen Versicherer eine Versicherung gegen Dummheit an.

Ich bin kürzlich selber Opfer eines solchen Glücksspielanbieters geworden. Allerdings, ohne an einem Glücksspiel teilgenommen zu haben. Es wurde einfach behauptet, ich hätte teilgenommen, und man stellte eine Rechnung von über 100€. Einfach so. Ich ließ durch einen Rechtsanwalt Widerspruch einlegen. Der Rechtsanwalt kannte das schon. Anscheinend geht es Anderen genau so. Nun ja, ich bekam noch eine Mahnung, die wieder zum Rechtsanwalt ging, danach kam Nichts mehr. Der Glücksspielbetreiber saß irgendwo im Ausland, die Mahnungen kamen von einem Inkassobüro hier in Deutschland. Nach Allem, was ich herausgefunden habe, scheint der Glücksspielbetreiber entweder am Inkassounternehmen beteiligt zu sein oder sogar der Eigentümer dieses Inkassobüros zu sein. Mit einem schlichten Gesetz, das besagt, dass solche Forderungen per se illegal und damit nichtig sind, hätte man sich viel Aufregung sparen können. Ich hätte die Mahnungen schlicht ignorieren können. Und ein Inkassobüro, das bei mir vor der Tür antanzt und Geld eintreiben will, macht sich strafbar und Bekanntschaft mit der Polizei.

Ach ja, und ich bekomme natürlich immer wieder mal e-mail mit dem Inhalt, ich hätte in irgendeiner, meist spanischen, Lotterie gewonnen. Das landet bei mir gleich im Spam-Ordner. Genau so, wie diese "legendären" e-mails, wo ein weitläufig Verwandter irgendeines afrikanischen ex-Potentaten plötzlich einen Haufen Geld hat, und der nun etwas von meinem Geld bräuchte, um da ran zu kommen. Und ich sollte davon natürlich ein paar Millionen abbekommen. Das Prinzip ist das Gleiche. Und das Ziel auch: Der Spam-Ordner.

Jedenfalls hätte in dem Fall eine Sperrung dieser (welcher?) Glücksspielseite gar Nichts gebracht, denn ich habe diese Seite nie besucht. Aber möglicherweise hätte eine solche Sperre mich bei meinen Recherchen nach dem Betrüger behindert.


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