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Nerdine

Sun, 06 Nov 2011 13:04:13 +0100

Zickenalarm bei Freitag.de? Oder ist da mehr dran. Über einen Artikel bei Netzpolitik bin ich auf das Interview mit Julia Schramm gestoßen. Sie plaudert dabei über Teile ihrer Doktorarbeit, sowie über die Probleme, die die Nerds im allgemeinen und die Piraten im Besonderen mit den Nerdinen und Piratinnen oder dem Feminismus im allgemeinen haben. Das Interview ist recht provokant. Das mag Absicht sein, um Aufmrksamkeit für die Thesen zu bekommen.

Ich habe bei Netzpolitik ganz kurz kommentiert. Vielleicht etwas zu kurz. Deswegen hier etwas ausführlicher.

Eigentlich kämpfen sie für das gleiche. Nämlich für die Emanzipation und Entdiskriminierung des Einzelnen bei Beibehaltung aller individuellen Merkmale, die sich mensch selber zuschreiben möchte. (Für diejenigen, die das Wort Feminismus doof finden, habe ich da einen neuen Begriff erfunden: Equalismus)

Diesen Nachsatz in Klammern habe ich als Aufhänger für meine Antwort verwendet:

Ich find Feminismus doof. Der Equalismus schrammt bei mir aber auch knapp an der doof-Grenze vorbei. Ich bleibe lieber beim Individualismus. Da kann ich meine Pickel behalten, und Julia Ihre.

Und hier folgt nun die Auflösung des Rätsels. Diese Art von Feminismus, die in dem Interview dargestellt wird, finde ich in der Tat doof. Zwar hat sie in dem obigen Zitat absolut Recht, aber an anderen Stellen ist mir das Alles viel zu provokant und hat Nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Auch der von ihr ersatzweise angebotene Begriff Equalismus gefällt mir gar nicht. Das Alles liest sich für mich viel zu sehr nach Gleichmacherei um jeden Preis. Dabei ist Gleichmacherei nicht nur unmöglich, ich will auch selbst nicht gleich gemacht werden. Ich bin und bleibe ein Individuum, mit allen meinen Merkmalen, seien es nun Stärken oder Schwächen. Und ich bin zufrieden damit. Von einer gewissen Sorte Feministinnen wird es mir vermutlich als sexistisch angekreidet, dass ich zufrieden damit bin, einen Penis und keine Vagina zu haben. Diese Art von Feminismus finde ich sehr doof. Und zwar in beiden Bedeutungen dieser Aussage.

Und selbst, wenn man den Begriff Equalismus bewusst beschränkt aud die Gleichberechtigung, hält dieser Begriff nicht, was er verspricht. Grundsätzlich ist eine Gleichberechtigung wünschens- und erstrebenswert. Aber diese Gleichberechtigung hat Grenzen. So, wie ich noch so sehr im Rahmen meiner Gleichberechtigung das Recht, selber Kinder zu gebären einfordern könnte, so sehr wäre das Blödsinn. Und genauso, wie sich aus körperlichen Unterschieden unterschiedliche "Rechte" ergeben, so sollten sich aus unterschiedlichen Fähigkeiten unterschiedliche Aufgaben ergeben. Einen Mann mit einer Aufgabe zu betrauen statt einer Frau hat Nichts mit Sexismus zu tun, wenn der Mann besser qualifiziert ist. Umgekehrt genauso. Quoten fügen nicht Recht, sondern Unrecht hinzu.

Aber es geht noch schlimmer. Wenn man als Nerd so Dinge wie Frauenquote, Frauenbeauftragte, Frauenministerium oder Dergleichen ablehnt, dann wird man von Frau Schramm als pickeliger Nerd abqualifiziert, der schon immer Probleme mit den Frauen hatte und schon in der Schule nur mit starken Frauen zu tun hatte, die ihn natürlich unterdrückt haben. Abgesehen davon, dass das totaler Blödsinn ist, wieso setzt sie starke Frauen mit Unterdrückung der Männer gleich? Egal, ob das nun Wunschdenken ist, oder ihre Sicht der tatsächlichen Gegebenheiten, dieser Gedanke ist einfach nur traurig. Stärke beweist sich nicht durch Unterdrückung des Anderen, sondern durch Förderung und Respekt. Nur ein schwacher Charakter ist darauf angewiesen, seine Schwächen weniger schwach erscheinen zu lassen, indem er Andere als noch schwächer präsentiert. Ein starker Charakter hat so Etwas nicht nötig. Nicht umsonst heisst es in einem Sprichwort, dass hinter jedem großen Mann eine starke Frau steht. Heute könnte das genauso auch umgekehrt gelten.

