Sprache

In der TAZ habe ich einen schönen kleinen Artikel gefunden über Sprache. Hauptsächlich geht es in dem Artikel um die kleinen Fehler, die praktisch jedem Schreiber unterlaufen. Zum Glück kommt der Artikel ohne erhobenen Zeigefinger aus, stattdessen wird mit leiser Ironie die Begrenztheit menschlicher Vollkommenheit demonstriert.

Sehr schön finde ich den Gedanken des Schriftstellers Samuel Johnson:

Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.

Das hieße, der Gedanke entsteht zuerst, und wird dann in Sprache "gekleidet". Etwas, das so nicht meiner Erfahrung entspricht. Denken ohne Sprache funktioniert nur sehr begrenzt. Sprache macht Gedanken konkret und sorgt dafür, dass aus der Sprache wieder neue Gedanken entstehen. Sprache ist direkt beteiligt, wenn es um die Erschaffung neuer Gedanken geht. Insbesondere dann, wenn diese Gedanken über die Repräsentation der direkt erlebbaren physischen Welt hinausgehen, wenn der Denker sich also z.B. mit abstrakten Konzepten befasst. Ohne Sprache undenkbar, auch im engeren Sinn des Wortes.

Sprache ist nur dann die Kleidung der Gedanken, wenn es um die Formulierung von Grundbedürfnissen und die Abbildung der physischen Welt geht. Ob man Dinge wie Essen, Wärme, Sex als Gedanken versteht, oder als eine Vorstufe davon, mag Geschmackssache sein. Ich denke nicht, dass eine wertende Unterscheidung hier besonders sinnvoll ist. Aber das, was darüber hinausgeht, lebt von der sprachlichen Umsetzung, von der Formulierung. Beides bedingt und befruchtet sich gegenseitig.

Siegfried Gipp


Kommentar

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