Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Tweensur
  2. Überwachung
  3. Pleite
  4. Richtige und falsche Familie
  5. Umleitung
  6. Gott und Gerechtigkeit
  7. Sprache und Persönlichkeit
  8. Die richtige Neujahrsansprache
  9. Sozialer Ausknopf
  10. Blogkataloge
  11. Sozialer Spam
  12. Geschlechterkrampf
  13. Das Ende der Welt ist nah
  14. Total breit
  15. Der große böse Wulff
  16. Der universelle Computer
  17. White-IT
  18. Wieder da
  19. Und weg
  20. Zukunft berauschend
  1. Tweensur

    Fri, 27 Jan 2012 09:34:58 +0100

    Anscheinend implementiert Twitter gerade eine länderspezifische Zensur. Eine Tweet Zensur. Dabei geht es schlicht darum, dass Inhalte, die in einem bestimmten Land gegen das dortige Gesetz verstoßen, dort blockiert werden. Als Beispiel wird hier explizit Deutschland genannt, wo NS-Propaganda verboten ist.

    Das liegt zunächst mal nahe. Ich bin durchaus gegen Nazi-Propaganda. Aber ist das gesetzliche Verbot von egal wie dummen Meinungsäußerungen tatsächlich konform mit den Idealen von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit? Wir tun uns hier leicht, die Zensur in den islamistischen Ländern oder in China zu verdammen. Aber tun wir denn hier nicht das Gleiche? Sollten wir hier nicht besser, anstatt Nazi-Geschwafel zu verbieten, uns mit dem real existierenden Nazi-Sumpf aktiv auseinandersetzen?

    Denn selbstverständlich wird diese Zensur vor Allem den restriktiven Ländern wie China und Syrien zugute kommen. Wenn Assad ein Gesetz gegen Kritik an seiner Person erlässt, wird es in Twitter also keine Kritik mehr an Assad geben. So einfach ist das.

    So sieht das aus, wenn eine kommerziell orientierte Firma in weitere Märkte expandieren will. Ich weiss schon, warum ich meine Möglichkeiten der Meinungsäußerung nicht einer solchen Firma anvertrauen werde. Früher oder später kommt es nun mal zu solcher Firmenpolitik.

  2. Überwachung

    Sun, 22 Jan 2012 11:14:23 +0100

    In Berlin brennen die Autos. Keine Ahnung, welche Idioten da ihr Unwesen treiben, aber es passiert weiter. Nun ist es Aufgabe der Polizei, diese Brandstiftungen aufzuklären.

    Bei der Aufklärung werden prinzipiell klassische Verfahren eingesetzt, allerdings an die neuen technischen Möglichkeiten angepasst. So ist es beispielsweise wohl klassische Ermittlungsarbeit, festzustellen, wer an mehreren Tatorten anwesend war. Dass Jemand an einem Tatort anwesend war, ist sehr wahrscheinlich ein Zufall. Dass Jemand an zwei Tatorten anwesend war, ist schon weit weniger wahrscheinlich. Und an drei Tatorten noch weniger wahrscheinlich. Doch wie stellt die Polizei nun fest, wer an welchem Tatort war? Nun, zu Zeiten der allgegenwärtigen Handies kein all zu großes Problem: Über die Provider kann die Polizei ungefähr feststellen, wer wann wo war. Das ist zunächst mal noch ganz normale Ermittlungsarbeit. Diese Daten werden dann abgeglichen, um mögliche Verdächtige zu finden. Im Falle der Berliner Autobrände übrigens vergeblich. Und wenn man dann ein paar Verdächtige hat, kann man diese näher überprüfen.

    So weit die Theorie. Dass die Erfolgsaussichten notwendigerweise eher sehr gering sind, dürfte auf der Hand liegen. welcher Einbrecher hinterlässt schon an allen Tatorten seinen Namen und Adresse? Aus den gleichen Gründen dürfte es für den Brandstifter wohl selbstverständlich sein, bei seinen kriminellen Machenschaften entweder gar kein Handy mit zu führen, oder dies zumindest ausgeschaltet lasse. Noch intelligentere lassen es eingeschaltet an einem möglichst unverdächtigen Ort (z.B. im eigenen Wohnzimmer) liegen und verschaffen sich damit zumindest auf den ersten Blick sogar ein Alibi. Es liegt also auf der Hand, dass der Massenabgleich von Handydaten nur ein erster und wenig erfolgversprechender erster Schnellschuss sein kann. Nicht, dass es deswegen überflüssig wäre. Man schaut ja schließlich auch bei einem Einbruch, ob der Täter Irgendetwas hat liegen gelassen, das zu seiner Identifizierung führen kann. Die Erfolgsaussichten sind hier allerdings höher als bei der Telefonüberwachung.

    Es gibt bei dieser Art Ermittlung jedoch einen erschreckenden Schwachpunkt: Diese "Ermittlungsdaten" bleiben sehr lange gespeichert. Angenommen, Irgendjemand war zum Zeitpunkt einer der Autobrände mal in der Nähe eines solchen Tatorts und hatte als unbescholtener und argloser Bürger sein Handy an. Er steht dann also im Zusammenhang mit Brandstiftung in den Akten. Nicht als Brandstifter, aber er taucht eben in diesem Zusammenhang in den Akten auf. Nehmen wir weiter an, dieser Jemand sei ein Hausbesitzer. Nehmen wir weiter an, ein paar Jahre danach brennt diesem Hausbesitzer die Bude ab. Dann stellt die Versicherung plötzlich fest, dass gegen diesen Hausbesitzer mal wegen Brandstiftung ermittelt worden war, weil die Daten noch immer nicht gelöscht worden sind. Und schon haben wir den Fall, dass die Polizei einem unbescholtenen und rechtschaffenen Bürger vorsätzlich und unnötig Schaden zufügt.

    Was hier also falsch ist, ist nicht so sehr das Ermittlungsverfahren an sich, aber sehr wohl der Umgang mit diesen sensiblen Daten. Unbedingt notwendig ist ein geordnetes Verfahren zur Löschung dieser Ermittlungsdaten. Es reicht nicht, wenn diese Daten irgend wann einmal von einem verantwortungsbewussten Beamten gelöscht werden (und was ist mit den Backups?). Es muss ein geordnetes und geregeltes Verfahren geben. Und so lange die Daten nicht gelöscht wurden, ist ein ganz besonders sensibler Umgang mit diesen Daten erforderlich. Eine gut gemeinte Amtshilfe kann hier sehr schnell großen Schaden anrichten.

  3. Pleite

    Sun, 22 Jan 2012 10:46:53 +0100

    Schlecker ist pleite. Diese Firma war eine der Ersten, die negativ aufgefallen sind bezüglich ihres Umgangs mit ihren Mitarbeitern. Es hat wohl Alles Nichts genutzt. Auch, wenn die Mitarbeiter ausgepresst wurden wie eine Zitrone, die Firma ist trotzdem pleite.

