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Urheberrechtsverletzung

Sat, 04 Jun 2011 15:32:27 +0200

Jeder, der das Internet aktiv nutzt und Medienkompetenz zeigt, begeht die ganze Zeit Urheberrechtsverletzungen.

Etwas provozierend, diese These, aber durchaus richtig. Rein technisch gesehen begehen wir bereits dann eine Urheberrechtsverletzung, wenn wir uns eine Webseite nur ansehen. Denn wir sehen nicht das Original an, das liegt ja auf dem Server, sondern wir sehen eine Kopie an. Und diese Kopie muss erst mal erstellt werden. In dem Moment, wo wir eine Urheberrechtsgeschützte Seite kopieren (um sie uns anzusehen), haben wir, technisch gesehen, bereits eine Urheberrechtsverletzung begangen.

Und es kommt noch schlimmer: Der Browser speichert diese illegal kopierte Seite auch noch! Und zwar in seinem Browser-Cache. Auf unserer Festplatte liegt also nach dem Ansehen der Seite eine Zeit lang eine illegale Kopie der Seite herum.

Die Beispiele, die Telemedicus dazu bringt, sind deshalb nicht falsch. Im Gegenteil. Aber wer versucht, die verschrobenen Gedankengänge der Juristen wenigstens so einigermaßen nachzuvollziehen, wird diese Beispiele immerhin noch nachvollziehen können. Aber dass im Grunde das gesamte Internet eine einzige große Urheberrechtsverletzung ist, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Hier kann man sehen, wie absurd die Anwendung eines Gesetzes ist, das vor langer Zeit für Printmedien eingeführt wurde. Wenn ich Informationen in Buchform bekomme, dann erwerbe ich dieses Buch physisch. Zwar erwerbe ich damit noch immer nicht das Recht, mit dem Inhalt zu machen, was ich will, aber ich habe ein Original, das ich bezahlt habe, und ich habe dieses original physisch vorliegen und kann in diesem original lesen. Bei Webresourcen ist überhaupt Nichts physisch. Wenn wir eine Webseite lesen wollen, gehen wir nicht nach Karlsruhe zu 1und1 und bitten den Admin, uns mal die Festplatte mit der Seite zur Verfügung zu stellen. Auch werden von diesen Webseiten weder von 1und1 oder Strato oder Hetzner oder wie sie alle heißen, Kopien angefertigt auf einen physischen Datenträger (Papier, USB-Stick, SD-Card oder dergleichen), noch werden solche Kopien über den Buchhandel verkauft. Stattdessen kopiert der Server automatisch die Seite bei jeder einzelnen Browseranfrage und stellt dem Browser diese Kopie zur Verfügung. Der Provider, der den Server betreibt, ist also der Kriminelle, der die Kopie illegal anfertigt, und der Nutzer, der sich die Seite ansieht, ist der Hehler, der die illegalen Kopien nutzt.

Irrsinn? Richtig getippt.


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