Stolz auf Deutschland

Anlässlich der Fußball-WM schlägt der deutsche Patriotismus mal wieder seltsame Blüten. Da stellt sich mir die Frage: Bin ich stolz auf Deutschland? Oder stolz darauf, ein Deutscher zu sein? Oder kann oder darf ich das?

Nun, zunächst mal: Fußball interessiert mich kaum bis gar nicht. Die Leistungen der Nationalelf sind schön, haben aber aufgrund meines Desinteresses an Fußball mit einem eventuellen Stolz auf Deutschland Nichts zu tun.

Deutschland war einmal das Land der Dichter und Denker. Freier Geister, die selbst nachgedacht haben. Menschen mit Kultur. Menschen mit einer lebendigen Kultur. Lebendige Kultur ist einem stetigen und ständigen Wandel unterzogen. Nur tote Kulturen ändern sich nicht mehr. Menschen mit solch einer lebendigen Kultur müssen keine Angst haben vor dem Fremden, dem Anderen. Lebendige Kultur ist offen gegenüber dem Anderen. Auf solch ein Deutschland wäre ich gerne stolz.

Auf ein Deutschland, das Angst hat vor "Überfremdung", und dessen Angst in Hass und Gewalt umschlägt, ein Deutschland, das einer fiktiven "deutschen" toten Kultur anhängt, auf solch ein Deutschland kann ich nicht stolz sein. Solch ein Deutschland löst bei mir Irgendwas zwischen Angst und Scham aus. Und manchmal auch Wut. Insbesondere dann, wenn offizielle deutsche Behörden die Auswüchse von rechtem Hass und rechter Gewalt systhematisch ignorieren. Oder, wenn Regierungsparteien davon schwafeln, wir wären kein Einwanderungsland, und der Einwanderung müsse Einhalt geboten werden.

Deutsche Kultur lässt sich nicht retten, indem wir sie in Isolationshaft ersticken, sondern nur im offenen Dialog mit dem Anderen.

Siegfried Gipp


Kommentar

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