Neues aus Rorkvell

Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Bequemlichkeit
  2. Hochleistungsgesellschaft
  3. Werbeblocker
  4. Hacksite
  5. Gotteslästerung
  6. Links von der Bibel
  7. Wein
  8. Monarchie gegen Demokratie
  9. Was ist wichtiger
  10. Musterspam
  11. Zuckerborg
  12. Der kleine Unterschied
  13. Moderne Werbung
  14. Die persönliche Energiewende
  15. Evolution und Musik
  16. Ent oder weder
  17. Verkauft
  18. Rasterfahndung
  19. Femen und Islam
  20. Wulff Finale
  1. Bequemlichkeit

    In der TAZ steht heut mal ein netter Artikel über Open Source. Unter Anderem wird docht nach Gründen gefragt, warum Open Source bei deutschen Behörden immer noch kaum eine Rolle spielt.

    Bequemlichkeit. Die Angst vor Veränderungen, davor, aus dem gewohnten Trott auszubrechen, vielleicht auch mal Arbeitsabläufe neu zu denken.

    Das erinnert mich an Etwas: Trifft ein Beamter einen Kollegen auf dem Flur. Frag ihn: Na, kannst Du auch nicht schlafen? Nun ist an diesen Beamtenwitzen sicher ein Bisschen was dran, aber erstens ist das überspitzt, und zweitens findet man diese Bequemlichkeit und Angst vor Veränderungen nicht nur bei Beamten. Nur: Die Beamten und deren ach so heiss geliebtes Windows wird vom Steuerzahler (also auch von mir) bezahlt. Und das finde ich ärgerlich.

    Fast Alles, was Beamte tun müssen, können sie genauso gut auch mit Linux tun, wie das LiMux Projekt der Stadt München seit Jahren zeigt. München spart damit mehrere Millionen Euro pro Jahr ein. Und die Arbeiten werden auch nicht schlechter erledigt als Anderswo. Es geht also. Natürlich fordert eine Umstellung zunächst mal Mehraufwand. Aber es lohnt sich. Nicht nur finanziell. Auch und gerade, was die Langzeitstabilität und -Verfügbarkeit angeht, ist Open Source deutlich überlegen. Selbst, wenn der Anbieter einer Software pleite geht, das Programm kann immer noch von anderen weiter gepflegt werden. Bei Bedarf und Know-How auch von der stadt selbst. Eigenes Kapital in Form von Wissen und Können aufbauen, das wäre doch mal was. Ein Teil von dem Geld, das sonst nach Redmond fließt, würde dann den eigenen Bürgern zugute kommen.

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  2. Hochleistungsgesellschaft

    In der TAZ gibt es heute einen interessanten Artikel zu Drogen in unserer Gesellschaft. Insbesondere über Crystal Meth, eine Leistungssteigernde Droge für die Bedürfnisse unserer Hochleistungsgesellschaft. Ähnlich wie der Author denke ich auch, dass diese Droge nur ein Symptom von vielen ist, an denen unsere Gesellschaft heute krankt.

    Denn krank ist dieses ständig "höher, weiter, schneller, besser", dem wir uns heute ständig selbst unterwerfen, allemal. Es macht nicht nur krank, es ist krank. Heute reicht es nicht mehr, ständig 100% Leistung zu bringen, es müssen erstens ständig 120% und mehr sein, und zweitens vor Allem ständig mehr als alle Anderen. Dieses amerikanische "Competition" Lebensmodell finde ich zum Kotzen. In unserer Sucht, ständig überall auch noch das letzte Quentchen von was auch immer heraus zu pressen beuten wir uns selbst aus. So lange, bis Nichts mehr da ist. Dann landet man auf dem Müll der Geschichte. Und Niemand will wahrhaben, dass das das Schicksal von fast Allen ist.

    Nachhaltigkeit sieht anders aus.

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  3. Werbeblocker

    Werbeblocker, neu-denglisch auch Adblocker genannt, zu Zeit ein heisses Thema. Etliche Verlage haben eine Kampagne gegen Adblocker gestartet. Tenor: Bitte schalte Deinen Adblocker ab, wir leben schließlich von der Werbung.

