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Temperament

Thu, 12 May 2011 17:26:24 +0200

Zur Zeit nehme ich im Rahmen meines Studiums an einer Vorlesung zum Thema "Kommunikation und wissenschaftliches Schreiben" teil. Letzten Montag ging es um die 4-Temperamente Lehre. Ich habe so den Eindruck, dass die dort verwendeten Temperamentsbegriffe – , , und nicht so richtig klar geworden sind. Mit Phlegma wird z.B. einfach nur Passivität und Faulheit verbunden, und mit Melancholie nur Trauer oder Traurigkeit. Das ist so ganz und gar nicht richtig.

Auch die bei Wikipedia vorgenommene Zuordnung dieser vier Temperamente zu den 4 Aposteln ist so nicht richtig. Mal davon abgesehen, dass so gut wie kein Mensch nur einem dieser vier Typen zuzuordnen ist, so wäre die Zuordnung dieser 4 Aposteln am ehesten so:

Johannes
Melancholiker
Petrus
Sanguiniker
Paulus
Choleriker
Markus
Phlegmatiker

Melancholiker

Melancholiker sind Diejenigen, die zu viel grübeln und die Last der ganzen Welt auf ihren Schultern tragen. Das kann durchaus auch zu Traurigkeit führen. Kein Wunder bei dieser real existierenden Welt. Aber Melancholiker sind vor Allem ernst, tiefschürfend, eher introvertiert und still. Melancholie kann im Extremfall durchaus zu Depressionen führen, einfach, weil der Melancholiker von Natur aus Dinge bedenkt, die jemand Anderem gar nicht auffallen würden. Das hat auch Nichts mit emotionaler Instabilität zu tun, wie Eysenck behauptet. Im Gegenteil, jede dieser 4 Ausprägungen ist emotional sehr stabil, bis auf den Sanguiniker, der sich durch häufige und extreme emotionale Wechsel auszeichnet. Eine Depression ist aber nicht zwangsläufig das Ende eines Melancholikers. Oft sind alte weise Menschen Melancholiker, die gerade durch ihr tiefes umfangreiches Nachdenken zu Toleranz und Abgeklärtheit gekommen sind.

Choleriker

Choleriker sind nicht notwendigerweise jähzornig oder laut, wie oft angenommen wird. Choleriker sind zielstrebig, halten eisern durch, haben ununstößliche Prinzipien, und können auf ihrem Weg auch schon mal laut oder aggressiv werden. Einem Choleriker geht das Ziel über Alles. Manche gehen dafür über Leichen. Choleriker können aufgrund ihrer felsenfesten Verbundenheit mit ihren Prinzipien sehr gut zwischen Richtig und Falsch unterscheiden. Sie sind nicht unbedingt schnell in ihren Reaktionen, aber konsequent bis hart.

Phlegmatiker

Den Phlegmatiker haut so leicht Nichts aus der Bahn. Der Phlegmatiker ist der geborene Optimist, der Allem eine gute Seite abgewinnen kann. Ein Musterbeispiel für einen Phlegmatiker ist Balu, der Bär aus dem Buch "Das Dschungelbuch". Sein "probier's mal mit Gemütlichkeit" bringt es auf den Punkt. Träge wirkt der Phlegmatiker dadurch, dass er sich auch durch Katastrophen nicht von seinem Optimismus abbringen lässt. Emotional gibt es kaum etwas Stabileres als den Phlegmatiker.

Sanguiniker

Sanguiniker sind leicht erregbar. Das bedeutet auch, dass sie z.B. leicht zu begeistern sind. Einen Sanguiniker muss man nicht lange überzeugen, er springt praktisch sofort an. Leider kann die Begeisterung bei einem Sanguiniker auch ganz schnell ins Gegenteil umschlagen. Ein Sanguiniker lebt einfach seine momentanen Gefühle hier und jetzt voll aus. Das dürfte am ehesten dem entsprechen, was man landläufig unter Temperament versteht.


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