    Traurig für die Mitarbeiter. Ich schätzt mal, selbst die Ausbeutung durch Schlecker ist immer noch besser als die Behandlung durch ARGE.

  4. Richtige und falsche Familie

    Wed, 18 Jan 2012 08:59:31 +0100

    Familie ist nicht gleich Familie, so titelt TheEuropean. Grundsätzlich ist die dort getroffene Definition einer "guten" Familie ja zwar reichlich sperrig, aber gar nicht so verkehrt:

    Familie ist da, wo Eltern und Kinder in gegenseitigem Respekt eine in die Zukunft weisende Verantwortung füreinander übernehmen,
    • in Bezug zu den Kindern, die Erziehungsverantwortung
    • als gegenseitige Beistandschaft in Freud, Leid und Not!
    • in Bezug zu den Eltern, eine Mitverantwortung für das Leben im Alter

    Probleme sehe ich trotzdem. Was heisst z.B. Eziehungsverantwortung? Heisst das, dass die Kinder einem bestimmten Ideal entsprechend geformt werden sollen? Wenn ja, welchem Ideal? Wer definiert das und mit welchem Recht? Wenn ich hier z.B. an das Erziehungsideal im dritten Reich denke, dann wird mir ganz anders. Ich verstehe die Idee hinter dem Artikel von Albert Wunsch, aber ich habe Zweifel, ob die Idee wirklich so gut ist. Unser Grundgesetz schränkt den Schutz und die Förderung von Familie nicht ein. Und gerade Problemfamilien sollten ja Förderung bekommen. Eine Förderung sollte keine Belohnung für besonders staatskonformes Verhalten sein, sondern dem Bedarf angemessen. Und gerade Familien mit verwahrlosten Kindern brauchen ganz besonders Hilfe.

  5. Umleitung

    Thu, 12 Jan 2012 08:10:13 +0100

    Ein paar Kriminelle haben in letzter Zeit eigene DNS Server betrieben und viele Computer mit einem Trojaner infiziert, so dass diese Computer die kriminellen DNS Server benutzten. Dieser DNS Service sorgt z.B. dafür, dass man, wenn man im Browser http://www.meine-bank.com eintippt, auch bei der Hausbank landet und nicht sonstwo. Die kriminellen DNS Server sorgen hingegen dafür, dass man auf einem Computer dieser Kriminellen landet. Der gesamte Datenverkehr wird einfach über diesen kriminellen Lauscher umgeleitet. Der Spiegel und das BSI raten dringend, den eigenen Computer auf Infektion zu testen. Dem kann ich mich nur anschließen.

    Interessant ist, dass noch vor Kurzem unsere Regierung selber vor hatte, genau das Gleiche zu tun. Man erinnere sich: Im Zuge der Bekämpfung von Kinderpornografie sollten genau solche DNS Server installiert werden, die bei "verdächtigen" Adressen den Internetnutzer umleiten sollten auf das Stopp-Schild. Natürlich Alles nur zu unserem Besten, und man hätte dies natürlich niemals missbraucht, um z.B. gewissen politischen Zielen den einen oder anderen Vorteil zu verschaffen. Nein, nie.

  6. Gott und Gerechtigkeit

    Wed, 11 Jan 2012 12:29:32 +0100

    Der Erzbischof von Granada, Javier Martinez, hat in seiner Weihnachtspredigt anscheinend gesagt, dass Frauen vergewaltigt werden dürften, wenn sie abgetrieben haben. Eurotopics meint dazu:

    In solchen Situationen wünscht sich sogar ein Nicht-Gläubiger, es gäbe einen Gott, um diese Menschen zu verurteilen.

    Nun, ich als Christ kann hiermit bestätigen, dass es einen Gott gibt, um diese Menschen zu verurteilen. Die Bibel sagt dazu: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Das ist wohl eindeutig. Im Umkehrschluss kann man davon ausgehen, da Javier Martinez gerichtet hat, wird er gerichtet werden.

    Abtreibung ist, denke ich, falsch. Aber kann ich eine Frau, die abgetrieben hat, dafür verurteilen? Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ich bin nicht ohne Sünde, also werfe ich hier garantiert keinen Stein. Aber selbst, wenn ich, wie Christus, ohne Sünde wäre, könnte ich die Frau dann verurteilen? Das Thema Abtreibung ist komplex und kompliziert. Um mir ein Urteil zu bilden, bräuchte ich Gottes Allwissenheit. Und die habe ich nicht. Also überlasse ich die Beurteilung (nicht notwendigerweise Verurteilung) ihm. Gott ist gerecht. Auch einem Erzbischof von Granada wird Gerechtigkeit widerfahren. Was für ein Glück, dass es Gott gibt.

    Und was für ein Glück, dass es Christus gibt, damit ich um die Gerechtigkeit drumrum komme.

  7. Sprache und Persönlichkeit

    Wed, 11 Jan 2012 11:50:58 +0100

    Wie sag ich's meinem Kinde? Oder, wie Doris Märtin bei Karrierebibeldas Thema angeht: Wie kommuniziere ich richtig mit z.B. US-Amerikanern.

    Sprachen unterscheiden sich nicht nur in Vokabular und Grammatik. Auch die Art, wie man lobt, kritisiert oder sich präsentiert, ist eine andere.

    Das ist korrekt. Im Gegensatz zu ihr bin ich aber nicht der Meinung, dass man jeden Kommunikationsstil 1:1 nachmachen muss. In der Art zu sprechen drückt sich auch Persönlichkeit aus. Ich habe 2 Jahre in Brasilien, in Rio de Janeiro, gelebt und gearbeitet. Bei dieser Gelegenheit hatte ich ein interessantes und sehr erhellendes Erlebnis. Die Firma bezahlte uns einmal den Eintritt in das Sambodromo zum Karneval. Wir haben unsere Portugiesisch-Lehrerin mitgenommen und uns das Spektakel gemeinsam angeschaut. Nach dem Karneval, in der nächsten Unterrichtsstunde, fragte sie mich, wie mir die Show gefallen hätte. Ich sagte gut!. Da guckte sie mich groß an und fragte: Also nicht so gut? Nun guckten wir uns beide gegenseitig groß an und mussten dann lachen. Dann erzählte sie mir von einem Werbespot von VW, der zur Zeit gerade im Fernsehen lief. Da wurden die neuen Modelle vorgestellt. Die brasilianischen Mitarbeiter stellten die neuen Modelle einem deutschen Vorarbeiter (so richtig im Blaumann) vor. Bei jedem Modell nickte der Blaumann und brummte kurz. Die brasilianischen Untertitel dazu variierten zwischen "sehr gut", "super", "klasse" und Ähnlichem. Das letzte Modell wurde vorgestellt, und der Blaumann bequemte sich neben dem bestätigenden Nicken zu einem "gut". Daraufhin überschlugen sich die Untertitel förmlich. Wir haben beide herzlich gelacht und dann über unterschiedliche Kommunikationsarten sinniert. Das war interessant.