    Nun, das Argument kann ich nachvollziehen. Trotzdem: Wenn ich eine dieser Seiten sehe in ihrer vollen Pracht mit all den blinkenden und bimmelnden Werbungen, dermaßen vollgestopft, dass ich den Inhalt suchen muss und oft genug nicht finde, dann bleiben meine beiden Werbeblocker drin! Ich habe Ghostery und AdBlock Plus installiert und aktiv. Nur damit ist das Netz überhaupt noch nutzbar. Zusätzlich habe ich noch NoScript aktiv (auch aus Sicherheitsgründen), und oft surfe ich auch ohne Bilder. Es ist geradezu erstaunlich, wie informativ das Web werden kann, wenn man auf Bilder verzichtet.

    Ich denke, ich werde wohl eher per Dauerauftrag eine kleine Spende an die eine oder andere Site tätigen. Das erscheint mir sinnvoller. Ob dazu allerdings notwendigerweise Spiegel und/oder Zeit gehören, weiss ich jetzt noch nicht. Dazugehören wird sicher Netzpolitik, und vermutlich Golem.

    Ich denke mal, wer sich noch nie mit Adblockern beschäftigt hat, der wird sich vermutlich an diese Dauerwerbung gewöhnen. Vielleicht schafft es unser Gehirn ja tatsächlich irgendwann, Werbung intuitiv aus der Wahrnehmung auszublenden. Mir reicht jedenfalls schon die Werbung, die an jeder Straßenecke auf mich einprasselt. Fernsehen habe ich mir weitgehend wegen Werbung abgewöhnt. Wenn ich tatsächlich Produktinformationen will (was vorkommt), dann finde ich die auch ohne Werbung. Aufgrund der horenden Menge an Spam sehe ich inzwischen selbst sogenannte seriöse Werbung kritisch. Im Zweifelsfall fliegt bei mir lieber sämtliche Werbung raus, als dass ich auch nur eine Spam-Werbung zulasse.

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  4. Hacksite

    Gehackte Webseiten - nach einem Artikel bei Golem ist das ja heute nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Merkwürdig, dass das bei den Surfern keinerlei Konsequenzen hat.

    Große Firmen haben das Geld, um dauerhaft in die Sicherheit ihrer Webinstallationen zu investieren. Damit sind sie zwar nicht per se gefeit vor Angriffen, aber es ist doch schwerer für die Hacker resp. Cracker. Bei kleinen Webseiten ist weder das Know-How noch das Geld dafür da. Anscheinend ist es wohl etwa gleichwertig, statt eines großen Portals 1000 kleine Webseiten mit Schadcode zu infizieren. Die Masse macht's.

    Gerade auch kleine private Webseiten, so wie diese hier, sind heute kaum noch ohne Schadcode anzutreffen. Einer der Kommentatoren bei Golem meint dazu: Immmer mehr Idioten wollen Webseiten betreiben. Das finde ich arrogant. Klar hat der durchschnitts-Webseitenbetreiber keine Ahnung von Web-Sicherheit. Das kann man auch nicht erwarten. Aber sollte das gleich ein Verbot bedeuten? Das Interessante am Internet ist doch die Vielfalt.

    Andererseits kann jeder Konsument selbst eine ganze Menge für seine Sicherheit tun. Ich habe meinen Browser so konfiguriert, dass Javascript verboten ist. Damit passiert schon mal Nichts, was ich nicht persönlich beim Browsen abgesegnet habe. Mit Cookies verfahre ich ähnlich. Cookies werden nur für die aktuelle Sitzung zugelassen und danach entfernt. Verlauf/Historie werden beim Schließen des Browsers gelöscht. Ich muss nicht jeden Mist mit machen, nur, weil es gerade hip ist.

    Als Webmaster habe ich natürlich die Aufgabe, eine Webseite auch dann benutzbar zu machen, wenn z.B. Javascript deaktiviert ist. Und hier klemmt es tatsächlich in weiten Teilen des Web. Kein Webmaster kann garantieren, dass seine Site niemals gehackt wird. Aber jeder Webmaster könnte seine Seiten so erstellen, dass sie auch ganz ohne sogenannte aktive Komponenten auskommen. Bei sicherheitsbewussten Anwendern passiert dann auch dann Nichts, wenn die Site gehackt wurde. Schadcode muss, um Schaden anzurichten, ausgeführt werden. Wenn gruindsätzlich überhaupt Nichts ausgeführt wird, dann wird eben auch kein Schadcode ausgeführt. Kein Schadcode ausgeführt heisst kein Schaden angerichtet. Das mag vielleicht etwas drastisch sein, aber es ist sicher.

