Neid

Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Neid
  1. Neid

    Über Textkrieg bin ich auf eine Reihe von sehr schönen Texten über ein sehr unschönes Thema gestoßen: Neid. Über Neid im Allgemeinen will ich mich hier gar nicht auslassen, das hat Silenttiffy schon sehr umfangreich getan. Aber ich versuche mal, meine persönliche Position dazu schriftlich zu fassen.

    Dieses Blog hier ist ein kleines privates Blog. Hier schreibe ich meine ganz privaten Gedanken auf. Es ist also das, was ein Blog ursprünglich mal war: Ein persönliches Tagebuch im Web. Eines ist dieses Blog nicht: Erfolgreich. Es wird von einer handvoll netter Menschen gelesen, von denen ich die Meisten persönlich kenne. Was ich schreibe, taucht nicht bei Rivva auf, nicht bei Netzpolitik und nicht bei SpOn. Auch ein Sascha Lobo, seines Zeichens erfolgreicher Blogger, wird vermutlich kaum von meiner Existenz Etwas wissen. Bin ich neidisch?

    Nein. Nicht mehr. Gut, ich gebe zu, das war ein Lernprozess. Dieser Lernprozess hat eine Weile gedauert. Aber eine nüchterne Analyse hat sich schließlich durchgesetzt. Erfolg kann man anhand verschiedener Kriterien messen. Jedenfalls vordergründig betrachtet. Geht man den Dingen auf den Grund, bleibt eigentlich nur eine Motivation und eine Messlatte übrig: Liebe. Jeder will geliebt werden. Wer geliebt wird, ist erfolgreich. Im Grunde hat das Silenttiffy auch schon so formuliert, vielleicht nicht ganz so krass auf den Punkt gebracht. Nur: Wird ein Sascha Lobo (seines Zeichens …) geliebt? Wenn ich die Kommentare so lese, scheint es eher so zu sein, dass er gehasst wird. Er wird beneidet um seine Position "da oben", und aus Neid angefeindet. Kann so Etwas mein Ziel sein? Ganz sicher nicht.

    Da damit erst einmal die Luft raus ist aus meinem Neid, kommt noch ein anderer Aspekt zum Vorschein. Eine Position "da oben" (was auch immer das heissen mag) ist mit Verantwortung und vor Allem mit sehr viel Arbeit verbunden. Na dann schauen wir mal: Was ist denn meine liebste Tätigkeit? Nun, am liebsten würde ich im Garten im Schaukelstuhl sitzen, mit einer guten Tasse Tee, und den Vögeln zuhören und den Schmetterlingen zusehen. Mit dieser Art von "Arbeit" werde ich ganz bestimmt keine Karriere machen. Angenommen, ich wollte Karriere machen, was könnte der Grund dafür sein? Um geliebt zu werden? Wohl eher nicht. Anstatt geliebt zu werden wird man nur beneidet. Um irgendwann die Möglichkeit zu haben, im Garten im Schaukelstuhl zu sitzen? Diese Vorgehensweise hat schon was Absurdes. Gut, in unserer verkorksten Welt ist schon ein Minimum an Karriere notwendig, wegen eigenem Garten und so. Aber darüber hinaus? Das muss nicht sein.

    Und was ist mit dem geliebt werden? Nun, ich muss nicht von Allen oder doch wenigstens von möglichst Vielen geliebt werden. Mir reicht eigentlich ein Einziger. Und diese Liebe ist keine Funktion meines Erfolges, sondern ein völlig unverdientes Geschenk. Und dabei soll es bleiben.

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