    Ich halte es nicht für richtig, fremde Kommunikationsstile auf Teufel komm raus zu imitieren. Aber, und hier gebe ich Doris Märtin Recht, es ist unbedingt notwendig, andere Kommunikationsstile zu kennen und zu respektieren. Und ein ganz persönlicher Tipp: Humor hilft dabei.

  8. Die richtige Neujahrsansprache

    Wed, 11 Jan 2012 09:59:04 +0100

    Aufwachen! Die Neujahrsansprache ist da. Nein, nicht die vom Bundespräsi. Die ist diesmal wohl bei so ziemlich Allen vorbei gerauscht. Aber diese Ansprache, die wird nicht so einfach vorbeirauschen. So eine Ansprache hätte ich mir vom Bundespräsidenten erwartet (oder erhofft).

    Die englische Version ist wohl schon eine Weile im Umlauf. Ich wünsche mir diese Ansprache in jeder Sprache dieser Welt.Jeder sollte das hören.

    Die Frage ist, glaube ich, dass diese Ansprache Etwas ändern wird? Ich fürchte, eher nein. Die Menschen sind unfähig, sich selbst und die Welt zu retten. Sie werden es nicht schaffen. Die Meisten werden es nicht einmal versuchen. Dennoch ist diese Ansprache richtig und wichtig. Da soll Niemand kommen und sagen, er hätte es nicht gewusst oder Niemand hätte versucht, ihn aufzurütteln. Hier ist der Wachrüttler. Wer weiter schläft, ist wohl schon tot.

    Merkwürdig, in letzter Zeit häufen sich solche Reden. Ich weiss den Namen nicht von dieser hier, aber Thema und Intensität sind vergleichbar. Oder die Rede von Anjali Appadurai letztens (siehe auch hier). Eine wichtige und intensive Ansprache nach der Anderen. Aber noch immer ändert sich Nix. Die Menschen haben immer noch nicht gelernt zu denken. Noch immer dominieren Angst, Hass, Ignoranz und Arroganz. Was wir (jeder Einzelne) dringend bräuchten wäre Mut, Liebe, Verständnis und Bescheidenheit. Und das nicht, weil ich mir damit einen runter hohle, sondern weil davon unser Überleben abhängt.

    Vielleicht noch eine kleine Anmerkung am Rande: wir denken zu viel und fühlen zu wenig. Ach ja? Ich denke, es ist eher anders herum. Wir denken zu wenig, und lassen dieses wenige Denken von Gefühlen wie Angst und Misstrauen dominieren. Vielleicht sollten wir anfangen zu denken.

  9. Sozialer Ausknopf

    Wed, 11 Jan 2012 09:22:22 +0100

    Google verzahnt seine Suche immer mehr mit Google Plus. Das soll wohl die Relevanz der Ergebnisse verbessern. Zum Glück gibt es, wie Basic Thinking berichtet, einen Aus-Knopf. Nun ja, wie schon oft, versucht hier wieder einmal eine Firma, ein bestimmtes Gebiet zu monopolisieren. Im Internet wird aber immer um Probleme herum geroutet. So lange der Aus-Knopf vorhanden ist und funktioniert, so lange werden die Probleme wohl nicht groß genug werden, dass es sich lohnt, darum herum zu routen. Wie das wird, wenn der Aus-Knopf mal weg fällt, wir werden sehen.

    Mir persönlich geht das Ganze vorläufig noch ziemlich am A… vorbei. Ich nutze Google relativ selten. Meist benutze ich Scroogle, eine Art Proxy für Google. Funktioniert prächtig, und ich habe meine Ruhe. Darüber hinaus kann ich in Firefox auch weitere Suchmaschinen installieren. Derzeit habe ich neben Google noch Yahoo, Amazon, Ask, Bing, eBay, LEO, Scroogle und Wikipedia installiert. Amazon, Ask und Bing benutze ich allerdings sehr sehr selten. Für den ersten Schnellschuss am praktischsten ist Scroogle. Wikipedia liefert nicht so viel, dafür aber i.d.R. sehr nützliche Ergebnisse. LEO, eBay und Bing nutze ich nur für ganz spezielle Anfragen. Damit komme ich wunderbar zurecht.

    Ich hatte auch schon mal mit YaCy experimentiert, aber das hat bei mir nicht funktioniert. Aber der Ansatz ist gut. Ich werde das Projekt weiter beobachten, und wenn ich mal zu viel Zeit haben sollte, werde ich noch mal eine Installation versuchen. Ich habe noch einen Industrierechner, der derzeit brach liegt. Den könnte ich 24/7 dafür abstellen. Wie gesagt, wenn ich mal zu viel Zeit habe.

  10. Blogkataloge

    Sun, 08 Jan 2012 13:22:17 +0100

    Blogkataloge – was war das noch mal gleich? Ach ja, diese Verzeichnisse. Alexa und Co. Hatte ich mal. Und nun wird bei Webmaster Friday gefragt, ob man denn noch…

    Nein, derzeit nicht. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich diese Kataloge (oder Verzeichnisse) für überflüssig halte. Das liegt eher daran, dass ich zur Zeit andere Sorgen habe, als mich darum zu kümmern. Aber ich denke, ich werde meine Blogposts wieder in diverse solcher Kataloge eintragen. Warum? Nun, das zu erklären, ist nicht so ganz einfach. Zunächst einmal denke ich, dass die Fragestellung bei WebmasterFriday für mich falsch ist:

    Bringen Blogkataloge nicht das, was sie versprechen? Was versprechen sie eigentlich? Und was können sie bringen?

    Das ist zumindest bei mir nicht der Ansatz. Mal abgesehen davon, dass ich dieses Feature früher einmal aus reiner technischer Neugier eingebaut habe (ich wollte einfach wissen, ob es funktioniert), die Frage ist nicht, was Blogkataloge (mir) bringen. Die Frage ist eher, kann durch die Verwendung von Blogkatalogen dem Leser ein zusätzlicher Nutzen verschafft werden? Da ich mit meinem kleinen selbstgebastelten Blog weder kommerziell auf Mehrung des eigenen Vorteils angewiesen bin, noch auf Ruhm aus bin, kann mir die Nützlichkeit von Blogkatalogen für mich und mein Blog grade mal egal sein.