    Rorkvell funktioniert ohne Javascript. Ich habe hier im Blog zwar ein kleines externes Script eingebunden, aber das ist rein optional. Es ist ein Script von browserupdate.org, das Anwendern veralteter Browser einen dezenten Hinweis einblendet, ihren Browser doch bitte zu aktualisieren. Wer also Javascript aktiviert hat und einen veralteten Browser verwendet, bekommt einen solchen Hinweis zu sehen. Wer nicht, nicht. Rorkvell funktioniert auch prächtig ohne.

    Vielleicht sieht die Site etwas altmodisch aus, so ganz ohne Werbung, ohne Like-Button und ohne Popups. Das ist Absicht. Ich will es genau so haben. So und nicht anders.

    Ich für meinen Teil habe damit meinen Beitrag zur Sicherheit von Rorkvell beigetragen. Die grundsätzliche Absicherung macht der Provider, und den Rest muss der Surfer schon selber tun. Mein Tip zum Surfen auf Rorkvell: Javascript abschalten.

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  5. Gotteslästerung

    Ich habe nicht schlecht gestaunt, aber laut TAZ gibt es tatsächlich einen Paragraphen, der das unter Strafe stellt. Also Sowas wie katholische Scharia. Auch, wenn der Paragraph nur sehr selten zur Anwendung kommt und ggf. die "Strafen" sehr gering sind.

    Ich stimme hier mit der TAZ weitgehend überein, auch, wenn ich Christ bin. In einem säkularen Staat, der die Trennung von Kirche und Staat (angeblich) durchzieht, hat ein solches Gesetz in der Tat Nichts zu suchen. Hier werden Dinge be- und verurteilt, die den Staat Nichts angehen. Ich wäre dafür, diesen Paragraphen ersatzlos zu streichen.

    Auf der anderen Seite gibt es aber noch den Tatbestand der Beleidigung. Und der hat mit Religion Nichts zu tun. Etwas, das als Gotteslästerung daherkommt, kann sich sehr schnell als persönliche Beleidigung entpuppen. Und hier hat der Staat seine Aufgaben.

    Dass ich als Christ glaube, dass Gott selbst in seinen ureigensten Angelegenheiten auch be- und verurteilen wird, und das das auch korrekt ist so, das steht dabei auf einem anderen Blatt. Aber das geht den Staat Nichts an.

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  6. Links von der Bibel

    Die TAZ versucht sich in Bibelkunde und bringt dabei so Einiges durcheinander. Das ist natürlich für ein linkes atheistisches Blatt nicht weiter verwunderlich. Trotzdem sind ein paar interessante Gedanken in dem Artikel.

    Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.

    Diesen Satz bezieht die TAZ auf die eheliche Treue. Dabei hat weder dieser Satz noch das Ganze drumherum das Geringste mit Ehe zu tun. Es hat ausschließlich Etwas mit der Beziehung zu Gott zu tun. Getreu sein heisst hier, das Vertrauen in Gott nicht aufzugeben, sondern daran festhalten, und zwar bis in den Tod. Dafür bekommt man dann die Krone des Lebens, was auch immer das nun ganz genau ist.

    Interessant dabei ist, dass zum Thema eheliche Treue in der Bibel herzlich wenig drin steht. Klar gibt es ein paar Hinweise. Insbesondere solche, die die Bedeutung von Vertrauen und Versprechen ganz allgemein hervorheben. Diese Aspekte greifen auch für das Eheversprechen. Und diese Hinweise sind eine wichtige und notwendige Korrektur zu unserem all zu leichtfertigen Umgang damit. Nicht von ungefähr spricht man heute eher von einer Lebensabschnittsgefährtin, wobei dieser Abschnitt beliebig kurz sein kann. Nun, so lange Beide hier von Anfang an mit offenen Karten spielen, ist dagegen Nichts einzuwenden. Im Gegensatz zur katholischen Kirche verurteilt die Bibel so Etwas nicht. Was die Bibel verurteilt, ist Betrug. Betrug ist z.B. ein gebrochenes Versprechen. Die Bibel legt hier aber auch Wert auf Vergebung.

    Ehe, der heilige Bund, kann keiner für ein Leben sein, muss es jedenfalls nicht, wenn er in unfreien Zeiten geschlossen werden musste.

    Doch, kann. Und sollte. Eine unfreiwillig geschlossene Ehe ist eine nicht existente Ehe. Eine Ehe nur aus gesellschaftlichem Druck ist keine Ehe.

