Die Islamisten und die Christen

Bei Telepolis ist derzeit ein Artikel zu lesen über die Islamisten, speziell der Ausprägung IS, und deren Verhältnis zu Frauen. Grundsätzlich halte ich den Gedanken, dass hier verunsicherte Männer aus Angst vor Frauen ihre einstige Dominanz per Gewalt wiederherstellen wollen, für durchaus möglich. Aber in einem anderen Punkt hat hat der Author Florian Rötzer einen schlimmen Fehler gemacht:

Besonders Frauen mit guter Bildung scheinen im Visier zu stehen. Mit Bildung, Aufklärung, Emanzipation und Reflexion haben es die Islamisten sowieso nicht, die wie die Bibelgläubigen einfach nur die Umsetzung des einmal Geschriebenen verlangen, also den Gehorsam gegenüber dem, was jeweils als Gott gegeben definiert wird.

Hier werden Bibelgläubige nicht nur mit den Terror-Islamisten in einen Topf geworfen, ihnen wird auch Bildungsferne oder Bildungsverweigerung vorgeworfen, sowie die Weigerung, selbst zu denken. In der Bibel, die der Author offenbar nicht im Geringsten kennt, heisst es: Drum prüft aber Alles, und das Gute behaltet. In der Bibel wird also dazu aufgefordert, selbst zu denken. Diese geforderte Prüfung hat sehr viel mit Reflexion zu tun. Ein im Sinne des Wortes Bibelgläubiger ist also eher das Gegenteil eines Imam- und Fatwa-hörigen Islamisten.

Natürlich gibt es auch angebliche Bibelgläubige, die in aller Regel die Bibel höchstens von aussen kennen. Diese glauben nicht an das, was in der Bibel steht (da sie ja gar nicht wissen, was da drin steht), sondern das, was ihnen irgend eine selbsternannte Autorität vorgibt. Das hat aber mit Bibelglauben nicht das Geringste zu tun.

Die Angst der Männer vor neuen Beziehungen mit den Frauen scheint größer als der Tod zu sein. Lieber sprengt man sich in die Luft, als gleichberechtigt mit unverhüllten Frauen umzugehen, die kein persönlicher Besitz sind. Eigentlich ziemlich erbärmlich, wenn dies nicht so brutal ausagiert würde, was aber wieder nur die Schwäche der salafistischen Männer belegt.

Das ist vielleicht gar nicht so falsch. Auch, wenn es eine etwas eindimensionale Sicht der Dinge ist. Und, was sicherlich auch stimmt, und was in diesem Beitrag mitschwingt: Probleme mit den Geschlechterrollen gibt es hier im Westen auch. Wer an Christus glaubt, kann damit umgehen. Auch, wenn dieser Umgang nicht notwendigerweise dem entspricht, was sich Feministinnen vom Schlage einer Alice Schwarzer vorstellen. Das zweite Gebot, das laut Christus in seiner Bedeutung gleich nach dem ersten kommt, sagt: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Mit dem Nächsten ist nicht ausschließlich Jemand des gleichen Geschlechts gemeint. Für einen Christen ist es eine Selbstverständlichkeit, eine Frau genau so zu achten und zu lieben wie sich selbst. Und für eine Christin ist es ebenso eine Selbstverständlichkeit, einen Mann genauso zu achten und zu lieben wie sich selbst. Auch, wenn diese Vorstellung manchen Feministinnen ein Graus ist.

Siegfried Gipp


Kommentar

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