    Die andere Frage ist: Bringen Blogkataloge meinen Lesern Etwas? Ich denke, ja, wenn auch vielleicht nicht besonders viel. Stammleser brauchen keinen Blogkatalog, um meine Artikel zu finden. Mein Blog fing an mit einem RSS Feed (von Hand mit erstellt). Solch ein Feed ist dazu gedacht, regelmäßig von einem Feedreader abgefragt zu werden. Dieser Feedreader informiert dann den Leser darüber, ob und wann es etwas Neues gibt. Der zentrale Gedanke dabei ist: Ich stelle Etwas online und biete dies einfach so ohne Weiteres an. Wer's mag, ist willkommen, wer's nicht mag, darf fern bleiben. Keine Werbung. Dieses Prinzip behalte ich auch heute noch bei. Die aus dem RSS Feed automatisch erstellten HTML-Seiten sind eine sekundäre Quelle, ein Abbild. Ein Plus an Lesekomfort für Die, die es mögen. Mehr nicht.

    Keine Werbung?

    Korrekt. Allerdings mache ich hier dann doch Kompromisse. Denn wenn ich einem beliebigen Internetnutzer die Entscheidung darüber, mein Blog zu lesen oder es bleiben zu lassen, überlasse, dann sollte dieser Internetnutzer wenigstens ganz neutral über die Existenz dieses Blogs informiert werden. Wie also teile ich möglicherweise interessierten Surfern mit, dass ich meine ganz persönliche Meinung online zum Nachlesen habe? Dazu verwende ich im Wesentlichen eine Methode: Selber mitmachen. Blogkataloge sind eine weitere Methode, die aber selbst dann, wenn ich sie (in Zukunft wieder) nutze, eine sehr untergeordnete Rolle spielen.

    Wie mitmachen?

    1. Hauptsächlich mache ich mit, indem ich eben selber Blogartikel verfasse. Und diese Blogartikel verlinke ich dann mit anderen Blogartikeln (via ). Genau so war das ursprünglich einmal gedacht. Wer also irgendwelche Blogs liest, wird hin und wieder auf ein solches von mir stoßen. Und dann vielleicht meinen Artikel lesen. Auch dieser Artikel hier wird ja mit Webmasterfriday verlinkt. Er dient also, abgesehen von dem eigentlichen Statement, auch nebenbei dazu, mein Blog bekannt zu machen.
    2. Die zweite Methode: Ich kommentiere in anderen Blogs. Diese Methode ist weniger spezifisch und aufgrund der fehlenden Relevanz meiner Artikel bezüglich des kommentierten Blogartikels weniger effektiv. Wenn mein Blog für den kommentierten Blogartikel relevant wäre, dann hätte ich nicht dort kommentiert, sondern hier selbst einen Artikel geschrieben. Nichtsdestotrotz ist das Kommentieren in anderen Blogs eine Methode, um ganz nebenbei auch das eigene Blog bekannter zu machen.
    3. Blogkataloge stellen eine weitere Methode dar. Der einzige Blogkatalog, der wirklich miretwas bringt (bringen könnte), ist Rivva. Aber dort tauche ich (natürlich) nicht auf. Die Anderen sind ein kleines, relativ unbedeutendes Mittel. Theoretisch könnte man mehr daraus machen. Dazu bräuchte man eine Art Wissensdatenbank, die möglichst intelligent herausfindet, welche noch unbekannten Blogs gerade einen für den Leser interessanten Beitrag bieten. So viel Intelligenz ist allerdings derzeit noch in keinem Katalog vorhanden. Aber auch, wenn diese Kataloge recht unbedeutend sind, schaden tut es ja auch Nix. Also, warum nicht?

    Zusammengefasst: Blogkataloge sind ein Hilfsmittel mit bescheidenem, aber immerhin vorhandenem Nutzen.

    WebmasterFriday

  11. Sozialer Spam

    Sun, 08 Jan 2012 11:32:59 +0100

    Die Spammer haben die sozialen Netze entdeckt:

    Angriffe auf das soziale Netzwerk zählen zu den derzeit am schnellsten wachsenden Bedrohungsarten der IT-Welt. So fängt Facebook nach eigenen Angaben täglich mehr als 200 Millionen Spam-Nachrichten ab, die zum Beispiel auf Malware verweisen. Zur Information seiner Benutzer pflegt das soziale Netzwerk eigene Seiten mit Sicherheitshinweisen.

    Das war abzusehen. Es liegt zwar nicht direkt an den Betreibern wie z.B. Facebook, es liegt einfach daran, dass Facebook eine derart große Verbreitung hat. Daher lohnt der Angriff. Die schiere Menge an potentiellen Spam-Empfängern rechtfertigt anscheinend den dafür notwendigen Aufwand.

    Nun ja, meine Logindaten bei Facebook sind absolut sicher: Ich habe keine. Hatte ich noch nie.

  12. Geschlechterkrampf

    Wed, 04 Jan 2012 18:06:43 +0100

    Eckhard Kuhla hat ein Buch herausgegeben mit dem interessanten Titel "Schlagseite – Mann/Frau kontrovers". Und in Telepolis dazu ein Interview gegeben. Die Aussagen dort decken sich zu einem großen Teil mit meinen eigenen Beobachtungen, die ich schon seit Jahren mache.

    In der Gewaltdebatte werden Männer zu den alleinigen oder hauptsächlichen Tätern stilisiert. Frauen hingegen werden als die Opfer dargestellt. Viele Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Gewaltausübung im häuslichen Bereich auf beide Geschlechter etwa gleich verteilt ist. Nur die Formen der Gewalt unterscheiden sich. Eine wichtige Rolle spielt hier die Untersuchung des Geschlechterforschers Peter Döge "Männer – die ewigen Gewalttäter?" aus diesem Jahr. Er plädiert für eine differenziertere Betrachtung der Gewalt und spricht sich gegen das Klischee Männer gleich Täter und Frauen gleich Opfer aus. Damit beschreibt er einen klaren Fall von Diskriminierung der Männer.

    Das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Frauen können sehr gewalttätig sein. Vielleicht nicht so gut mit den Fäusten, aber auf jeden Fall mit der Zunge. Die Verletzungen, die sie damit zufügen, sind tief und heilen schlecht. Und dennoch:

    Außerdem polarisiert die Genderideologie – wie jede Ideologie. Die Menschen werden nicht nach ihrer Individualität, also nach ihren individuellen Interessen, Fähigkeiten und Präferenzen, betrachtet, sondern nach der Gruppenzugehörigkeit: nach dem "Geschlecht". Dabei werden "die Frauen" idealisiert, Männer hingegen als Mängelwesen dargestellt. Täglich lesen wir in den Zeitungen, dass Frauen friedlicher, kommunikativer, einfühlsamer undsoweiter sind als Männer.

    Diese Fehleinschätzung finden wir überall in den Medien. Nicht nur in den Zeitungen oder in Nachrichten oder Dokumentationen oder Berichten. Noch viel intensiver wird diese Botschaft transportiert durch Spielfilme und Werbung. Frauen sind die wunderschönen, allwissenden und grundgütigen Engel, während Männer entweder so eine Art Teufel sind, oder Trottel. Dieses Bild setzt sich fest in unserem Denken. Immer mehr Frauen glauben daran, und auch immer mehr Männer glauben daran.