    Liebe, das ist eine Geschichte von zwei Menschen, die vielleicht ein Kind zeugen, ihrer Leben auf diese Weise Kontur und Beweis geben, aber die Liebe ist keine Veranstaltung für Menschen, die das einander gegebene Versprechen geben, um sich hernach auszunutzen und klein zu halten.

    Genau das. Wenn zwei sich lieben, dann sollte das Ausnutzen und klein Halten von vornherein ausgeschlossen sein. Liebe und Ausnutzen schließen sich gegenseitig aus. Das Wohl des jeweils Anderen ist der zentrale Imperativ in einer solchen Beziehung. Oder, wie es bei Paulus heisst: Dient einander.

    Die Antwort auf die Mühsal der Beziehung, der Liebe und der Treue kann nicht Untreue sein, Unzuverlässigkeit, die keinen Trost parat hält. Die glaubt, ein Mensch sei so austauschbar wie ein Spielzeug, das abgegriffe, abgespielt, abgeliebt scheint.

    Schöner hätte ich das auch nicht sagen können. Das trifft den Nagel auf den Kopf, in mehrfacher Hinsicht. Ob man diese freiwillige Treue nun als Krone des Lebens bezeichnen sollte, nun, da habe ich meine Zweifel. Und ganz besonders hat das Nichts mit der Krone des Lebens zu tun, die wir von Gott empfangen werden. Trotzdem ist natürlich ein gehaltenes Versprechen, gerade in unserer viel zu schnellebigen Zeit, sehr viel wert. Ein Wert, den man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Auch Gott hat uns ein Versprechen gegeben (siehe obiges Zitat). Es wäre fatal, wenn er seine Versprechen genauso leichtfertig brechen würde wie wir Menschen. Zum Glück ist Gott eben Gott. Und wir brauchen Vergebung.

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  7. Wein

    Wein gehört nicht nur zu den Genussmitteln, sondern auch zur Kultur. Für einen nicht-weinkenner wie mich ist es allerdings schwierig, einen wein zu finden, der mir auch schmeckt. Das Ergebnis meiner Weinkäufe ist eher von Zufall abhängig.

    Um so erfreuter war ich, als ich heute in der Telepolis einen Artikel las, in dem es um gute und bezahlbare Weissweine geht. Ich denke, ich gehe am Wochenende mal Wein kaufen.

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  8. Monarchie gegen Demokratie

    Königin Beatrix von den Niederlanden dankt ab (geht in Rente). Wie wunderbar ihre Zeit doch war, und so weiter und so weiter, das steht zur Genüge woanders. Aber die TAZ hat einen interessanten Artikel, nach dem Monarchie und Demokratie unvereinbare Gegensätze sind.

    Ist dem so? Ist dem zwangsläufig so? Demokratie bedeutet doch unter Anderem, dass jedwede Regierungsfunktion durch das Volk legitimiert sein muss. Königin Beatrix war das anscheinend. Damit war zumindest ihre Monarchie sehr wohl mit der Demokratie vereinbar. Was nicht zwangsläufig auch für ihren Sohn gilt. Aber möglich wäre es.

    Monarchie ist nicht per se ein Gegensatz zur Demokratie. So lange die Legitimation durch das Volk existiert, ist eine Monarchie durchaus demokratisch. Und das hat gar Nichts damit zu tun, ob Königin Beatrix nun eine gute oder schlechte Königin war. Es ist das Wesen einer Demokratie, dass das Volk sich seine eigenen Strukturen schafft, und diese bei Bedarf auch ändert. Und wenn in diesen Strukturen die Monarchie enthalten ist, dann ist die Monarchie eben demokratisch.

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  9. Was ist wichtiger

    Wie Telepolis heute schreibt gab es kürzlich ein sehr bemerkenswertes Urteil des US Supreme Court. Dabei ging es darum, ob multinationale Unternehmen für Verbrechen gegen die Menschenrechte angeklagt und bestraft werden können. Konkret ging es hier um die Royal Dutch Petroleum Company, die sich anscheinend an Killerkommandos und Folter in Nigeria beteiligt haben. Nun, das Gericht hat entschieden, dass multinationale Unternehmen dafür nicht haftbar gemacht werden können. Multinationale Unternehmen können also in Zukunft ohne Gefahr morden und foltern.

