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Stallman eckt an

Tue, 11 Oct 2011 16:19:13 +0200

Eine provokante Aussage Stallmans sorgt derzeit für Aufregung:

Steve Jobs, der Pionier, der Computer zu einem coolen Gefängnis gemacht hat, um Narren von ihrer Freiheit zu trennen, ist gestorben. Und wie der Chicagoer Bürgermeister über den korrupten Vorgänger Daley sagte: 'Ich freue mich nicht darüber, dass er tot ist, aber ich bin froh, dass er weg ist.

So ganz falsch ist das nicht. Dennoch sind in diesem Gedankengang Fehler drin. So mag es sein, dass Jobs Computer zu einem coolen Gefängnis gemacht hat. Aber mal ehrlich: Wollen die Meisten nicht genau so Etwas? Leben wir nicht letztendlich Alle in irgendeiner Art von Gefängnis und besteht unsere Freiheit nicht gerade mal darin, uns das Gefängnis aussuchen zu können? Warum muss ein Computernutzer unbedingt dieses Gerät bis zum letzten Bit und bis zur letzten Diode kennen? Er muss noch nicht einmal die Bedienungsoberfläche komplett kennen. Er muss nur genau das damit machen können, was er möchte. Und viele möchten gar nicht mehr damit machen, als ihnen von den Herstellern angeboten wird. Mit meinem Handy will ich nur telefonieren. Die Kamera daran nutze ich gar nicht. Und debuggen will ich das Gerät schon gleich gar nicht. Bin ich deshalb unfrei? Und, und hier kommt der zweite Fehler, bin ich deshalb ein Narr?

Menschen, die anders sind, anders denken und andere Ansprüche haben, als Narren zu bezeichnen, ist überheblich und zeugt eher von der eigenen Dummheit. Mag ja sein, dass ihm solche Dinge wichtig sind. Und ich finde es gut, dass es Menschen gibt, denen solche Dinge wichtig sind. Wie der Vorfall mit dem Bundestrojaner und dem CCC gezeigt hat, brauchen wir solche Menschen. Aber deshalb müssen doch nicht Alle so sein.

Jobs hat ein Bedürfnis erkannt, hat es bedient und dadurch ausgebaut. Was ist daran falsch? Stallman stellt sich erst mal bei Allem quer. Was sollte daran falsch sein? Er hat dazu das gleiche Recht wie Jobs zu seinem Verhalten. Wir brauchen beide Arten (und noch viel mehr).

Und die subtile Verbindung von Jobs zu einem korrupten Bürgermeister ist unfein. Und vermutlich falsch.


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