Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Weiter so

Thu, 02 Jun 2011 08:44:22 +0200

Warum sind so viele Kulturen und Zivilisationen untergegangen? Was früher eine große Frage war, ist inzwischen recht gut erforscht. Besonders deutlich werden die Ursachen, wenn man sich die untergegangenen Zivilisationen in Nord- und Mittelamerika ansieht. Nicht die, die von den weißen Eroberern vernichtet wurden, sondern die, die vorher schon zugrunde gingen.

Wie man inzwischen weiss, sind diese Zivilisationen an Resourcenmangel zugrunde gegangen. Dabei hat sich herausgestellt, dass dieser Resourcenmangel gegen Ende der Zivilisation absehbar war. Aber eine menschliche Gesellschaft scheint i.d.R. nicht in der Lage zu sein, sich radikal zu ändern. Im Gegenteil, wenn es problematisch wird, dann macht man erst recht so weiter wie bisher. Wenn es nicht mehr reicht, dann macht man einfach mehr von dem, was man immer machte. Wenn die Felder dürr wurden und zu wenig Ertrag brachten, dann wurden eben mehr Wälder gerodet um mehr Felder zu bekommen. Das führte ziemlich abrupt zum totalen Zusammenbruch.

Und heute? Heute ist diese "Mehr" sogar zum Prinzip unserer Zivilisation geworden. Wirtschaftswachstum über Alles. Es reicht nicht, dass die Wirtschaft gut funktioniert, sie muss immer besser und vor Allem immer mehr werden. Wer nicht wächst, verschwindet vom Markt. Aber nicht nur die Wirtschaft will immer mehr, auch der ganz normale Bürger will immer mehr. Ständig muss Neues und Besseres angeschafft werden, das Alte, obwohl noch funktionsfähig, ist nicht mehr gut genug. Und auch hier ist der Resourcenmangel gegen Ende unserer Zivilisation abzusehen. Ändern wir unser Verhalten? Im Gegenteil, es wird immer noch mehr aus unserer Welt herausgequetscht. Nicht nur weiter wie bisher, sondern noch mehr wie bisher. Das Ende des Erdöls ist absehbar, aber es müssen immer noch mehr, noch größere und schnellere Autos verkauft werden. Sonst könnte die Automobilindustrie ja nicht wachsen. Die negativen Folgen der Atomkraft sind nicht mehr nur graue Theorie, die echten Auswirkungen sind seit Tschernobyl und Fukushima bekannt. Aber es wird weiter gemacht, wie bisher. Die Folgen der Finanzkrise sind bekannt. Diese entsteht dadurch, dass Geld aus dem Nichts geschaffen wird, das aber nur virtuelles Geld ist, ohne Produktion dahinter. Diese Blase wächst immer schneller, bis sie implodiert. Wir wissen das, aber wir machen weiter wie immer. Der Klimawandel ist inzwischen eine allgemein bekannte Tatsache, aber immer noch steigern wir unseren CO2 Ausstoß. Unsere Gesellschaft scheint unfähig zu sein, eine Alternative zum ständigen und maximalen Wachstum zu finden. Das Ende ist absehbar, aber obwohl wir die Betonwand, die unsere Autobahn versperrt, bereits sehen, drücken wir nicht auf die Bremse, sondern auf's Gaspedal.


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