    Die Begründung dafür ist interessant:

    Nach der Mehrheits-Meinung des Supreme Court ist künftig das ATS nicht auf Multis anzuwenden, um den internationalen Handel nicht zu behindern. So soll verhindert werden, dass irgendein Provinzrichter ein millionenschweres Verfahren gegen ein ausländisches Unternehmen einleitet, sich damit exekutive Rechte aneignet, die nur der Gerichtsbarkeit des Ursprungslandes zustehen und einen Konflikt zwischen den beiden Regierungen hervorruft. Über den Hebel eines Gerichtsverfahres solle nicht Außenpolitik betrieben werden.

    Oder kurz zusammengefasst als Anmerkung auf einen Brief Merkels:

    Angela Merkel wollte also wieder einmal klar machen, dass die Menschenrechte eine zu vernachlässigende Größe sind, wenn es um die Maximierung von Unternehmensgewinnen geht.

    Also, kurz zusammengefasst: die Maximierung des Profits ist allemal wichtiger als die Menschenrechte.

    Nun, ich habe auch gewisse Zweifel, was die Zuständigkeit von US-Gerichten angeht. Dafür wäre eher ein internationales Gericht zuständig. Die USA spielen sich hier wieder einmal als Weltpolizei und Weltrichter auf. Trotzdem: besser überhaupt irgendein Gericht als gar keines. Dass Profite wichtiger sind als Menschenrechte ist ein Beweis für die Armseligkeit unserer Zeit.

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  10. Musterspam

    Fefe hat mal wieder was sehr Nützliches verlinkt: Ein [Template9(https://gist.github.com/shanselman/5422230), mit dem spam generiert wird. Anscheinend bin ich nicht alleine mit dem Spam-Problem. Das ist schon mal beruhigend.

    Seit meiner letzten Überarbeitung meiner Filter ist aber bei mir kein Spam mehr durchgekommen. Hoffen wir, dass das so bleibt. Momentan habe ich leider keine Zeit, weiter daran zu arbeiten. Es muss also erst mal eine Zeit lang halten.

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  11. Zuckerborg

    Endlich mal ein gelungener Witz von Steinbrück. Die TAZ berichtet über eine Wahlkampfrede Steinbrücks, bei der er sich (was Wunder) in Sachen Internet und Netzpolitik etwas schwer tut. Aber seinen Witz mit "Zuckerborg" finde ich schon genial. Schließlich hat Zuckerbergs Facebook das Internet quasi assimiliert. Die Bezeichnung ist also nicht nur korrekt, sondern bringt die ganze Misere mit einem simplen Wort auf den Punkt.

    Nicht, dass ich deswegen SPD wählen werde. Der Schaden, den Schröder angerichtet hat, muss erst wieder behoben werden, bevor ich es wieder in Betracht ziehe, dieser Partei mein Vertrauen zu schenken. Aber ein gut gelungenes Wort respektiere ich trotzdem.

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  12. Der kleine Unterschied

    Nein, nicht der. Es gibt noch mehr so kleine Unterschiede. Zum Beispiel: Da hat möglicherweise ein 14-jähriger Junge auf Facebook einen rechten deutschen Promi beleidigt. Und was passiert? Die für Neonazis zuständigen Staatsschützer kommen um 6 Uhr in der Frühe zur Hausdurchsuchung und beschlagnamen gleich mal den Laptop.

    So weit, so schlecht. Etwas übereifrig, möchte man meinen. Aber wenn drei Neonazis anfangen, ausländische Mitbürger zu ermorden, dann sind diese für Neonazis zuständigen Staatsschützer auch sehr fleissig: In der Vermeidung von Ermittlungen gegen die Verbrecher. Also, bei dem Einen gibt's sofort eine Hausdurchsuchung, bei den Anderen wird Monate- und Jahrelang abgewiegelt und möglicherweise sogar unterstützt. Wie viele V-Leute aus dem Umkreis der NSU wurden vom Staatsschutz finanziert? Wie viel davon ist direkt oder in Sachleistungen bei der NSU gelandet?

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  13. Die persönliche Energiewende

    Strom sparen geht. Aber es geht noch viel mehr. Strom ist nicht immer gleich teuer. Zumindest für die Industrie. Aber auch Privathaushalte sollten diese Möglichkeit haben. Muss man eben beantragen. Ist im Prinzip ähnlich wie früher der sogenannte Nachttarif.