Ich beobachte das in den Medien seit geraumer Zeit. Besonders extrem zeigt sich das in der Werbung. Da werden die Frauen als die so gut wie perfekten Menschen dargestellt, und Männer als lächerliche, nervige oder einfach nur doofe und lästige Anhängsel. Frau macht am Besten kurzen Prozess. Und wir beginnen, zu glauben, was uns die Werbung vorbetet. Kein Mann ist in der Lage, einer Frau das Gleiche zu bieten wie eine viel zu kleine Kekskugel. Und nur darum geht es, denn die Frau steht im Zentrum des Universums. Und was diesem Zentrum nicht dient, wird kurzerhand unterdrückt oder gleich eliminiert. Und wer als Mann dagegen aufmuckt, ist ein Sexist, Chauvinist und ewig-gestriger. Ein Unterdrücker der Frauen, der selber unterdrückt gehört.

Da finde ich die biblische Sicht doch um Längen besser. Da wird über die Frau gesagt, ihr Platz sei an seiner Seite. Nicht, wie im Islam, unter seinen Füßen, und nicht, wie es die Feministinnen fordern, über ihm, sondern an seiner Seite. Das geht übrigens nur dann, wenn auch sein Platz an ihrer Seite ist. Nur so, Seite an Seite, nicht durch gegenseitige Unterdrückung, sondern durch gegenseitigen Respekt und gegenseitige Förderung funktioniert das Zusammenleben. Nicht, indem man die Schwächen des Anderen lächerlich macht und ihn oder sie abqualifiziert, sondern indem man die Schwächen des Anderen durch eigene Stärken ausgleicht. Auch Frauen haben Schwächen. Schwächen, die Männer gut ausgleichen können. Was sollte daran falsch sein? Männer haben andere Schwächen. Schwächen, die Frauen sehr gut ausgleichen können. Was soltle daran falsch sein? Wir sind nicht dazu da, uns das Leben gegenseitig schwer zu machen, sondern uns gegenseitig das Leben zu erleichtern, und damit ein Zusammenleben mit gegenseitigem Gewinn zu ermöglichen.

Diese "Rollenverteilung" einmal angewandt, müsste es eigentlich die primäre Aufgabe der Feministinnen sein, die Männer zu befreien, und die primäre Aufgabe der Maskulinisten müsste es sein, die Frauen zu befreien. Aber davon sind wir wohl, leider auf beiden Seiten, sehr sehr weit entfernt. Man stelle sich nur einmal vor, eine Julia Schramm würde ihre Fähigkeiten dafür einsetzen, dass die Nerds in ihrer Partei ihre Arbeit unbehelligt von den giftigen Attacken aus anderen Parteien und/oder der Presse durchführen könnten? Ich glaube, diese Fähigkeit hätte sie. Stattdessen geht sie davon aus, dass sie als Frau zu kurz kommt, und kämpft dagegen an, und bürdet damit den Nerds, die damit wahrscheinlich gar nicht umgehen können, zusätzliche Lasten auf.

Zusammengefasst: Ich finde diesen real existierenden Feminismus doof. Der Equalismus macht nur dann Sinn, wenn er auf die Gleichberechtigung eingeschränkt wird, und auch da nur mit gewissen Einschränkungen. Und der Individualismus macht dann Sinn, wenn wir vor Allem den Individualismus des Anderen respektieren. Ganz ähnlich, wie das mal Jemand über die Freiheit sagte: Die Freiheit ist vor Allem die Freiheit des Anderen. Genau so, und nicht anders.


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