    Ich kann keinen rationalen Kern in der Genderideologie erkennen. Der eigentliche Kern ist meiner Meinung nach die Annahme der Veränderbarkeit des menschlichen Geschlechts durch Kultur und Gesellschaft. Die Veränderbarkeit des Geschlechts konnte jedoch bisher wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Trotzdem findet diese Annahme beispielsweise ihren Niederschlag in der aktuellen Grundschulpädagogik vieler Bundesländer – ohne dass das in das öffentliche Bewusstsein gelangt. Die Genderideologie wird eingesetzt in der Sexualerziehung mit der Theorie der "Geschlechtlichen Vielfalt". Mit anderen Worten: Grundschulkindern wird ein Korb der geschlechtlichen Identitäten – also nicht nur zwei – angeboten, sie können sich dann ihre Identität aussuchen, begleitet von "gender-erfahrenem" Lehrpersonal. Das entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage – ganz zu schweigen von der moralischen Bewertung.

    Hier kann ich Eckhard Kuhn allerdings nicht ganz folgen. Richtig ist, dass die Idee von der alleinigen Bestimmung des Geschlechts durch Kultur und Gesellschaft ziemlicher Unsinn ist. Im Gegenteil, Untersuchungen belegen, dass das Geschlecht weitgehend genetisch und durch Einflüsse während der Zeit als Embryo geformt wird. Übrigens sowohl physisch/biologisch als auch im Gehirn (Persönlichkeit). Fakt ist weiterhin, dass die Bandbreite der individuellen Persönlichkeiten sehr viel größer ist als der Unterschied von Mann und Frau jeweils im Durchschnitt. Die Genderideologie ist also insofern falsch, als dass sie von einer Veränderbarkeit des Geschlechts ausgeht, und ebenso falsch, wenn sie von einem "richtigen" Geschlecht ausgeht resp. davon, wie sich dieses "richtige" Geschlecht z.B. durch das Verhalten manifestiert. Solch ein "richtiges" Geschlecht gibt es nicht. Daneben liegt Kuhla aber meiner Meinung nach, wenn er diesen in der Grundschule angebotenen "Korb der gesellschaftlichen Identitäten" pauschal ablehnt. Die Idee ist durchaus richtig und könnte jedem Kind helfen, seine ganz eigene und individuelle Identität zu finden und zu fördern. Ob allerdings "gender-erfahrenes Lehrpersonal" dafür die geeigneten Begleiter sind, darf getrost bezweifelt werden. Persönlich habe ich eher den Eindruck, als ob es das Ziel der "gender-erfahrenen Lehrkräfte" ist, Mädchen zu Männern zu formen und Jungen zu Frauen. Und zwar grundsätzlich und aus Prinzip. Da wird nur ein altes Rollenbild durch ein Neues noch Falscheres ersetzt. Das Alte war schon falsch genug, das Neue setzt dem aber die Krone auf. Das kann es ja nun auch nicht sein.

    Ich schreibe derzeit an einem Roman, in dem dieses Thema aufgegriffen wird. Ich schreibe diesen Roman, weil mich dieses Thema schon seit mehr als 10 Jahren stark beschäftigt. Mit etwas Glück kommt zum Jahresende das erste von 3 Büchern raus. Mal sehen…

  13. Das Ende der Welt ist nah

    Wed, 04 Jan 2012 10:30:42 +0100

    Jonathan Zittrain, Professor für Recht und Informatik an der Harvard University, beklagt das Ende der Informationsgesellschaft, wie wir sie kennen. Wie haben wir uns Anno Tobak über das Geschäftsgebaren von Microsoft aufgeregt, die mit ihrem Konzept Netscape ziemlich unfair vom Markt gedrängt haben. Damals hatten sich die Staaten durchgerungen, gegen MS eine Monopolklage anzustrengen. Und es hat tatsächlich ein Bisschen genutzt: Der Internet Explorer ist nicht mehr der praktisch einzige Browser auf dem Markt, und die Konkurrenz hat die Entwicklung belebt. Die heutigen Browser verdanken wir auch der Tatsache, dass es eine Vielfalt an Browsern gibt. Monopole töten die Entwicklung.

    Doch was heute mit den sogenannten App Stores abgeht, ist noch einen Schritt weiter. Da geht es nicht mehr nur um eine einzelne Applikation, die derartig massiv in das System integriert ist, dass alternative Applikationen nur schwer zu Installieren sind. Heute geht es darum, dass ein Konzern nicht nur entscheidet, welche Applikationen überhaupt genehmigt werden, dieser Konzern entscheidet sogar darüber, welche Inhalte auf diesem Gerät darstellbar sind. Also z.B. dieses Bild ja, jenes Bild nein. Und das wird nicht demokratisch entschieden, sondern zentral durch einen Konzern. Das ist in der Tat Zensur vom Feinsten.

    Aber ganz so schlimm sehe ich das denn doch noch nicht. Zwar boomen die Smartphones, aber der traditionelle Computer ist noch nicht tot. Und so lange ich einen solchen Computer kaufen kann, und so lange ich auf eben diesem Computer ein freies und offenes Betriebssystem wie z.B. Linux installieren und benutzen kann, so lange habe ich die Entscheidungshoheit darüber, welche Programme ich darauf laufen lasse, welche Inhalte ich darauf darstelle, oder zu was ich dieses Gerät sonst verwende. Ich muss mir das nicht von einem Konzern vorschreiben lassen.

    Was die Smartphones angeht: Ich werde mir wohl in Kürze Eines kaufen. Vermutlich irgendein Samsung Galaxy. Aber auch eines von LG käme in Frage. Aber ohne Apps. Ich brauche es als mobiles Surfgerät und als mobilen e-mail Client. Und ich warte auf den Tag, an dem auf so einem Gerät Linux läuft. Sobald es ein solches Gerät und ein solches Linux gibt, steige ich um. Und da sind mir die tollen Features eines iPhones grad mal egal.

  14. Total breit

    Mon, 02 Jan 2012 11:23:40 +0100

    Gregor Honsel mosert bei Heise Technology Review über die Breitbildschirme:

    Es gibt gute Gründe für das klassische 4:3-Format. Textdokumente und die meisten Webseiten sind nun einmal eher hochformatig. Je flacher der Bildschirm, desto mehr muss man scrollen. Und werden die Zeilen zu breit, leidet die Lesegeschwindigkeit, weil das Auge beim Zeilenwechsel den Anfang der nächsten Zeile schlecht wiederfindet. Es hat schon seinen Grund, dass Bücher und Zeitschriften im Hochformat gedruckt werden.