    Heute geht das viel feiner granuliert. Sonne und Wind produzieren ja nicht immer gleich viel Strom. Es macht also Sinn, die Verbraucher genau dann in Betrieb zu nehmen, wenn gerade viel Strom produziert wird, und dieser daher billig ist. Moderne Verbrauchszähler leifern diese Daten. Jetzt braucht man nur noch Automatiken, die die Geräte genau dann einschalten, wenn der Strom billig ist.

    Wir werden ja voraussichtlich innerhalb der nächsten 2 Jahre bauen. Da kommt mir diese neue Technik wie gerufen. Sowas werde ich gleich mal mit einplanen.

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  14. Evolution und Musik

    In Telepolis steht aktuell ein interessanter Artikel über Musik: "Warum Musik hören Spaß macht".

    Musik hat viel mit der sogenannten Evolutionstheorie zu tun. Insbesondere meinen ja manche Anhänger dieser Theorie, dass Evolution "survival of the fittest" heissen würde, was auf deutsch gerne falsch übersetzt wird mit "Überleben des Stärksten". "Fit" heisst nicht "stark", sondern "angepasst". Also nicht Überleben des Stärksten, sondern Überleben des am Besten angepassten. Wobei dieser Ansatz den tatsächlichen Beobachtungen widerspricht. Denn nicht die am besten Angepassten, die Spezialisten in der Nische, haben die besten Überlebenschancen, sondern die Generalisten, die am wenigsten angepassten. Also wenn schon Evolution, dann eher "Überleben des am schlechtesten Angepassten".

    Dabei wird vorausgesetzt, dass Selektionsdruck zu Weiterentwicklung führt. Das Überleben der eigenen Spezies als oberstes Gebot. So wird z.B. Sex zu einer rein evolutionären biologischen Funktion. Kann man so durchaus erklären.

    Aber bei Musik hört dieser Erklärungsversuch auf. Es gibt keinen Selektionsdruck, der Spaß an Musik erzeugen würde. Musik hat keinerlei positiven oder negativen Effekt auf das Überleben unserer Spezies. Und trotzdem findet man Musik bei allen Völkern dieser Erde. Ein Phänomen, das dem darwinistischen Modell Hohn spricht. Es gibt in der gesamten Evolutionstheorie keine sinnvolle Erklärung für Musik. Das macht andere Erklärungsansätze wie z.B. den Creationismus interessant.

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  15. Ent oder weder

    In Telepolis steht ein interessantes Interview unter dem Titel "Eine ganze Generation früh gestörter Kinder". Der Artikel ist interessant, aber hier und da stößt mir doch das Eine oder Andere sauer auf.

    Wer sich in der gesellschaftlichen Welt, so wie sie bis heute ist, für eine anspruchsvolle und verantwortliche Berufstätigkeit entscheidet, der kann sich nicht gleichzeitig intensiv familiär engagieren und ebenso umgekehrt.

    Ach ja? Seit wann? Das war definitiv einmal anders. Es gab eine Zeit, da gab es die Trennung zwischen Familie und Beruf gar nicht. Diese Trennung ist eine Erfindung der Industrie. Eine Erfindung, deren Nutzen ich stark bezweifle. Und heute gipfelt diese Entwicklung darin, dass man gefälligst zu 100% Leistung bringen muss. Im Beruf, nicht in der Familie. Wer sich, als Frau, erst recht aber als Mann, auf die Familie konzentriert, fällt als abhängige(r) Dumme(r) aus der Gesellschaft heraus. Die abhängige Berufstätigkeit hat heute eine derart absolute Stellung und Bedeutung, dass es daneben Nichts mehr gibt.

    Denn eine Familiengründung und die Geburt eines Kindes führt zu einer Unterbrechung der kontinuierlichen beruflichen Tätigkeit, und diese wirkt sich tendenziell nachteilig für die spätere erneute berufliche Tätigkeit der Frau oder für ihre Karriere aus. Der Grund hierfür liegt darin, dass die berufliche Sphäre von betriebswirtschaftlichen Kalkülen und vom Profitmotiv beherrscht wird, für die familiäre Auszeiten eine Privatangelegenheit sind.

    Recht hat er damit. Aber ist das auch richtig so? Diese ausschließliche Orientierung der Wirtschaft an maximalem Profit zerstört auf diese Weise die Familie.

