Blogs versus Facebook

Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Blogs versus Facebook
  1. Blogs versus Facebook

    Einen hab ich doch noch. Beim Webmaster Friday gibt's ein interessantes Thema: Mein Content!? Social Media vs. Blog.

    Nun, ich bin seit Langem der festen Überzeugung, dass Blogs eigentlich das Zeug hätten, um sich heute sozial zu vernetzen. Eigentlich bräuchten wir weder Facebook noch Twitter. Eigentlich! Also, woran liegt es? Dazu habe ich schon so den einen oder anderen Gedanken sowie hier und da auch Lösungsansätze.

    Einer der Hauptgründe, warum Twitter und Facebook so erfolgreich sind, ist, dass man fast Nichts wirklich selber machen muss. Oft genug muss man gar Nichts machen, Vieles geht von ganz alleine. Selber machen ist nicht nur mit Arbeit verbunden, sondern auch mit Wissen. Wer sich ein eigenes Blog einrichten will, muss nicht nur wissen, dass es so Etwas gibt, er muss sich auch trauen, diese Software zu installieren und einzurichten. Der gemeine Durchschnittsnerd wird jetzt vielleicht einwenden, das sei doch Kinderkram. Ja, ist es. Aber nur für den gemeinen Durchschnittsnerd. Für Otto Normalverbraucher sind das oft genug unüberwindbare Hindernisse. Wirklich eigene Blogs haben immer noch diese Aura von Nerd-Wunderwerk und Elite-Medium. Hier kann eine Firma wie Facebook, die Alles fix-fertig anbietet, natürlich punkten.

    Das Selber-Machen betrifft aber nicht nur das Erstellen von Artikeln. Social Media lebt von der Vernetzung. Dazu bieten Blogs durch und ähnliche Mechanismen eigentlich optimale Voraussetzungen. Nur muss man auch das einrichten. Noch schlimmer ist die Spam-Abwehr. Hier haben Firmen mit einem ausgebildeten Technik-Personal natürlich ebenfalls die Nase vorn. Zwar bestünde auch für Blogs theoretisch die Möglichkeit einer zentralisierten Spam-Abwehr, aber es gibt kaum (wirtschaftliche) Interessen, solch ein System zu erstellen. Und das, was es gibt (z.B. Captchas) sind ein ziemlicher Murks.

    Selbst das Einrichten eines eigenen Webspaces verursacht Aufwand. Ich muss einen Vertrag mit einem Provider abschließen (auch, wenn ich kein Jurist bin), und ich muss Wege finden, wie ich die Webseite dort hinbekomme. Für den Durchschnittsnerd Alles kein Problem, das macht der im Schlaf. Für Otto Normalverbraucher aber oft ein zu großes Problem.

    Blogs leben von reichlich viel Eigeninitiative und Wissen der Betreiber. Dies kann man definitiv nicht von der Mehrheit der Internetnutzer erwarten. Und so lange das so bleibt, liegt das Wohl und Wehe unserer sozialen Interaktion bei einer US-Amerikanischen Firma. Ich mag das so wenig prickelnd finden, wie ich will, das sind die Tatsachen.

    Was die Lösungsansätze angeht: Eine komplette Installation und Konfiguration muss mit ein paar Klicks auf einer Webseite zu bewerkstelligen sein. Das erspart dem Blogger zwar immer noch nicht den Vertragsabschluss mit dem Provider, aber es wäre ein Anfang. Danach müsste die gegenseitige Verlinkung so automatisch wie möglich erfolgen. Blogs sind nicht das Gleiche wie Foren. Hauptzweck eines Blogbeitrages ist es eigentlich nicht, möglichst viele Kommentare zu erhalten, sondern viel Feedback durch andere Blogartikel. ist dazu eine funktionierende, aber nicht optimale Technik. Nach der originalen Spezifikation ist es durch eine Schwäche in eben dieser Spezifikation sehr schwer, den eigentlichen Beitrag aus den XML-RPC Daten indirekt zu extrahieren. Der Server ist gezwungen, die dort benannte Quell-URI zu parsen. Dabei handelt es sich i.d.R. um ein HTML-Dokument. Und da semantisches Markup ja so verbreitet ist…

    Ich habe mal vor längerer Zeit nach Rücksprache mit Ian Hickson eine leicht überarbeitete Version dieser Spezifikation online gestellt. Diese würde es erlauben, alternativ auch statt der HTML-Version eines Artikels die RSS-Version zu laden. Diese wäre eindeutig und leicht parsbar, und der verlinkte Artikel stünde in voller Pracht zur Verfügung. Dabei würde zum bestehenden lediglich die altbewährte Technik des content-negotiation optional hinzugefügt werden. Das Problem dabei: Keine Sau interesiert's.

    Wie wäre es z.B., wenn ich einen Blog-Artikel kommentiere, wenn das Blogsystem dort automatisch erkennen würde, dass ich ein eigenes Blog habe, und meinen Kommentar eben dort einstellt, und im Kommentarbereich auf eben dort verlinkt?

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