    Sehr richtig. Aber bei Webseiten übersieht er hier Etwas. Allerdings Etwas, das auch die meisten Webdesigner übersehen. Warum sind Textdokumente eher im Hochformat? Weil sie klassischerweise auf Papier ausgedruckt werden. Und wegen des Problems, bei langen Zeilen die nächste zu finden, sind Bücher und Zeitschriften i.d.R. eben im Hochformat gedruckt. Das ist sinnvoll so. Aber wie sieht das mit Webseiten aus? Werden Webseiten überhaupt gedruckt? Nun, das kann vorkommen. Und wenn sie gedruckt werden, dann sollten sie in der Tat im Hochformat gedruckt werden. Aus den bekannten Gründen. Aber die Mehrheit der Webseiten wird wohl eher nicht gedruckt, sondern am Bildschirm angesehen. Nun hat nicht Jeder die Möglichkeit, den Bildschirm mal eben hochkant zu stellen. Dies ändert sich zwar gerade durch die Smartphones, aber noch gibt es viele Notebooks mit eher breiten als hohen Bildschirmen. Selbst ein 4:3 Bildschirm ist nun mal breiter als hoch. Trotzdem bleibt das Problem der langen Textzeilen natürlich bestehen.

    Was macht der Webdesigner? Er legt die Schriftgröße fest, und davon abhängig die Breite der Seite. Mal davon abgesehen, dass die meisten von Webdesignern gewählten Schriftgrößen für ältere Menschen eher ungeeignet, weil viel zu klein sind, ergibt sich dadurch jedoch ein unschönes anderes Problem. Wie Gregor Honsel richtig schreibt, nimmt die Zahl der 4:3 Monitore ab, und die Zahl der Breitbildschirme zu. Also ergibt sich die Frage, wie bekomme ich eine eher schmale Seite auf einen eher breiten Bildschirm. Wenn man Designer-zentriert denkt, dann packt man eben die schmale Seite in die Mitte des Bildschirms und füllt den großen Rest mit einem einheitlichen Grau. Das befriedigt zwar den Designer, weil jetzt seine schön und mit viel Arbeit designte Seite ganz besonders gut, weil weit und breit alleinstehend, präsentiert wird. Aber es befriedigt den Betrachter nicht unbedingt, weil damit eine Menge Platz verschwendet wird. Der schöne große und vor Allem breite Bildschirm wird kaum zur Hälfte genutzt. Was für eine Verschwendung. Wenn man Konsumenten-zentriert (Betrachter-zentriert) denkt, dann fällt diese Verschwendung unangenehm auf. Nun kann man zwar die Seite vergrößern (die Vorstellung allein ist ein Graus für jeden Webdesigner, der sein Design mühevoll pixelgenau aufgebaut hat), und damit wird dann der Platz genutzt. Aber jetzt sind die Schriften riesig und die Zeilen wenige. Jetzt muss der Betrachter, wie Honsel schreibt, viel zu viel scrollen, um an den Inhalt zu kommen. Auch nicht befriedigend.

    Und was, wenn der Designer zur Lösung des Problems die Seite nicht in der Breite fixiert, sondern den Browser einfach den vorhandenen Platz mit dem Inhalt füllen lässt? Dann wird der Inhalt so auf dem Bildschirm verteilt, dass kein Platz verschwendet wird. Heraus kommen sogenannte Fluid Layouts. So weit, so schön. Aber auf den breiten Monitoren werden nun die Zeilen zu lang, und es ergibt sich genau das von Honsel korrekt erkannte Problem mit dem Finden der nächsten Zeile. Jetzt stehen wir vor einem Dilemma: Entweder kurze Zeilen mit viel Verschwendung von Bildschirmfläche, oder lange Zeilen ohne Verschwendung, aber auf Kosten der Lesbarkeit.

    Doch es gibt Abhilfe. Der zunächst einfachste Ansatz ist, einen Kompromiss zu finden zwischen Text in kompletter Bildschirmbreite und schmalen Textblöcken mit Platzverschwendung. Warum nur entweder-oder? Ein prozentualer Rand (margin) links und rechts entschärft das Problem etwas und sorgt gleichzeitig auf allen Bildschirmen für ein harmonisches Aussehen. Das Problem der langen Textzeilen wird dadurch allerdings nicht gelöst, nur leicht entschärft. Wie also machen?

    Dazu schauen wir zunächst mal, wie man es bei Büchern oder Zeitschriften macht. Manche Bücher und praktisch alle Zeitschriften lassen ihre Textzeilen nicht über die gesamte Seitenbreite laufen. Stattdessen wird Etwas gemacht, das man Spaltensatz nennt. Diese Idee lässt sich grundsätzlich auch auf Bildschirme übertragen. Im ersten Ansatz mag man hier vielleicht an die Zeiten von html 3.2 denken und die Spalten in eine Tabelle gießen. Bei einem gegebenen Bildschirm kann dadurch ein durchaus ansprechendes Resultat erzielt werden. Das Problem dabei ist: Dem Webdesigner ist ja vielleicht ein Bildschirm gegeben. Aber dem Konsumenten sehr wahrscheinlich ein ganz anderer Bildschirm. Nehmen wir an, der Webdesigner hat einen heute üblichen Breitbildschirm von 1980x1080 Pixeln. Darauf hat er vielleicht seinen Text per Tabelle in 4 spalten verteilt. Jetzt kommt gemeinerweise der Konsument und will sich die Seite auf seinem Smartphone im Hochformat anschauen. Jetzt wird ein Design, das einen breiten Bildschirm voraussetzt, plötzlich in ein schmales Korsett geschnürt. Da bleibt dem Konsumenten die Luft weg. Und das nicht vor Freude.

    Eine Analyse dieses Dilemmas klärt auf: Zunächst mal ist eigentlich die Frage nach Spalten ja oder nein, und wenn ja, wie viele, ganz und gar irrelevant. Relevant ist allein die Länge der Textzeilen. Wenn man diese Erkenntnis ganz konsequent in das Design der Seite einfließen lässt, kommt man zwangsläufig zu einer speziellen Form des CSS Mehrspaltenlayouts. Hier haben wir die Möglichkeit, zum Beispiel die Anzahl und/oder die Breite der spalten anzugeben. Die Anzahl der Spalten geben wir mit column-count an, die Breite der Spalten mit column-width. Es gibt noch einige andere nützliche Angaben, aber die lasse ich bei dieser Betrachtung einmal aussen vor. Wenden wir also die Erkenntnis, dass nicht die Anzahl der Spalten, sondern einzig die Länge der Textzeilen relevant ist, konsequent auf diese beiden Attribute an. Die Länge der Textzeilen ergibt sich automatisch durch die Breite der Spalten. Logischerweise gibt man also, wenn man die Breite der Spalten einigermaßen konstant halten will, die Breite und nicht die Anzahl der Spalten an. Man verzichtet also auf column-count und beschränkt sich auf column-width.

