Der grosse freie Wulff

Wie die TAZ berichtet ist der ehemalige Präsident Wulff freigesprochen worden. Am Ende ging es nur noch um 720,-€. Ein geradezu lächerlich kleiner Betrag, verglichen mit dem, was Politiker im Allgemeinen so neben ihrem Gehalt noch an Provisionen und sonstigen Nebeneinkünften kassieren.

Verbleibt die Frage, warum nicht gleich so? Ich finde es gut, dass Wulff gegen die Vorwürfe konsequent vorgegangen ist. Ich frage mich nur, warum hat der das erst so spät getan? Warum nicht gleich? Aber gut, dass sind Luxusprobleme.

Letztendlich bleibt der Eindruck, dass hier ein Bundespräsident von der BILD Zeitung geschasst wurde, weil dieser Bundespräsident nicht so wollte wie die BILD Zeitung. Ein beunruhigender Gedanke. In diesem Zusammenhang frage ich mich, ob man es nicht eher als Qualitätsmerkmal eines Politikers ansehen sollte, wenn die BILD über diesen Politiker herfällt. Also, wenn die BILD einen Politiker lobt, dann eher nicht wählen, wenn sie ihn runter macht, dann wählen.

Siegfried Gipp


  1. Die TAZ ist der Ansicht, dass es trotzdem richtig war, dass Wulff gegangen ist. Die Argumente kann ich nachvollziehen. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass es einer Zeitung wie der Bild offenbar mühelos gelingt, einen missliebigen Präsidenten aus dem Amt zu katapultieren.

    Dass Wulff als Präsident in dieser Sache nicht gerade wie ein Präsident reagiert hat, das dürfte wohl ausser Frage stehen. Aber dass ein komerzielles Unternehmen in der Lage ist, einen Präsidenten, der sich rechtlich Nichts hat zuschulden kommen lassen, aus dem Amt zu feuern, ich denke, das schadet dem Ansehen dieses Amtes wesentlich mehr als die unprofessionelle Haltung Wulffs. Wesentlich mehr. Nach abwägen dieser beiden Aspekte denke ich, es war eher unangebracht, dass er gegangen ist. Nicht, dass ich ihm das vorwerfen will, ich hätte es möglicherweise genauso gemacht. Trotzdem, im Nachhinein betrachtet, war es wohl eher falsch. Trotz der echten Fehler Wullfs.

  2. Bei Telepolis geht man sogar noch einen Schritt weiter und stellt die Frage, ob Wulff wieder Bundespräsident werden sollte. Normalerweise wäre ich eher dagegen, olle Kamellen noch mal aufzuwärmen. Aber als Konter gegen Bild wäre das vielleicht gar nicht mal eine so schlechte Idee. Nicht, weil Wulff der beste Präsident aller Zeiten wäre, aber weil es des Amtes unwürdig ist, wenn der Inhaber von einer Boulevardzeitung geschasst wird.

  3. Noch ein Kommentar in der TAZ von Daniel Bax zum Thema. Kernsatz:

    Die „Bild“-Zeitung hat an Christian Wulff ein Exempel statuiert. Dass die Konkurrenz ihr so bereitwillig folgte, ist kein gutes Zeichen für die Demokratie.
Kommentar

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