Gelabelt

Facebook markiert seit Neuestem satirische Artikel (und Kommentare?) als Satire. Viele Facebook Nutzer waren es wohl leid, immer wieder auf satirische Artikel reinzufallen und den Spott der Satireversteher zu ertragen. Man könnte dieses Phänomen mit den Worten des kürzlich verstorbenen Scholl-Latour beschreiben: "Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung". Nun ja, vielleicht greift das zu kurz. Ein Faktor ist sicher auch die durch das Internet hervorgerufene "Sofort-und-jetzt" Kultur, bei der es sich Niemand erlaubt, für das Verständnis eines Textes Zeit aufzuwenden. Anstatt einen Text erst einmal zu registrieren und wirken zu lassen, und ein paar Tage darüber nachzudenken, explodiert der verärgerte Leser sofort und muss diese Explosion auch gleich Jedem mitteilen. So Etwas kann nun einmal nach hinten losgehen.

Davor sind selbst eingefleischte Kommentatoren des Satiremagazins Der Postillon nicht gefeit. Ich erinnere mich an einen Kommentator, dessen Kommentare zunächst so schienen, als hätte er den Artikel nicht oder falsch verstanden. Ich machte damals einen ganz kleinen bescheidenen Witz, sozusagen als Versuchsballon. Er reagierte auf den Witz seinerseits mit einem ähnlichen Witz. Im Laufe des Tages stellte sich immer mehr heraus, dass er einfach die Kommentatoren auf den Arm nahm. Und das so gekonnt, dass es kaum Jemand gemerkt hat. Schade, dass er seitdem nicht mehr dabei ist.

Aber die Frage der TAZ: Und was kommt eigentlich als Nächstes? Label für Propaganda und Verschwörungstheorien? finde ich grandios! Labels für Propaganda? Dann müsste heutzutage so gut wie jeder Artikel über z.B. die Ukrainekrise mit diesem Label versehen werden. Ich bin da sehr dafür. Viele Artikel müssten sowohl als Propaganda als auch als Verschwörungstheorie markeirt werden.

Siegfried Gipp


Kommentar

Zum Kommentieren sind zwei einfache Regeln zu befolgen:

  1. Keine persönlichen Beleidigungen
  2. Behauptungen über Personen sind zu belegen