    Aber man kann noch einen Schritt weiter gehen. Was genau an der Länge einer Textzeile relevant ist, ist nicht so sehr die Länge in Zentimetern oder Pixeln, sondern die Anzahl der Buchstaben in der Zeile. Nun gibt es zwar keine Maßeinheit in css, mit der man die Anzahl der Buchstaben angeben kann. Das wäre bei proportionalen Schriften, bei denen jeder Buchstabe eine andere Breite hat, auch nicht möglich. Die Anzahl genau festzulegen ist also nicht möglich. Es gibt aber einen Näherungswert: em. Dies entspricht der Breite des Buchstabens 'M', und zwar in der gerade gewählten Schriftgröße. Eine Angabe von column-width: 40em; würde also bedeuten, dass in dieser Spalte 40 mal der Buchstabe 'M' reinpassen würde. Die meisten anderen Buchstaben sind schmaler. In einer echten Spalte werden wir damit also mehr als 40 Buchstaben finden. Dennoch wird die Anzahl der Buchstaben in einer Zeile effektiv begrenzt. In der Praxis hat sich bei mir (nach meinem persönlichen Geschmack) eine Breite von 26em bewährt.

    Was passiert nun mit einem Text wie diesem hier, wenn er auf einem sehr breiten Monitor dargestellt wird mit den voreingestellten Schriftgrößen? Nun, der Text wird in vermutlich 3 Spalten umgebrochen. Die Länge der Textzeilen ist begrenzt, der Text bleibt angenehm lesbar. Und was passiert, wenn die Schriftgröße vergrößert wird? Dann werden statt drei vielleicht nur zwei Spalten eingerichtet und der Text in zwei Spalten umgebrochen. Die Länge der Textzeilen bleibt in Etwa konstant, der Text bleibt lesbar. Und was passiert auf einem 4:3 Monitor mit vielleicht weniger hoher Auflösung? Dann wird der Text nur einspaltig umgebrochen. Ganz automatisch. Ausser, der Benutzer hat sich eine sehr kleine Schrift eingestellt, weil er Adleraugen hat und gerne mehr Übersicht hätte. Dann werden, genauso automatisch, eben zwei oder vielleicht gar drei Spalten angezeigt. Pro Zeile haben wir immer noch ungefähr so viele Buchstaben, der Text bleibt nach wie vor lesbar. Und auf Smartphones im Hochkant-Format? Kein Unterschied. Der Text wird automatisch in nur einer Spalte dargestellt.

    Dieser Ansatz löst zwar nicht alle Probleme mit extrem stark divergierenden Geräten bei den Anwendern, aber es wird eine Menge Flexibilität erreicht, die der Darstellung der Seite zugute kommt. Die restlichen Maßnahmen (z.B. das Umverteilen der Seitengeometrie) kann dann von den bekannten Techniken des responsive Webdesigns leichter vorgenommen werden. Natürlich trifft das so in dieser Form eher auf textlastige Seiten zu. Aber man muss ja nicht die ganze Seite mit diesen Spalten ausrüsten. Auf dieser Seite ist z.B. der Navigationscontainer auch unabhängig davon. Auf den Bereich beschränkt, der hauptsächlich Text enthält, kann dieses Mehrspaltenlayout aber sehr nützlich sein.

    Bei mir verwende ich folgende Angaben:

    div.entry-content { -moz-column-width: 26em; -moz-column-gap: 1.6em; -moz-column-rule: thin dotted black; -webkit-column-width: 26em; -webkit-column-gap: 1.6em; -webkit-column-rule: thin dotted black; -o-column-width: 26em; -o-column-gap: 1.6em; -o-column-rule: thin dotted black; column-width: 26em; column-gap: 1.6em; column-rule: thin dotted black; }
  15. Der große böse Wulff

    Sat, 31 Dec 2011 13:28:54 +0100

    Die Affäre Wulff zieht weiter Kreise. Ich bin mir nicht so recht sicher, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite hat er wohl eher am Rande der Legalität agiert mit seinen Sonderkrediten, und das, obwohl er als Bundespräsident eigentlich Vorbild sein sollte. Auf der anderen Seite halte ich es diesbezüglich mit einem sehr klugen Satz aus der Bibel: Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Insofern ist wohl Manches von dem, was da abgeht, auch nur ein Machtspielchen.

    Es ist unschön, wenn das Staatsoberhaupt sich bei den Reichen anbiedert und daraus massiv Vorteile zieht, wenn auf der anderen Seite immer mehr Bürger dieses Staates unter die Armutsgrenze fallen. Es ist unschön, wenn auf der einen Seite diesen Armen mehr oder weniger offiziell die Schuld an ihrer Armut selbst gegeben wird, und auf der anderen Seite die Reichen diese Tatsache anscheinend mit Champagner und Kaviar feiern, und unser Staatsoberhaupt fröhlich mitfeiert. Die Situation in diesem Staat lässt ein Feiern derzeit kaum zu. So lange nicht jedem Bürger ein menschenwürdiges Dasein garantiert werden kann, so lange gibt es Nichts zum feiern.

    Aber etwas Anderes gibt mir mehr und mehr zu denken: Wulffs Salamitaktik, wenn es darum geht, das, was auch immer er getan hat, offen zu legen. Dieses Verhalten lässt weder auf Einsicht noch auf den Willen zur Besserung schließen. Und das wiederum deutet darauf hin, dass Wulff tatsächlich vom Stamme Nimm ist.

  16. Der universelle Computer

    Sat, 31 Dec 2011 11:37:43 +0100

    Cory Doctorow hat einen wirklich bemerkenswerten Vortrag gehalten über die Probleme unserer modernen Gesellschaft mit dem Copyright und, als eine Generalisierung davon, mit dem universellen Computer. Davon gibt es ein Transkript und eine Übersetzung. Lesenswert!

    Der Vortrag bestätigt mich in meinem Vorgehen, meinen universellen Computer mit quelloffener Software auszustatten und bei Bedarf meine Software selbst zu schreiben. Denn Editor und Compiler sind das Mittel, um diesen Computer in Alles zu verwandeln, was ich gerade brauche. Und das so, wie ich es will. Und so lange ich damit Niemandem schade, lasse ich mir da auch von Niemandem reinreden. Gut, hin und wieder mag das übertrieben sein. Dass ich mein eigenes selbst geschriebenes Blogsystem einsetze, hat schon des Öfteren zu Verwunderung geführt. Schließlich gibt es doch mit Wordpress und Serendipity wirklich gute Blogsoftware. Aber mir reicht es nicht, im Notfall theoretisch solch eine Software selber schreiben zu können. Ich bereite mich lieber durch praktische Anwendung auf diesen Notfall vor. Aber davon abgesehen macht es auch einfach Spaß und befriedigt meine Neugier und meinen Spieltrieb. Es ist gut, dass ich diese Möglichkeiten habe.

