Vogel abgeschossen

Kürzlich hat ein türkischstämmiger und muslimischer Bewohner einer deutschen Kleinstadt im wahrsten Sinn des Wortes den Vogel abgeschossen: Er ist Mitglied im örtlichen Schützenverein und hat diesmal den Wettbewerb gewonnen, ist also Schützenkönig.

Der Verein selber hatte damit keine Probleme. Man hat Orts- und Vereinsüblich gefeiert, und gut war's. Der Dachverband sieht das jedoch anders und fordert entweder den Schützenverein auf, dem verdutzten Gewinnder Titel und Mitgliedschaft zu kündigen, oder den Muslim, zum "Christentum" zu konvertieren. Wie das? Nun, in der Satzung steht was von „Vereinigung von christliche Menschen“, wie die TAZ schreibt. Das ist zunächst mal richtig, wie der Vorsitzende des Dachverbande meint (ebenfalls in der TAZ zu lesen):

Wenn ich in einem Fußballverein gehe, kann ich auch nicht sagen: „Wir spielen jetzt Handball. Man muss sich an die Satzung halten.“

Das ist durchaus korrekt. Nur die Folgerungen, die man daraus zieht, sind abenteuerlich. Anstatt eine offensichtlich furchtbar veraltete Satzung zu ändern, besteht man auf strikte Einhaltung. Diese Satzung stammt aus einer Zeit, als Fremde oder gar Integration kein Thema waren. Heute ist das nicht nur ein Thema, sondern eine Selbstverständlichkeit. Der Dachverband sollte ganz dringend die Gelegenheit nutzen, und diese antike Satzung der heutigen Zeit anpassen.

Der größte Witz daran ist, dass der Schützenkönig dermaßen gut integriert war oder ist, dass weder seine türkische Herkunft noch seine andere Religion überhaupt bemerkt worden sind. Er war in einer urdeutschen Institution ununterscheidbar integriert. Da klappt also endlich mal was in der Praxis, was in der Theorie aber nicht klappen darf.

Dass ein Muslim nicht Mitglied in einer katholischen oder evangelischen Gemeinde werden kann, ist einsehbar. Denn da geht es um Religionszugehörigkeit. Was übrigens nicht heisst, dass solch ein Muslim nicht an christlichen Gottesdiensten teilnehmen darf. Ich als Evangelischer gehe ja auch zu Heilig Abend mit Schwager und Schwägerin in deren katholischen Gottesdienst (Messe). Aber das ist ein anderes Thema. Bei den Kirchen geht es zentral um Religion. Aber seit wann geht es bei einem Schützenverein um Religion? Und sollte es um das Schießen als Religion gehen, nun, das können Muslime auch. Und das offensichtlich gut.

Siegfried Gipp


Kommentar

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