Auf der Lanzen Linie versagt

Zur Zeit geht das totale Fehlverhalten von Lanz in einem Interview durch das Internet. Zu Recht, wie ich finde.

Lanz allerdings als den alleinigen Sündenbock hinzustellen, das geht an der Sache vorbei, wie Stefan Niggemeier korrekt schreibt. Wenn solche Untaten bei den Privaten vorkommen, nun ja, da erwarte ich eigentlich nicht mehr als puren Lobbyismus. Kaum mehr als von der Bild-Zeitung. Aber die Öffentlich-Rechtlichen? Diese haben einen Auftrag. Und dieser Auftrag ist hier missbraucht worden für reinen Lobbyismus. Und da das ZDF sich hinter Lanz stellt, hat das ZDF als Institution des öffentlichen Rechts nicht nur bei der Personalwahl versagt, es sieht ganz so aus, als habe dieses Versagen Methode.

Lanz als Moderator zu feuern reicht nicht. Ich frage mich, ob das ZDF als öffentliche Institution für politische Bildung überhaupt noch tragbar ist. Um das Stimmvieh für dumm zu verkaufen, dazu reicht auch die Bild. Dazu brauchen wir kein Fernsehen.

Gut, er hat sich entschuldigt. Vielleicht sollte er noch eine Chance bekommen. Aber das gesamte Umfeld gefällt mir gar nicht. Buße tun, das heisst nicht, 3 Ave-Maria und einen Rosenkranz zu beten, Buße tun heisst umkehren. Das setzt die Erkenntnis des Fehlverhaltens voraus. Und von solch einer Erkenntnis kann ich bislang kaum Etwas entdecken. Nun ja, vielleicht irre ich mich ja.

Und das Internet? Nun ja, übermäßig viele und übermäßig schlechte Shitstorms haben den Ruf der Internet-Community ziemlich ruiniert. Aber all der Müll ändert Nichts daran, dass manche Dinge im Internet viel zu wichtig sind, als dass man sie einfach abtut, kleinredet oder darüber schimpft. Angeblich sollten doch gerade Journalisten in einer differenzierten Betrachtungsweise geschult sein. Oder sind die heute Alle so wie Lanz?

Siegfried Gipp


  1. Keine Ahnung, Sigi ... Ich kenne M. Lanz nur aus einmaligem Angucken von der SamstagsShow und nicht als Talkmoderator. Umso interessanter war Dein Artikel für mich. Habe mal die links verfolgt und denke, diese Frage trifft es (in meinen Augen): "SPIEGEL ONLINE: Wollte Lanz sich als harter Frager profilieren, weil er als Entertainer seit seinem Dienstbeginn bei "Wetten, dass..?" in der Kritik steht?" Nun ja, alles weitere ist für mich der übliche Medienhype rolleyes LG Christa

  2. Ja, viel Medienhype ist sicher dabei. Und, wie das auch anderweitig zu lesen ist, Lanz war wohl nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Hier hat nicht nur Lanz als Moderator versagt, hier hat das ZDF, der Stern, der Spiegel und viele andere ebenso auf ganzer Linie versagt. Ob ARD besser ist, kann ich nicht sagen. Aber ich finde es generell widerlich, wie wir Alle für dumm verkauft werden von Denen, die die Aufgabe haben, uns die Politik, die Zeit und das heutige Leben zu erklären. Die Öffentlich-Rechtlichen haben einen Auftrag, bei dem es um Information und Bildung geht. Aber was an diesem Abend gelaufen ist, das hat weder mit Information noch mit Bildung Etwas zu tun, aber sehr wohl mit Demagogie. Mal ganz davon abgesehen, dass es eine unhöfliche Unkultur ist, einem Menschen so ins Wort zu fallen. Deutschland bildet sich so viel auf seine Kultur ein, und in so einer Sendung wird diese Kultur mit Füßen getreten.

    Den ganzen Schlamassel jetzt an Lanz festzumachen wird der Sache nicht gerecht. Lanz ist hier nur ein Rädchen in einer Maschinerie, die seit Jahren wie geölt läuft. Die Wut auf Lanz kann ich verstehen, aber sie ist weder zielführend noch angebracht. Im fall eines Falles wird Lanz einfach als Bauernopfer gefeuert, und der Rest macht weiter wie bisher. Und das würde ich gerne verhindern, wenn ich wüsste, wie.

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