    In diesem Sinne wünsche ich Allen einen guten Rutsch in ein möglichst universelles Jahr 2012.

  17. White-IT

    Tue, 27 Dec 2011 12:48:53 +0100

    ist eine Initiative des niedersächsischen Innenministeriums zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Die Idee ist gut gemeint, technisch jedoch, vorsichtig ausgedrückt, unausgegoren. Davon abgesehen verstehe ich allerdings viele der Kommentare nicht, die man dort zu dem Artikel findet.

    Zunächst mal geht es darum, das Internet zu durchsuchen und möglichst automatisch KiPos zu finden. Daran kann ich nichts Schlechtes oder Verwerfliches finden. Nun ist dieser Verein nicht gerade die Polizei, deren Aufgabe dies eigentlich wäre. Aber aufmerksame Bürger, die der Polizei Hinweise geben, sind ja nichts Schlechtes. Jedenfalls, so lange es sich bei den gemeldeten Verstößen tatsächlich um Straftaten handelt, und so lange Daten, die überprüft wurden, und sich als nicht strafrechtlich relevant herausgestellt haben, auch wieder entfernt werden. Und natürlich müssen die hier zugrunde liegenden Gesetze mit den Menschenrechten vereinbar sein. Aufmerksame Bürger, die im Dritten Reich völlig gesetzeskonform Juden gemeldet haben, haben eben nicht Recht, sondern Unrecht getan. So Etwas darf nie wieder geschehen.

    Gut, setzen wir also mal voraus, dass Jemand tatsächlich KiPos im Internet findet und diese der Polizei meldet. Das geht völlig in Ordnung. Und das hat vor Allem Nichts mit einer verdachtsunabhängigen Totalüberwachung der Bürger zu tun. Überwacht werden nur Daten, die öffentlich zugänglich sind. Wenn die Polizei das macht, ist das ganz normale Ermittlungsarbeit. Eine Grenze wäre hier allerdings zu ziehen, wenn es darum geht, den e-mail Verkehr oder das Surfverhalten unbescholtener Bürger zu überwachen. Das wäre den entscheidenden Schritt zu weit gegangen.

    Technisch gesehen sind die Pläne jedoch Unsinn. Es wird eine Datenbank angelegt, die Prüfsummen von Bildern enthält, die als KiPos bekannt sind. Damit kann im Internet sehr einfach nach Kopien dieser Bilder gesucht werden. Nur reicht es schon, nur ein einziges Pixel in diesem Bild zu verändern, und schon passt die Prüfsumme nicht mehr. Solch ein Prüfsummenverfahren ist zwar einfach, aber damit werden nur die allerdümmsten Kinderschänder entdeckt. Bei so viel Dummheit muss man sich fragen, ob die verbleibende Intelligenz überhaupt noch ausreicht, um überhaupt solche Bilder im Internet zu finden. Ob die verbleibende Intelligenz ausreicht, um überhaupt einen Computer bedienen zu können. Da muss man sich dann fragen, ob diese Initiative nicht reine Augenwischerei ist. So nach dem Motto "wir tun doch was", und damit den eigentlichen Verbrechern sogar einen Schutz durch die Anwendung ungeeigneter Mittel zu gewähren. Das Verfahren mag als allererster Schritt nützlich sein, aber es ersetzt in keiner Weise ordentliche Ermittlungsarbeit. Und es darf auf keinen Fall als Feigenblatt dienen, um sich vor einer ordentlichen Lösung zu drücken.

  18. Wieder da

    Tue, 27 Dec 2011 12:26:17 +0100

    Ich bin wieder da. Wenn auch erst mal nur provisorisch. Die Telekom hat es wohl nicht geschafft, meinen Auftrag zur vereinbarten Zeit fertig zu stellen. Aber dafür hat man mir provisorische Zugangsdaten unbürokratisch und schnell zur Verfügung gestellt. Also mal davon abgesehen, dass ich meinen Router wohl noch das eine oder andere Mal neu konfigurieren muss, entsteht mir also kein Nachteil. Ich denke, damit kann ich leben.

    Nur scheint die neue Leitung ab und zu zusammen zu brechen. Der Router schafft zwar ein Reconnect, trotzdem finde ich das nun weniger schön.

  19. Und weg

    Wed, 21 Dec 2011 16:46:20 +0100

    Ich bin dann mal weg. Ab morgen bin ich erst mal ein paar Tage offline. Morgen endet mein Vertrag, und der neue wird am 27.12. dieses Jahres geschaltet. Hoffentlich.

    In diesem Sinne wünsche ich Allen ein frohes Weihnachtsfest.

  20. Zukunft berauschend

    Tue, 20 Dec 2011 10:16:27 +0100

    Die Piraten wollen Drogen legalisieren. Da bin ich durchaus dafür.

    Was hier oft verwechselt wird: Es geht dabei ganz und gar nicht darum, Kriminalität salonfähig zu machen. Es geht im Gegenteil darum, der Kriminalität rund um Drogen die Grundlage zu entziehen. Eine Legalisierung der Drogen würde also nicht die Geschäfte krimineller Dealer vereinfachen, sondern würde ihnen ihre Geschäftsgrundlage entziehen. Gut, ich bin nicht so optimistisch, zu glauben, dass diese Kriminellen damit zu braven ehrbaren Bürgern werden. Die kriminellen Aktionen würden eben auf andere Gebiete verlagert werden.

    Ein weiterer Aspekt ist die Gesundheit. Wir kennen ja Alle durchaus legale Drogen wie Bier, Wein, Schnaps oder Tabak. Bei all diesen Produkten wird nicht nur von den Herstellern auf Qualität geachtet, auch der Staat hat da den Daumen drauf und kontrolliert die Qualität. Mit Glykol verschnittener Wein führt völlig zu Recht zu einem großen Skandal. Diese Qualitätskontrolle ist bei anderen Drogen ebenfalls dringend nötig. Die meisten Gesundheitsprobleme im Drogenumfeld resultieren aus der unterirdisch schlechten Qualität der Produkte, die massiv mit Müll verschnitten sind, und den miserablen hygienischen Bedingungen rund um den Konsum. Von den Kriminellen kann man keine Qualitätsstandards erwarten, im Gegenteil! Vom Staat muss man das erwarten.

    Daher halte ich diesen Vorstoß der Piraten für unterstützenswert. Allerdings reicht es nicht, diese Drogen einfach zu legalisieren. Es müssen gleichzeitig wie bei Alkohol und Tabak Qualitätsstandards gesetzt werden, und diese müssen kontrolliert werden. Die Legalisierung ist nur die halbe Miete. Die Eingliederung in das bestehende Rahmenwerk der Lebensmittelgesetze ist genauso wichtig.

    Ach ja, nur der Vollständigkeit halber: Mein Drogenkonsum beschränkt sich auf Bier, Wein und schottischen Single-Malt Highland-Whiskey.