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White-IT

Tue, 27 Dec 2011 12:48:53 +0100

ist eine Initiative des niedersächsischen Innenministeriums zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Die Idee ist gut gemeint, technisch jedoch, vorsichtig ausgedrückt, unausgegoren. Davon abgesehen verstehe ich allerdings viele der Kommentare nicht, die man dort zu dem Artikel findet.

Zunächst mal geht es darum, das Internet zu durchsuchen und möglichst automatisch KiPos zu finden. Daran kann ich nichts Schlechtes oder Verwerfliches finden. Nun ist dieser Verein nicht gerade die Polizei, deren Aufgabe dies eigentlich wäre. Aber aufmerksame Bürger, die der Polizei Hinweise geben, sind ja nichts Schlechtes. Jedenfalls, so lange es sich bei den gemeldeten Verstößen tatsächlich um Straftaten handelt, und so lange Daten, die überprüft wurden, und sich als nicht strafrechtlich relevant herausgestellt haben, auch wieder entfernt werden. Und natürlich müssen die hier zugrunde liegenden Gesetze mit den Menschenrechten vereinbar sein. Aufmerksame Bürger, die im Dritten Reich völlig gesetzeskonform Juden gemeldet haben, haben eben nicht Recht, sondern Unrecht getan. So Etwas darf nie wieder geschehen.

Gut, setzen wir also mal voraus, dass Jemand tatsächlich KiPos im Internet findet und diese der Polizei meldet. Das geht völlig in Ordnung. Und das hat vor Allem Nichts mit einer verdachtsunabhängigen Totalüberwachung der Bürger zu tun. Überwacht werden nur Daten, die öffentlich zugänglich sind. Wenn die Polizei das macht, ist das ganz normale Ermittlungsarbeit. Eine Grenze wäre hier allerdings zu ziehen, wenn es darum geht, den e-mail Verkehr oder das Surfverhalten unbescholtener Bürger zu überwachen. Das wäre den entscheidenden Schritt zu weit gegangen.

Technisch gesehen sind die Pläne jedoch Unsinn. Es wird eine Datenbank angelegt, die Prüfsummen von Bildern enthält, die als KiPos bekannt sind. Damit kann im Internet sehr einfach nach Kopien dieser Bilder gesucht werden. Nur reicht es schon, nur ein einziges Pixel in diesem Bild zu verändern, und schon passt die Prüfsumme nicht mehr. Solch ein Prüfsummenverfahren ist zwar einfach, aber damit werden nur die allerdümmsten Kinderschänder entdeckt. Bei so viel Dummheit muss man sich fragen, ob die verbleibende Intelligenz überhaupt noch ausreicht, um überhaupt solche Bilder im Internet zu finden. Ob die verbleibende Intelligenz ausreicht, um überhaupt einen Computer bedienen zu können. Da muss man sich dann fragen, ob diese Initiative nicht reine Augenwischerei ist. So nach dem Motto "wir tun doch was", und damit den eigentlichen Verbrechern sogar einen Schutz durch die Anwendung ungeeigneter Mittel zu gewähren. Das Verfahren mag als allererster Schritt nützlich sein, aber es ersetzt in keiner Weise ordentliche Ermittlungsarbeit. Und es darf auf keinen Fall als Feigenblatt dienen, um sich vor einer ordentlichen Lösung zu drücken.


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