    Es gab tatsächlich eine Zeit, in der die Männer einen vollen Arbeitsplatz ausfüllten und damit ein hinreichendes Familieneinkommen erwirtschafteten, während sich die Frauen um die Familien kümmerten – was bei mehr als ein oder zwei Kindern eine herausfordernde Aufgabe war. Offenbar ist es jetzt nicht mehr so, was sicherlich mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte und insbesondere mit der fabelhaften Agenda 2010 des Altkanzlers Schröder (SPD) zu tun hat. Es ist bekanntlich so, dass durch diese Politik des Kapitals ein breiter Niedriglohnsektor geschaffen worden ist, dessen Arbeitsverhältnisse für beide Geschlechter durch Leiharbeit, befristete Arbeitsverhältnisse etcetera sowie Löhne unterhalb des Existenzminimums gekennzeichnet sind. Bereits daraus ergibt sich, dass der Blick auf nur ein Geschlecht am Problem völlig vorbei geht.

    Recht hat er. Und die Schlussfolgerung ist ebenfalls richtig. Meine Schlussfolgerung geht allerdings noch weiter. Nicht nur, dass man sich nicht auf ein Geschlecht konzentrieren kann, die gesamte wirtschaftliche Entwicklung ist falsch. Niedriglöhne unter dem Existenzminimum bei voller Arbeitszeit zwingen sowieso beide Geschlechter zu erwerbstätigkeit. Auf der Strecke bleiben die Kinder. Also die, die einmal unsere Renten und Pensionen bezahlen sollen.

    Der Wert der Ware Arbeitskraft wird in diesem großen Arbeitsmarktsegment nicht mehr bezahlt, der Preis liegt oft weit unter dem Wert, und die Gesellschaft der Steuerzahler wird herangezogen, die Lücken mit staatlich vermittelten Transferzahlungen zu schließen, wodurch die Lohnpolitik der Unternehmen noch subventioniert wird. Wegen der politisch gewollten Schwächung der Gewerkschaften kann - kurzfristig gesehen - die Lösung nicht mehr von deren Tarifpolitik kommen, sondern nur durch einen Mindestlohn in hinreichender Höhe. Dieser würde allen Haushalten helfen, in denen jetzt kein ausreichendes Lohneinkommen erzielt werden kann. Er würde die effektive Nachfrage und damit den Binnenmarkt stärken und einen Beitrag zur Reduzierung des ausgeprägten Exportüberschusses liefern, ebenso wie er der anhaltenden Umverteilung von unten nach oben entgegen wirken würde.

    Stimmt! Jedenfalls wäre ein Mindestlohn in einer Höhe, von der man auch tatsächlich leben kann, eine erste Notmaßnahme. Die Umverteilung von unten nach oben würde damit nicht abgeschafft, aber immerhin ein Bisschen begrenzt oder abgeschwächt. Allerdings reicht solch ein Mindestlohn dank Hartz4 schon lange nicht mehr. Soziale Gerechtigkeit müsste heute sehr viel breiter angelegt werden. Nur ist soziale Gerechtigkeit anscheinend weder gewollt noch bezahlbar. Auch dafür hat Schröder mit seiner Agenda 2010 gesorgt. Diese "Reformen" haben zu einer riesigen Staatsverschuldung geführt, so dass eine Regierung heute mangels Finanzen gar nicht mehr handlungsfähig ist. Auch aus diesem Grund rennen Lobbyisten heute offene Türen ein.

    Schritt 1 wäre also die Wiederherstellung der finanziellen Handlungsfähigkeit des Staates. Davon könnte der Staat anschließend problemlos ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzieren. Im Grunde eine Art Hartz4 ohne Schikanen und ohne Zwangsarbeit. Ohne die Zwangsarbeit hätten die Arbeitnehmer wieder die Chance, anständige Löhne durchzusetzen, da sie ja nicht mehr durch zwangsrekrutierte Arbeitslose ersetzt werden können.

    Aber das wird wohl zu meinen Lebzeiten nicht mehr passieren.

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  16. Verkauft

    Ich hasse Werbung. Und zwar täglich mehr. Wie bei t3n zu lesen ist, verkauft eBay nun seine Kundendaten an die Werbeindustrie. Damit tut eBay das Gleiche wie zuvor schon Amazon.

    Was für ein Glück, dass ich weder bei Amazon noch bei eBay jemals tätig war und mich niemals registriert habe. Und jetzt bleibt das auch so!

