Eva Hermann, die frühere Fernsehmoderatorin und jetzige Buhfrau der Nation, tut sich
mit reichlich abstrusen Gedanken und Meinungen zu den Ursachen der Todesfälle bei der
Duisburger Loveparade hervor. Zunächst schimpft sie über das gottlose Treiben auf dieser
Party, was sie Sodom und Gomorrha nennt. Und dann deutet sie dezent an, dass die Toten
wohl eine Art Strafe einer höheren Macht wäre.
Nun ja, man mag zu dem Treiben dort stehen, wie man will. Ich finde auch, dass diese
Veranstaltung heute nur noch eine hauptsächlich kommerziellen Interessen dienende
dekadente Sex- und Alkohol-Orgie ist. Nicht mein Fall. Aber gut, Fußball ist auch nicht viel
anders. Naja, ohne Sex, aber sonst sehr ähnlich. Na und? Es handelt sich bei den Teilnehmern,
Befürwortern und Gegnern solcher Veranstaltungen um erwachsene Menschen, die selber wissen
(sollten), was sie da tun. Man mag es gut finden oder nicht. Und auch Eva Hermann hat das Recht
auf ihre eigene Meinung dazu.
So weit, so schlecht. Aber die Schnapsidee, hinter den Toten stecke die strafende Hand
Gottes, ist nicht nur abstrus. Diese Idee entbehrt auch jeglicher Grundlage. Gerade Eva
Hermann, die hier den Vergleich mit Sodom und Gomorrha bemüht, sollte das wissen. Wir wissen
heute nicht mehr im Detail, was in diesen beiden antiken Städten so Alles abging. Aus der Bibel
wissen wir, dass Gott diese beiden Städte dafür bestraft hat. Aber wir wissen auch aus der
selben Bibel, gerade mal ein paar Sätze später, dass Gott zugesagt hat, solch eine Bestrafung
niemals zu wiederholen. Die Behauptung oder auch nur dezente Andeutung, Gott hätte die
Opfer der Loveparade getötet, ist also eine platte Lüge. Eine durch und durch unchristliche
Lüge, die Gott des Wortbruchs bezichtigt.
Über Eva Hermanns Gottesbild kann man natürlich nur Vermutungen anstellen. Meine Vermutung
ist, dass sie Gott mit humanistischen (oder sonstigen) Moralvorstellungen verwechselt.
So in der Art Edel sei der Mensch, hilfreich und gut
, wie Karl May das mal formulierte.
Und Rudelficken
, wie das einer der Kommentatoren bei
Stefan Niggemeier
formulierte, gehört anscheinend nicht zu Eva Hermanns Begriff von "edel" oder "gut". Aber das
ist ihre Meinung dazu. Was Gott dazu meint, und vor Allem, was er dabei zu tun gedenkt,
das sollte sie tunlichst ihm überlassen.
Was dabei raus kommt, wenn Jemand die eigene Moralvorstellung Jedem notfalls mit
Gewalt aufdrücken will, kann man bei
The Onion
nachlesen. Dort verlangt eine afghanische Burka-Trägerin die Todesstrafe für eine andere
Afghanin, die statt Burka nur den Chador trägt. Dieses gottlose Bloßstellen und öffentlich
Präsentieren der Nase kann eben nur mit dem Tod angemessen bestraft werden. Meint jedenfalls
diese Frau. Wenn Eva Hermann meint, für das gottlose Treiben auf der Loveparade wäre die
Todesstrafe (durch eine höhere Macht) angemessen, tut sie genau das Gleiche wie diese
Burkaträgerin.
Sie hat das Recht, über die Loveparade eine eigene Meinung zu haben. Sie hat natürlich auch
das Recht auf eine zur allgemeinen Hype abweichenden Meinung. Und sie hat das Recht, diese Meinung
öffentlich kundzutun. Aber sie hat weder das Recht, Gott des Wortbruchs zu bezichtigen, noch
das Recht, eine Todesstrafe für eine Teilnahme an der Loveparade als angemessen zu
bezeichnen. Mit dieser Aussage hat sich Eva Hermann in die gleiche Ecke manövriert, in der auch
die Taliban stehen.