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  17. Rasterfahndung

    Wie bei Netzpolitik zu lesen ist, ist Rasterfahndung ungeachtet der weitgehenden Nutzlosigkeit inzwischen ein oft angewandtes Mittel der Polizei. Dazu gehen mir im Wesentlichen zwei Dinge durch den Kopf:

    Zum Einen betrifft Rasterfahndung notwendigerweise und prinzipbedingt entweder ausschließlich oder fast ausschließlich unschuldige, gesetzestreue Bürger. So wurden über eine Million Datensätze erhoben. Gesucht wurden darin die ein oder zwei Datensätze von Verdächtigen. Selbst, wenn man diese gefunden hätte, es wäre ein aberwitziger Aufwand. Dabei ging es nicht um schwere Verbrechen wie z.B. Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe, sondern darum, dass ein paar militante Antifaschisten ein paar Nazis verprügelt haben. Da muss man sich doch unwillkürlich fragen, ob die Mittel hier noch verhältnismäßig sind. Nun, das Amtsgericht Dresden ist der Meinung, dass ja.

    Die andere Sache, die mir durch den Kopf geht, ist diese: Die gesuchten Täter waren Antifaschisten, die Nazis verprügelt haben. Verprügelt, nicht getötet. Ohne Frage kriminell. Aber warum hat man einen derartigen Aufwand nicht getrieben, um die NSU dingfest zu machen? Türken zu ermorden scheint offenbar eine weit geringere Straftat zu sein als Nazis zu verprügeln. Und das macht mir wirklich Sorgen.

    Grundsätzlich habe ich Nichts gegen eine solche Rasterfahndung. Sie sollte vertraulich sein und unschuldige Bürger nicht öffentlich beschuldigen. Und die Daten müssen nach Auswertung gelöscht werden! Und zwar unverzüglich. Trotzdem bleibt die Rasterfahndung ein ziemlicher Klopper. Zur Ermittlung bei schweren Straftaten vielleicht angemessen. Bei Mord, Menschenhandel, Kinderporno-Sklaverei und bei schweren Wirtschaftsverbrechen kann das angemessen sein. Aber Nazis verprügeln?

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  18. Femen und Islam

    Amina Tyler, ein Name, den man sich wohl eine Zeit lang merken wird. Eine Tunesierin, die nach Femen-Vorbild mit nacktem Oberkörper für ihre Selbstbestimmung protestiert hat. Mittel merkwürdig, Ziel unterstützenswert.

    Und jetzt? Femen aller Welt, vereinigt Euch und schafft den Islam ab? Nicht nur oben ohne, sondern vor Allem ohne zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich gerne verschleiern? Aus welchen Gründen auch immer? Revolution für Toleranz durch Abschaffung der Toleranz?

    Also, ich bin für Kopftuch, Schleier und Burka. Und zwar für Jeden und Jede, der/die das selber tragen will. Und wenn die Femen dagegen sind: Fuck Femen.

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  19. Wulff Finale

    Einen "Deal" mit der Staatsanwaltschaft will er nicht, er ex-Präsi Wulff. Ich weiss nicht, was er dafür für Motive hat, aber wenn es so sein sollte, dass er Gerechtigkeit fordert und erwartet, dann Respekt! Dann war das die richtige Entscheidung. Was ich an ihm in seiner Amtszeit so merkwürdig fand, war ja weniger eine möglicherweise vorhandene Bestechlichkeit. Denn diese hätte ich gar nicht prüfen können. Es war sein Herumlavieren um das Thema. Jetzt scheint das mit dem Herumlavieren endlich ein Ende zu haben.

    Merkwürdig ist, dass von all den Vorwürfen gerade mal einer übrig geblieben ist. Und bei dem geht es um siebenhundert und ein par zerquetschte Euronen. Gut, Recht ist Recht, und wenn es nur ein einzelner Cent wäre. Allerdings angesichts dessen, was in der Politik ganz normal so abgeht, ist diese Summe geradezu lächerlich. Ein schlechter Witz.

    Keine Ahnung, ob Wulff ein Karrierist, Opportunist und/oder Raffzahn war oder ist, erstens interessiert das eigentlich kaum noch, und zweitens deutet momentan Alles darauf hin, als ob damals aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde. Gut, ich halte Gauck sowieso für den besseren Präsidenten, aber eine derartige Demontage hat Wulff wohl nicht verdient. Wird Zeit, dass da mal das Eine oder Andere geradegezogen wird. Seine Entscheidung, das durchzufechten, ist aus meiner Sicht richtig. Ob er die richtigen Motive dafür hat, kann nur er selbst beurteilen.

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